Kinder- & Jugendärzte im Netz

Ihre Haus- & Fachärzte von der Geburt bis zum vollendeten 18. Lebensjahr

Herausgeber:

Designerdrogen

Designerdrogen sind Verarbeitungen/Verbindungen verschiedener chemischer Grundstoffe zu neuen Stoffen („Designs“), um die Wirkung verschiedener Drogen nachzuahmen.

Amphetamine (Weckmittel)

Im Zeitalter von Techno-Partys spielen Amphetamine zunehmend eine bedeutende Rolle. Amphetamine sind den Psychostimulanzien zugeordnete Medikamente, welche die Leistungsfähigkeit und die geistige Belastbarkeit erhöhen und dabei den Appetit unterdrücken. Als Appetitzügler wurden sie lange legal in Apotheken verkauft. Viele der Konsumenten gerieten daher in der Vergangenheit nicht über die Drogenszene in Abhängigkeit, sondern über den Wunsch, ihr Gewicht zu reduzieren.

Ecstasy, Amphetamine & Co.

Bereits im zweiten Weltkrieg machte man sich die Eigenschaften der Amphetamine zunutze und erhöhte die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit des Heeres, indem man den Soldaten Amphetamine reichte. Amphetamine werden überwiegend als Party- und Ausgehdroge konsumiert. Sie werden aber auch im Bereich des Leistungssportes (Doping) eingesetzt. Studenten nutzen sie gelegentlich, um ihre geistige Belastbarkeit vor Prüfungsterminen zu steigern.

Medikamente, die Amphetamine enthalten, sind daher inzwischen verschreibungspflichtig. Als Appetitzügler oder zur Behandlung von Asthma sind sie damit nur noch auf Rezept erhältlich. Abkömmlinge des Amphetamins wie das Methylphenidat werden medizinisch beispielsweise zur Behandlung von ADHS eingesetzt.

Eine Studie zur Drogenaffinität von Jugendlichen im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ergab 2011, dass 1,0% der 12- bis 17-Jährigen im Jahr vor der Befragung eine andere illegale Droge als Cannabis konsumiert hatten. 0,4% der Befragten im Alter von 12 bis 17 Jahren und 1,6% der 18- bis 25-Jährigen hatten in den zurückliegenden 12 Monaten Amphetamine konsumiert. Eine Untersuchung unter Hamburger Schülern im Alter zwischen 14 und 17 Jahren ergab 2012, dass 2,5% der Befragten Amphetamine konsumierten. Nach Cannabis wurden sie damit in den befragten Altersgruppen zusammen mit psychoaktiven Pflanzen am häufigsten konsumiert.
Jugendliche greifen aus Neugier, unter dem Einfluss von Eltern oder Freunden, aber auch aus Spaß an kleinkriminellen Aktivitäten zu Amphetaminen. Der Besitz von Amphetaminen ist strafbar.

Metamphetamin

Abkömmlinge der Amphetamine werden als Speed, Crystal oder Glass bezeichnet, wobei Speed eine Mischung aus Amphetamin, Metamphetamin, Ephedrin, Coffein und Verschnittstoffen ist. Bei Crystal, Crystal-Meth oder Glass handelt es sich um einen Abkömmling des Amphetamins, das Metamphetamin. Unter den Erstkonsumenten von Crystal-Meth sind mehr Jugendliche unter 16 Jahren als unter denjenigen von Amphetaminen. Auch Metamphetamin ist eine illegale Droge.

Das Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) der Universität Hamburg veröffentlichte im Februar 2014 einen Sachbericht zum Thema Amphetamine und Metamphetamine. Danach nimmt der Konsum von Crystal-Meth deutschlandweit zu. In ihrer Pressemitteilung zur Rauschgiftlage in Deutschland hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung diese Tendenz bestätigt. 2013 stieg die Zahl erstauffälliger Konsumente gegenüber dem Vorjahr um 7%. Crystal-Meth wird vornehmlich in der Nähe zur tschechischen Grenze in Nordbayern, Sachsen, Thüringen und Teilen von Sachsen-Anhalt konsumiert. Etwa ein Drittel der Befragten greift fast täglich zu Crystal-Meth, Amphetamin-Konsumenten nehmen die Droge im Durchschnitt dagegen nur ein- bis fünfmal im Monat.

