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AIDS bei Jugendlichen

Übertragung

AIDS-Erreger
Das HI-Virus ist hochansteckend

Prinzipiell gibt es vier Wege, auf denen der AIDS-Erreger, das HI-Virus, übertragen werden kann:

  • bei sexuellem Kontakt mit HIV-Infizierten (über Körperflüssigkeiten: Sperma, Vaginalsekret, Blut durch Schleimhautrisse); besonders gefährdet sind Menschen, deren Sexualpraktiken ein höheres Verletzungsrisiko bergen, wie z. B. beim Analverkehr.
  • über infiziertes Blut: heute am häufigsten mit verunreinigten Nadeln bei Drogenabhängigen und über offene Wunden, in der Vergangenheit (80er Jahre) auch häufig über Bluttransfusionen und Blutprodukte.

Kinder werden dagegen am häufigsten auf folgenden Wegen von ihrer HIV-infizierten Mutter angesteckt:

  • bei der Geburt oder seltener schon während der Schwangerschaft.
  • das Virus kann außerdem beim Stillen über die Muttermilch auf das Kind übertragen werden.

Zwar ist HIV auch in anderen Körperflüssigkeiten wie Speichel, Tränen, Stuhl und Urin nachgewiesen worden, jedoch in so geringen Mengen, dass diese nicht für eine Übertragung ausreichen. Zudem überlebt das Virus außerhalb des Körpers nur sehr kurz, und schon einfache Hygienemaßnahmen - z.B. Wasser und Seife - genügen, um es abzutöten.

AIDS ist zwar eine lebensbedrohliche Krankheit, doch zeigen jahrelange Erfahrungen, dass beim alltäglichen Umgang mit einem HIV-Infizierten keine Ansteckungsgefahr besteht! Weder durch Küssen, Umarmen und Raufen noch durch gemeinsame Benutzung von Zahnbürsten, Badezimmereinrichtung oder Essgeschirr ist es bislang zu Virusübertragungen gekommen. Nur wenn das Blut eines Infizierten in die Blutbahn (z.B. über eine offene Wunde) oder auf die Schleimhäute (in den Mund oder die Augen) einer anderen Person gerät, besteht ein Infektionsrisiko.

1. Risiken beim sexuellen Kontakt

Beide Partner sind für die Sicherheit beim Geschlechtsverkehr verantwortlich, d.h. auch für den Schutz vor allen sexuell übertragbaren Krankheiten (wie AIDS oder Hepatitis und viele andere). Deshalb sollte jeder auf die Verwendung von Kondomen bestehen, wenn es die Situation erfordert. Das HI-Virus in der Samen- und in der Scheidenflüssigkeit braucht keine offenen Wunden, um in den Körper einzudringen; auch Schleimhäute können als Eingangspforte dienen. Geschlechtskrankheiten (z.B. durch Chlamydien hervorgerufen) oder Verletzungen erhöhen die Gefahr der Ansteckung. HIV wird in Europa in etwa 80% der Fälle auf diesem Weg übertragen. Insgesamt ging in den letzten Jahren der Gebrauch von Kondomen bei Nichtinfizierten zurück und die Bereitschaft zum ungeschützten Verkehr nahm zu. Der Anteil der Menschen, die sich über heterosexuelle Kontakte infizierten ist in Deutschland gestiegen, währen die Übertragung über gleichgeschlechtliche Sexualkontakte oder über Drogenbesteck zurückgegangen ist.

  • Beim ungeschützten Vaginalverkehr haben Frauen ein höheres Infektionsrisiko als Männer, da die ganze Vagina aus Schleimhaut besteht und Frauen dadurch mit viel mehr Körperflüssigkeit in Berührung kommen als Männer. Außerdem ist die Viruskonzentration der Samenflüssigkeit höher als die des Scheidensekrets. Doch natürlich können sich auch Männer beim ungeschützten Vaginalverkehr anstecken. Die Schleimhaut befindet sich bei ihnen als kleiner Kranz am Ende der Harnröhre, also an der Eichelspitze.
  • Ungeschützter Analverkehr gilt als besonders gefährlich, da an der empfindlichen Darmschleimhaut sehr leicht Verletzungen entstehen, welche eine Ansteckung zusätzlich begünstigen.
  • Oralverkehr (der Mann/die Frau befriedigt den/die Partner/in mit dem Mund) wird als weniger gefährlich eingestuft. Dennoch besteht auch hier ein Infektionsrisiko, v.a. durch Viren enthaltendes Sperma und/oder bei kleinen Hautverletzungen im Mundbereich.

Kein Bock auf Safer Sex

Das Risikobewusstsein der Jugendlichen und damit die Erkenntnis, dass Safer Sex der Standard sein sollte, haben deutlich abgenommen. Ältere Generationen wurden durch Berichte über betroffene Prominente aufgerüttelt. Heute erleben Jugendliche AIDS nicht mehr als eine reale Bedrohung: Ihre Idole haben kein AIDS oder auf jeden Fall keine sichtbaren Symptome. Auch in den Medien bestimmt AIDS selten die Schlagzeilen.

2. Übertragung durch infiziertes Blut

In der Vergangenheit (80er Jahre) wurde in einigen Fällen das HI-Virus durch infiziertes Blut oder Blutprodukte übertragen. Doch bereits Ende 1985 haben Krankenhäuser und Blutbanken in Deutschland und anderen westlichen Ländern begonnen, das Blut auf HIV-Antikörper zu testen. Mit dieser Methode sowie einer verbesserten Untersuchung der Spender wurde das Risiko, sich in Deutschland bei einer Blutübertragung anzustecken, deutlich vermindert. Das gilt leider nicht für Entwicklungsländer!

3. Übertragung durch gemeinsamen Gebrauch von Nadeln

HIV wird sehr leicht durch verunreinigte Nadeln und Spritzen bei Drogenabhängigen übertragen.

4. Übertragung durch Verletzungen

Das Risiko einer Infektion durch einen Nadelstich mit einer infizierten Nadel oder einem Messer/Skalpell ist für Angehörige medizinischer Berufe sehr gering.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Uwe Büsching

letzte Änderung: 01.08.2018