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AIDS bei Säuglingen & Kindern

Therapie

Bei der Behandlung HIV-infizierter Kinder sind in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte erzielt worden. Es ist mittlerweile möglich die Anzahl der Viren im Blut, die Viruslast, zu bestimmen. Dadurch können die Krankheitsaktivität und das Ansprechen des Patienten auf eine Therapie weitaus besser beurteilt werden.

Man spricht in Bezug auf HIV von einer antiretroviralen Therapie, das bedeutet, dass sich diese gegen das Virus, das zur Gruppe der Retroviren gehört, richtet. Es stehen heute zahlreiche Medikamente zur Verfügung, die auf unterschiedliche Weise in den Prozess der Virusvermehrung eingreifen und die Viruslast somit gering halten.

Es ist wichtig, zu erwähnen, dass für Kinder bisher nur wenige Medikamente zugelassen sind. Es werden daher auch Medikamente eingesetzt, die bisher nur für erwachsene HIV-Infizierte zugelassen sind. Bei der Wahl der Medikamentenkombinationen handelt es sich vielfach um einen individuellen Behandlungsansatz. Bisher wurden meist Kombinationen von 2, manchmal auch von 3 Medikamenten angewandt. Bei vielen Patienten kann die Viruslast damit auf Werte unterhalb der Nachweisgrenze gesenkt werden. Im Rahmen der Europäischen Gemeinschaft besteht ein Netzwerk für Therapiestudien bei Kindern. PENTA (Pediatric European Network for Treatment of AIDS) hat es sich zur Aufgabe gemacht, zur Sicherheit und zum Schutz von Kindern HIV-Therapiestudien durchzuführen.

Leider zeigen die Medikamente nicht nur Wirkungen, sondern auch Nebenwirkungen, z.B. die Verminderung roter und weißer Blutkörperchen, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, Schädigungen der Nervenbahnen, Hautausschläge sowie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Falls Ihr Kind eine Therapie bekommt, wird Ihr Arzt Sie ausführlich auf mögliche Nebenwirkungen aufmerksam machen. Ein weiteres Problem stellt die regelmäßige Einnahme der Medikamente dar. Manchmal muss diese auf nüchternen Magen erfolgen, manchmal direkt zur Mahlzeit, einige Pillen müssen in Fruchtsaft oder Wasser aufgelöst werden, und viele von ihnen schmecken bitter. Die Einnahme muss diszipliniert und konsequent durchgeführt werden. Das Weglassen einzelner Medikamente erhöht die Gefahr einer Resistenzentwicklung erheblich.

Es gibt keine feste Regelung, wann eine medikamentöse Therapie bei einer HIV-Infektion begonnen werden sollte. Wenn erste Krankheitszeichen und Zeichen des Immundefekts auftreten oder die Viruslast einen altersabhängigen definierten Wert überschreitet, besteht eine generelle Empfehlung. Viele Mediziner raten heute jedoch zu einer frühen und optimalen Behandlung. Als optimal gilt eine Medikamentenkombination, unter der die Viruslast auf Null, also unter die Nachweisgrenze sinkt. Dieses Ziel ist für eine Vielzahl der Patienten heute zu erreichen. Der Zeitpunkt für den Therapiebeginn sollte zwischen Arzt und Patient ausführlich besprochen und Vor- und Nachteile abgewogen werden.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit stellt eine 4-wöchentliche intravenöse Zufuhr von Antikörpern (Immunglobuline) dar. Durch sie kann eine fehlende Antikörperbildung des Körpers größtenteils ersetzt werden. Der Beginn dieser Behandlung wird empfohlen, wenn ein HIV-infiziertes Kind unter wiederholten bakteriellen Infektionen der Ohren, Lunge, Haut etc. oder unter schweren Verläufen von Kinderkrankheiten wie Masern oder Windpocken leidet. Die Infusionen können die Häufigkeit bakterieller Infektionen deutlich vermindern. Leider gelingt es damit nicht, die fortschreitende Zerstörung des Immunsystems aufzuhalten.

Opportunistischen Infektionen stellen im Krankheitsverlauf eine große Gefahr dar. Sinken die T-Helferzellenunter einen bestimmten Grenzwert ab, sollten deshalb vorbeugende Maßnahmen gegen die häufig auftretende Pneumocystis-cariniii-Pneumonie, eine schwer verlaufende Lungenentzündung, durchgeführt werden. Durch regelmäßige Einnahme oder Inhalation eines Antibiotikums kann diese Lungenentzündung weitgehend vermieden werden. Auch für andere opportunistische Infektionen gibt es zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten.

Insgesamt betrachtet sind die Fortschritte beachtlich, die in der Behandlung der HIV-Infektion gemacht wurden. Möglicherweise lässt sich durch eine effektive Therapie der Ausbruch von AIDS verhindern. Bei Kindern, die bereits an AIDS erkrankt sind, lassen sich der Gesundheitszustand und die Lebensqualität deutlich verbessern.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Uwe Büsching

letzte Änderung: 01.08.2018