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Neurodermitis (Atopisches Ekzem)

Ursachen

Die Ursachen einer Neurodermitis sind bislang nicht vollständig bekannt. Als gesichert gilt eine erbliche Veranlagung für eine Überempfindlichkeit von Haut und Schleimhäuten bzw. eine Störung der Barrierefunktion der Haut. In Familien mit Migrationshintergrund werden weniger erkrankte Kinder erfasst als in anderen Familien.

Sind beide Elternteile von Neurodermitis betroffen, hat das Kind ein etwa 80%-iges Risiko auch zu erkranken.

Kinder, deren Eltern unter einer allergischen Erkrankung leiden, haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Ist kein Elternteil betroffen, beträgt die Wahrscheinlichkeit einer Neurodermitis-Entwicklung für das Kind bei 5 bis 15%. Sind beide Elternteile von Neurodermitis betroffen, hat das Kind ein etwa 80%-iges Risiko auch zu erkranken.

Vermutlich ist u.a. eine Mutation im Filaggrin-Gen die Ursache für eine Barrierestörung der Haut, die sich durch Schuppung und Entzündung bemerkbar macht. Eine entsprechende Veränderung kann bei 15 bis 50% der Neurodermitis-Patienten nachgewiesen werden, aber nur bei 8% der nicht erkrankten Patienten in einer Vergleichsgruppe.

Ob bei einer erblichen Vorbelastung Neurodermitis ausbricht, wird anscheinend auch von weiteren Faktoren beeinflusst. Viele Neurodermitis-Patienten sind Allergiker und haben einen erhöhten Immunglobulin-E-Spiegel.
Zu der erblichen Veranlagung kommt eine Reihe von Faktoren hinzu, die ein atopisches Ekzem auslösen oder verschlimmern können (Trigger- oder Provokationsfaktoren). Oftmals sind es mehrere Faktoren gemeinsam. Sie bestimmen letztendlich den Verlauf und den Schweregrad der Erkrankung:

 

  • Allergene: Vor allem Nahrungsmittel-, eine Hausstaubmilbenallergie oder etwas seltener Allergien gegen Haustiere oder Pollen wurden zusammen mit Neurodermitis bei Kindern beobachtet. Auch Kontaktallergien gegen Inhaltsstoffe von Cremes oder Salben, gegen Metall wie Nickel („Modeschmuck“) sind bekannt.
  • Infektionen: Viren, Bakterien oder Pilze fordern das Abwehrsystem. Mikroorganismen, die auf unserer Haut leben, sind für die gesunde Haut harmlos. Die Haut der betroffenen Patienten kann schlecht Wasser speichern. Ferner ist die angegriffene Haut des Neurodermitis-Patienten nicht so widerstandsfähig. Schweißabsonderung, Temperaturregelung und Durchblutung der Haut sind ebenfalls gestört. Dadurch ist die Barriere zur Abwehr von Krankheitserregern geschwächt. Die Mikroorganismen dringen daher leicht in die Oberfläche ein und sorgen für Entzündungen der Haut.
  • Mechanische Reize: Raue Kleidung, Chemikalien oder intensiver Wasserkontakt (insbesondere heißes Wasser) belasten die Haut zusätzlich.
  • Klimatische Bedingungen: Hohe Temperaturen im Sommerhalbjahr führen zum Schwitzen. In der kalten Jahreszeit sind die Räume dagegen bei geringer Luftfeuchtigkeit geheizt, das Sonnenlicht fehlt, ein frischer Wind weht. All das reizt die Haut bzw. trocknet sie zusätzlich aus.
  • Psyche: Stress, Aufregung, aber auch Freude beeinflussen das Immunsystem und verschlechtern die Krankheitssymptome.

Die mit dem Defekt der Hautbarriere verbundene Hauttrockenheit führt bei Neurodermitis zu Entzündungen, Juckreiz und Brennen. Außerdem begünstigt sie u.U. allergische Sensibilisierungen. Mit einer regelmäßigen Basistherapie sollen Patienten deshalb vermeiden, dass die Haut zu sehr austrocknet.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Nentwich

letzte Änderung: 20.03.2017