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Neurodermitis (Atopisches Ekzem)

Symptome & Krankheitsbild

Merkmale einer Neurodermitis können u.a. sein:

  • Juckreiz
  • Rötung der Haut
  • Hautverdickung
  • Grobe Hautfelderung bzw. tiefe Hautfurchen, verstärkte Handlinien
  • Aufgekratzte Haut
  • Doppelte Unterlidfalte
  • Hauteinrisse am Ohr
  • Häufige Lippenentzündungen, eingerissene Mundwinkel
  • Fährt man mit dem Fingernagel über die Haut, entsteht eine weiße Linie
  • Die seitlichen Partien der Augenbrauen sind gelichtet (Hertoghe-Zeichen)

 

Ekzem (© Arkady Chubykin - Fotolia.com)
Neurodermitis zeigt sich bereits im frühen Säuglingsalter im Gesicht. (© Arkady Chubykin - Fotolia.com)

Die erkrankten Kinder quält vor allem ein starker Juckreiz, sodass sie ständig kratzen. Daher bleiben auch die Fingernägel nicht verschont: Vom ständigen Kratzen sind sie häufig abgenutzt und glänzen.

Je nach Lebensalter verändern sich die Symptome der Neurodermitis. In jeder Phase können Schübe auftreten, deren Ausmaß unter Umständen durch bekannte Risikofaktoren beeinflusst wird. Charakteristische Krankheitszeichen je nach Alter sind:

Säuglinge

  • In der Regel zeigt sich Neurodermitis bereits im frühen Säuglingsalter im Gesicht als sogenannter Milchschorf mit gelblich-weißen Schuppenkrusten auf geröteter Haut, der nässen kann. Meist sind außerdem flächendeckend die Streckseiten von Armen und Beinen betroffen. Im Säuglingsalter tritt gelegentlich auch ein nässendes Ekzem im Mundbereich auf, das durch die Neurodermitis ausgelöst und durch Speichelfluss verstärkt wird.

Kleinkinder und Schulkinder

  • Schon im 1. Lebensjahr treten Rötung, Schuppung, Nässen, Krustenbildung auf. Die Haut ist gleichzeitig trocken, da sie wenig Feuchtigkeit speichern kann. Betroffen sind die Falten an Kniekehlen, Ellenbogen, Handgelenk usw., die beim Beugen der Gelenke entstehen (Beugenekzeme). Im Laufe der Jahre wird aus den geröteten Entzündungen verdickte trockene Haut, die an Baumrinden erinnert und als Flechtenbildung (Lichenifikation) bezeichnet wird. Das Hautbild wird gröber.
  • Bis zum Schulalter bessert sich die Haut bei vielen Kindern spontan, doch sind Rückfälle in jedem Lebensalter möglich. Bis zur Einschulung leiden in Europa ca. 10 bis 15% der Kinder zumindest zeitweise unter einer Neurodermitis.

Jugendliche

  • Bei Jugendlichen verläuft die Erkrankung meist milder. Sie sind von trockener Haut und Ekzemen betroffen. In manchen Fällen leiden sie auch unter einem Ekzem am Übergang von Haaransatz zum Nacken mit Rötungen und nässenden Stellen, die nach einiger Zeit zu Verdickungen der Haut führen. Man nimmt an, dass diese spezielle Ausprägung des atopischen Ekzems mit einer Pilzinfektion einhergeht.

Erwachsene

  • Bei Erwachsenen nimmt der Anteil an Neurodermitikern mit akuten Ekzemen noch einmal ab. Manchmal wird eine Sonderform der Neurodermitis beobachtet, die mit Knotenbildung am ganzen Körper und starkem Juckreiz einhergeht. Sie wird als Prurigoform bezeichnet (Prurigo, lateinisch = Juckreiz).

Ist die Neurodermitis weniger stark ausgeprägt, tritt sie nur an den Ohrläppchen, den Händen und Füßen im Bereich der Finger- oder Zehenkuppen sowie in den Beugen von Kniekehle und Arm auf. An den veränderten Hautstellen können Pigmentstörungen - „weiße Stellen“ - auftreten, sodass die Haut nicht so bräunt wie die gesunde Haut.

Komplikationen

Der Juckreiz beeinträchtigt die erkrankten Kinder und deren Eltern sehr. Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie Gereiztheit sind direkte Folgen. Der Juckreiz löst oft heftige Kratzattacken aus, weil er dadurch für kurze Zeit gelindert wird. Doch die aufgekratzte Haut juckt wenig später wieder, was zu erneutem Kratzen führt. Die Betroffenen geraten auf diese Weise in einen regelrechten Teufelskreis, der ihre Lebensqualität mehr oder weniger stark beeinträchtigt.

Die aufgekratzte und entzündete Haut ist besonders anfällig für Erreger und somit für Infektionen:

  • Bakterielle Infektionen mit Staphylococcus aureus können mit Eiterbildung einhergehen.
  • Virale Infektionen können das Eczema herpeticatum (Herpes-Virus) mit Bläschenbildung, hohem Fieber und geschwollenen Lymphknoten oder Dellwarzen (kleine hellrote Knötchen) sowie gewöhnlichen Warzen verursachen.
  • Infektionen mit verschiedenen Hautpilzen (Tinea) lösen sogenannte Mykosen aus.

In seltenen Fällen treten in Zusammenhang mit der Neurodermitis Augenerkrankungen, Wachstumsverzögerungen oder Kleinwuchs auf. Letzte können einerseits die Folge eines Eiweißverlusts infolge von Absonderungen entzündlicher Sekrete sein, andererseits aber auch durch eine Fehl- bzw. Mangelernährung bedingt sein.

Viele ältere Kinder und Jugendliche leiden psychisch unter ihrer Krankheit. Sie fühlen sich weniger attraktiv, es mangelt ihnen an Selbstbewusstsein. Mit zunehmendem Alter werden die Ekzemschübe seltener, die Neigung zu empfindlicher und feuchtigkeitsbedürftiger Haut bleibt lebenslang.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Nentwich

letzte Änderung: 20.03.2017