Die Droge wird noch häufiger als Amphetamine als Ausgeh- und Partydroge konsumiert. Eine viel größere Rolle als Amphetamine spielt Crystal-Meth aber auch in der Freizeit, bei der Arbeit und zur sexuellen Stimulation. Schüler und Studenten nutzen sie häufiger als Amphetamine zur Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit. Doch das kann Folgen haben: Die Droge zerstört Nervenzellen, so dass die Konzentrations- und Merkfähigkeit auf Dauer verloren geht.

Die Wirkung tritt beim Rauchen innerhalb von Sekunden, beim Schnupfen nach 10-20 Minuten, beim Schlucken nach 30-40 Minuten ein und kann 6 bis 12 Stunden anhalten. Der Konsum von Crystal-Meth kann Menschen innerhalb von kürzester Zeit abhängig machen und stark verändern. Ihr ganzes Leben konzentriert sich dann nur noch auf die Beschaffung der Droge, während sie körperlich und geistig stark abbauen.

Konsumenten sind über die Risiken im Zusammenhang mit dem Konsum Crystal-Meth häufig nicht oder nur unzureichend informiert. Während mehr als 90% der Amphetamin-Konsumenten meinen, dass ihr Konsum unproblematisch oder nur wenig problematisch sei, trifft dies nur auf etwa die Hälfte der Metamphetaminkonsumenten zu.

Art der Einnahme

  • Schlucken (Amphetamine und Crystal-Meth)
  • Schnupfen (Amphetamine und Crystal-Meth)
  • Spritzen (meist Crystal-Meth)
  • Rauchen (meist Crystal-Meth)

Wirkungen

Amphetamine und Metamphetamin bewirken die Freisetzung von Botenstoffen im Gehirn.

  • anfänglich Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit
    o    Zunahme des Rede- und Bewegungsbedürfnisses
    o    Unterdrückung der Müdigkeit
  • Verbesserung der geistigen Belastbarkeit
  • Stimmungssteigerung bis hin zur Euphorie
  • Unterdrückung von Hunger und Durst
  • Steigerung des Selbstbewusstseins
  • Enthemmung
  • sexuelle Stimulation
  • Sinnestäuschungen
    optische und taktile Mikrohalluzinationen z.B. mit dem Gefühl, dass Insekten unter der Haut laufen

Risiken eines Rauschs

  • körperliche Überlastung im Rausch mit
    o    Zusammenbruch
    o    Herzrasen
    o    Herzrhythmusstörungen
    o    Muskelspannungen (Kiefermahlen)
    o    Anstieg der Körpertemperatur
    o    Gefahr von Hirnblutungen und Herzstillstand

Risiken bei Dauerkonsum

  • psychische Abhängigkeit
  • Entwicklung einer Toleranz, so dass immer größere Mengen konsumiert werden müssen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen
  • starker Gewichtsverlust
  • körperliche Erschöpfung
  • Infektanfälligkeit durch Schwächung des Immunsystems
  • Unruhe und Schlafstörungen
  • Depression
  • Verfolgungswahn mit Angstzuständen
  • Psychosen
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
  • Schäden durch Verunreinigungen
    o    Glassplitter sollen die Nasenschleimhäute verletzen, um die Aufnahme der Droge zu beschleunigen
    o    Schwefelsäure zersetzt die Zähne und die Schleimhäute
Ecstasy, chemisch MDMA, auch XTC oder E genannt

Ecstasy

Ursprünglich wurde Ecstasy, chemisch MDMA, auch XTC oder E genannt, bereits im Jahre 1914 als Appetitzügler auf den Markt gebracht. Es war jedoch nicht im Umlauf und wurde dann erst wieder in den 70er Jahren in Amerika – zur Unterstützung psychotherapeutischer Sitzungen – verwendet. Seit Anfang der 80er Jahre wird mit Ecstasy auf dem deutschen Drogenmarkt gehandelt und den Entaktogenen zugerechnet. Es gehört mittlerweile zu den meistgekauften Designerdrogen. Seit Beginn der 90er Jahre hat sich der Konsum bei den Jugendlichen sogar verdreifacht. 2013 stieg die Zahl erstauffälliger Konsumenten im Vergleich zum Vorjahr um 18%.

