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AIDS bei Jugendlichen

Diagnose

Krankheitserreger wie Bakterien und Viren lassen sich auf zwei Wegen feststellen: Zum einen kann man einen Erreger indirekt nachweisen, indem man z.B. Blut auf spezifische Abwehrstoffe (Antikörper) untersucht. Werden Antikörper gefunden, die sich gegen den gesuchten Erreger richten, muss die Person auch Kontakt mit diesem gehabt haben oder immer noch haben. Die zweite Möglichkeit besteht darin, den Erreger direkt nachzuweisen. Dies ist in vielen Fällen jedoch schwierig und aufwendig.

HIV-Antikörper-Test

Der HIV-Antikörper-Test (fälschlicher Weise oft als AIDS-Test bezeichnet) weist im Blut vorhandene Abwehrstoffe des Körpers (Antikörper) gegen das HI-Virus nach. Sicher ist der Test erst 12 Wochen (3 Monate) nach einer möglichen Infektion, da vorher möglicherweise noch nicht genügend Antikörper gebildet wurden. Den Test kann man bei jedem Arzt und bei der AIDS-Beratungsstelle der Gesundheitsämter - hier sogar kostenlos und anonym - machen lassen. Beim Arzt fallen meist Gebühren an, die nicht von den Krankenkassen übernommen werden. Ein Ergebnis liegt nach 7-14 Tagen vor. Arzt und Gesundheitsämter unterliegen der Schweigepflicht. Ein positives Ergebnis darf nicht an Krankenkassen, Arbeitgeber oder andere Personen weitergegeben werden.

Der übliche HIV-Test lässt sich bei Neugeborenen noch nicht anwenden. Kindern werden während der Schwangerschaft über den Mutterkuchen (Plazenta) viele mütterliche Antikörper (z.B. gegen Masern und Röteln) übertragen, aber auch gegen HIV, wenn die Mutter mit diesem Virus infiziert ist. Ist die Mutter HIV-Trägerin, lassen sich deshalb bei jedem Neugeborenem HIV-Antikörper nachweisen. Dies bedeutet aber nicht, dass es infiziert wurde.
Während die Antikörper mit 100%-iger Sicherheit im Mutterleib auf das Ungeborene (Fötus) übertreten, gelingt dies dem Virus aus bisher weitgehend unbekannten Gründen nicht so leicht. Es kann bis zu 18 Monate dauern, bis die mütterlichen Antikörper beim Kind nicht mehr nachweisbar sind.

Im Allgemeinen lässt sich die HIV-Diagnose jedoch innerhalb der ersten drei Lebensmonate stellen. Dazu bedient man sich direkter Nachweismethoden, wie der Anzucht des Virus oder des Nachweises von Virusbestandteilen (Teilen der Virushülle, Virusantigenen). Inzwischen ist es auch möglich geworden, durch ein spezielles Verfahren, die so genannte Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR), die Erbsubstanz des HIV im Labor millionenfach zu vermehren und damit schon geringste Mengen an Viren im Blut festzustellen. Dieser Test ist heute die Methode der Wahl und kann eine HIV-Infektion des Kindes nachweisen. Leider ist es nicht sinnvoll, den Test vor Ablauf von zwei Wochen nach Geburt bzw. nach Beendigung der Transmissionsprophylaxe durchzuführen, da der Test sonst falsch positiv oder falsch negativ sein kann.

Prinzipiell muss jeder positive HIV-Test aus einer 2. Blutprobe wiederholt werden, um Verwechslungen auszuschließen.

Was bedeutet ein negatives Testergebnis?

Ein negatives Testergebnis heißt, dass bis etwa 12 Wochen vor dem HIV-Test keine Infektion mit dem Virus stattgefunden hat.

Was bedeutet ein positives Testergebnis?

Ein positives Testergebnis bedeutet, dass Antikörper gegen das HI-Virus gefunden wurden.
Prinzipiell muss jeder positive HIV-Test aus einer 2. Blutprobe wiederholt werden, um Verwechslungen auszuschließen.

Mitteilung der Diagnose

Es besteht bisher keine rechtliche Verpflichtung, dem sozialen Umfeld des HIV-positiven Jugendlichen die Infektion mitzuteilen. Man muss weder das Personal in der Schule noch im Lehrbetrieb über die HIV-Infektion informieren. Falls jedoch gegenseitiges Vertrauen vorliegt, kann eine Mitteilung für alle Beteiligten eine Erleichterung bedeuten. Auf jeden Fall sollte ein solcher Schritt zusammen mit dem Arzt und anderen betreuenden Personen besprochen werden.

Ärzten und Zahnärzten sollte vor eingreifenden Maßnahmen die Infektion mitgeteilt werden, um deren Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten. Die Mitteilung ist auch deshalb wichtig, damit Erkrankungen, die mit der HIV-Infektion zusammenhängen, richtig eingeschätzt werden können.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Uwe Büsching

letzte Änderung: 12.11.2021