Kinder- & Jugendärzte im Netz

Ihre Haus- & Fachärzte von der Geburt bis zum vollendeten 18. Lebensjahr

Herausgeber:

Alkoholismus

Was ist Alkoholismus?

Alkohol wird seit Jahrtausenden als Nahrungs-, Genuss- und Rauschmittel benutzt. Nach Nikotin ist Alkohol die Droge, die in Deutschland am häufigsten zur Abhängigkeit führt und die meisten gesundheitlichen Probleme verursacht. 1,3 Millionen Deutsche sind alkoholabhängig - davon schätzungsweise 100.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 25; das sind fast 10% der Alkoholabhängigen insgesamt.

Mindestens 8.000 alkoholkranke Frauen bringen pro Jahr ein Kind zur Welt. Davon leiden ca. 2.200 Neugeborene nach der Geburt unter einer Alkoholembryopathie - eine unmittelbare Folge des Alkoholkonsums ihrer Mutter während der Schwangerschaft.

Alkohol gehört zu den legalen Suchtmitteln.
Regelmäßiger Alkoholkonsum im Teenageralter erhöht das Suchtrisiko im Erwachsenenalter.

Alkohol in hoher Konzentration ist ein Zellgift, das zum Absterben vieler Körperzellen führt. Insbesondere das Gehirn, die Bauchspeicheldrüse und die Leber reagieren empfindlich auf langjährigen Alkoholmissbrauch. Fortdauernder Alkoholismus, aber auch eine schwere Alkoholvergiftung können sogar zum Tod führen. Schätzungen zufolge sterben in Deutschland pro Jahr 74.000 Menschen an den mittelbaren und unmittelbaren Auswirkungen ihres Alkoholkonsums bzw. des Konsums von Nikotin und Alkohol.

Bei vielen Menschen scheint Alkohol in kleinen Mengen stimmungsaufhellend zu wirken. Anspannungen lassen nach, Hemmschwellen sinken. Deshalb trinken viele Menschen gerne Bier oder Wein am Abend, um zu entspannen. Einige Menschen werden von Alkohol aber müde und ihre Stimmung sinkt. In größeren Mengen kann Alkohol zu Aggressivität und Selbstüberschätzung führen. Da er die Koordinationsfähigkeit und das Reaktionsvermögen beeinträchtigt, steigt die Unfall- und Verletzungsgefahr. 2012 ereigneten sich 10.062 alkoholbedingte Unfälle im Straßenverkehr. Dabei wurden 3.38 Personen getötet und 18.983 verletzt, davon 13.590 schwer. Einer von vier Todesfällen bei jungen Männern zwischen 15 und 29 Jahren ist auf Alkohol zurückzuführen.

Die meisten Heranwachsenden machen ihre ersten Erfahrungen mit Alkohol im Alter von 14 bis 15 Jahren, den ersten Rausch haben sie durchschnittlich im Alter von 16 Jahren. Fast 70% der jungen Menschen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren haben bereits einmal Alkohol getrunken – allerdings verzichten auch 30% komplett darauf. 13,6% der 12- bis 17-Jährigen trinken mindestens einmal pro Woche Alkohol, 5% Jugendlichen in diesem Alter trinken ihn in Mengen, die auch für gesunde Erwachsene riskant oder gefährlich wären. Den Ergebnissen des Alkoholsurvey 2012 der BZgA zufolge betrinken sich 17% der Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren und 44% der 18- bis 25-Jährigen mindestens einmal im Monat (Alkoholsurvey 2012 der BZgA).

Kinder und Jugendliche reagieren aufgrund ihres geringen Körpergewichts sehr empfindlich auf Alkohol. Der Alkoholgehalt steigt im Blut stärker und schneller an als bei Erwachsenen. Der Alkoholabbau erfolgt jedoch langsamer, da der Körper das dafür verantwortliche Enzym noch nicht so wie Erwachsene bildet. Alkohol in Kombination mit Kohlensäure und Zucker (z.B. Alcopops) gelangt besonders schnell ins Blut.

Wer bereits mit 12 Jahren jede Woche ein Glas Alkohol trinkt, hat ein erhöhtes Risiko später ein Suchtverhalten zu entwickeln. Mit zunehmendem Alter wird der Konsum am Wochenende unproblematischer.

Definition

Ärzte unterscheiden zwischen Alkoholabhängigkeit und schädlichem Alkoholkonsum. Die Unterscheidung erfolgt an Hand einer internationalen statistischen Klassifikation von Krankheiten (ICD 10). Maßgeblich ist das Trinkverhalten der letzten 12 Monate. Folgende 6 Kriterien werden zur Einstufung herangezogen:

  • unbezwingbares Verlangen nach Alkohol
  • verminderte Kontrollfähigkeit, d.h. eine Unfähigkeit aufzuhören, wenn man einmal mit dem Trinken begonnen hat
  • Entzugssymptome wir Zittern der Hände, die bereits morgens zum Konsum von Alkohol veranlassen
  • Einengung auf den Alkoholkonsum, d.h. eine Änderung der Lebensgewohnheiten, um Alkohol trinken zu können
  • Alkoholkonsum, obwohl bereits schädliche Folgen spürbar sind

Sind weniger als drei Kriterien erfüllt, wird der Alkoholkonsum als schädlich eingestuft. Sind dagegen mindestens drei Kriterien erfüllt, gilt der Betroffene als alkoholabhängig.

Für Erwachsene wurden folgende Risikostufen zur Beurteilung des Alkoholkonsums entwickelt (Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sollen keinen Alkohol trinken, daher gibt es für sie keine Richtwerte):

  • risikoarmer Alkoholkonsum
    o    Männer 24 g reiner Alkohol pro Tag
    o    Frauen 12 g reiner Alkohol pro Tag
  • riskanter Alkoholkonsum
    o    Männer 24-60 g reiner Alkohol pro Tag
    o    Frauen 12-40 g reiner Alkohol pro Tag
    o    mehr als 5 Tage pro Woche Konsum von Alkohol
  • gefährlicher Alkoholkonsum
    o    Männer 60-120 g reiner Alkohol pro Tag
    o    Frauen 40-80 g reiner Alkohol pro Tag
  • Hochkonsum
    o    Männer > 120 g reiner Alkohol pro Tag
    o    Frauen > 80 g reiner Alkohol pro Tag

20 g reiner Alkohol entsprechen etwa 0,5 l Bier, 0,20 bis 0,25 l Wein oder Sekt und 0,06 l Spirituosen. 8,5 Millionen Menschen in Deutschland konsumieren riskante, gefährliche oder hohe Alkoholmengen. Von Rauschtrinken spricht man, wenn bei einer Gelegenheit fünf oder mehr alkoholische Getränke konsumiert werden.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Monika Niehaus

letzte Änderung: 21.11.2014