In der Studie zur Drogenaffinität von Jugendlichen im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gaben 2011 0,2% der Befragten im Alter von 12 bis 17 Jahren und 1% der 18- bis 25-Jährigen an, dass sie in den zurückliegenden 12 Monaten Ecstasy konsumiert hatten. Damit wurde Ecstasy seltener konsumiert als Cannabis, Amphetamine und psychoaktive Pflanzen.

Ecstasy wird vollsynthetisch, d.h. ohne natürliche Ausgangsstoffe im Chemielabor hergestellt und ist chemisch mit den Amphetaminen verwandt. Der sogenannten "Ecstasy-Gruppe" werden die folgenden Stoffe zugeordnet: Methylendioxymethylamphetamin(MDMA), Methylendioxyamphetamin(MDA), Methylendioxyethylamphetamin (MDEA) und Methylendioxybutanamin (MBDB). Häufig wird Ecstasy auch als Oberbegriff für synthetisch hergestellte Drogen verwendet. In der Regel wird das ursprünglich weiße Pulver zusammen mit Verschnittstoffen in runde Tabletten gepresst. Ecstasy unterliegt seit 1986 dem Betäubungsmittelgesetz, das heißt Herstellung, Handel und Erwerb sind in Deutschland verboten.

Art der Einnahme

  • Schlucken

Wie wirkt Ecstasy?

Ecstasy verändert das Bewusstsein, indem es die Ausschüttung von Botenstoffen im Gehirn anregt. Es wirkt daher stimulierend und entspannend. Es kann aber auch das Auftreten von Halluzinationen verursachen. Allerdings ist die Wirkung durch verschiedene chemische Wirkstoffzusammensetzungen oft sehr unterschiedlich und nicht vorhersehbar.

Die Wirkung tritt innerhalb von einer halben Stunde ein und hält 3-12 Stunden an.

Wirkungen

  • Anstieg von
    o    Körpertemperatur
    o    Pulsfrequenz
    o    Blutdruck
  • vorübergehende Leistungssteigerung
  • Verlust von Hunger-, Durst- und Müdigkeitsgefühl
  • Euphorie und Enthemmung mit
    o    Verstärktem Redefluss
    o    Erhöhung der Kontaktfähigkeit
  • starker Bewegungsdrang
  • Steigerung der visuellen und akustischen Wahrnehmung

Risiken beim Rausch: Ecstasy-Kater

Im Anschluss an den Rausch leiden die Konsumenten unter Schlaflosigkeit, Ängsten und Depressionen.

Ecstasy kann neben Nieren-, Leber- und Nervenschäden auch Herzjagen sowie zusammen mit intensiver körperlicher Betätigung wie Tanzen ein Ansteigen der Körpertemperatur bis zu 41° C verursachen mit oft extremem Flüssigkeitsverlust und Störung des Mineralhaushalts. Es sind bereits Todesfälle durch Ecstasy dokumentiert, die durch Kreislaufzusammenbrüche und Herzversagen verursacht wurden.

Allgemeine Risiken

  • psychische Abhängigkeit
  • je nach Zusammensetzung auch körperliche Abhängigkeit
  • Risiken bei längerem Konsum
    o    Schlafstörungen
    o    Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
    o    Sprachstörungen
    o    Verwirrtheit
    o    Leber- und Nierenschäden auch durch Verunreinigungen und Verschnittstoffe
    o    Depressionen, Psychosen und Hirnschäden

Diagnose

Ecstasy ist bis zu 24 h im Blut und 1-4 Tage im Urin nachweisbar. Im Haar ist der Nachweis länger möglich.

Adressen & Links

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Ostmerheimer Str. 220
51109 Köln
Tel. 0221/8992-0
Beratungstel.: 0221/8920-31
Fax 0221/8992-300
E-Mail: poststelle@bzga.de
Informationsseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
www.drugcom.de

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) e.V.

Westenwall 4
59065 Hamm
Telefon: +49 2381 9015-0
Telefax: +49 2381 9015-30
E-Mail: info@noSpam.dhs.de
Internet: www.dhs.de
Basisinformationen Synthetische Drogen www.dhs.de

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung
im Bundesministerium für Gesundheit
Friedrichstraße 108
10117 Berlin
Telefon: 03018-441-1452
Telefax: 030-20640-4960
E-Mail: drogenbeauftragte@noSpam.bmg.bund.de
Internet: www.drogenbeauftragte.de

Quellen

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Monika Niehaus