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Kopflausebefall (Pedikulose)

Therapie

Bei allen Betroffenen sollte man sofort nach der Entdeckung mit der Behandlung beginnen. Dabei sollten allerdings Eltern geduldig bleiben und ihrem Kind die Angst oder den Ekel nehmen. Wichtig ist es außerdem, ausreichend Zeit für die Behandlung einzuplanen. Kopfläuse sind sehr unangenehm, aber kein Grund zur Panik.

Bei der Therapie ist es wichtig, dass zunächst die Läuse zuverlässig abgetötet und anschließend die Hauterscheinungen geheilt werden. Eine optimale Therapie beinhaltet daher die Kombination mehrerer Methoden. Lassen Sie sich über die Behandlungsmöglichkeiten zuvor von Ihrem Kinder- und Jugendarzt beraten. 

Abtöten der Insekten durch MCS-Syndrom

Vom zuständigen Bundesgesundheitsministerium anerkannte Arzneimittel enthalten die für Kopfläuse giftigen Wirkstoffe  Allethrin, Permethrin, Pyrethroide und Pyrethrum. Pyrethrum wird aus Chrysanthemen gewonnen, die anderen Substanzen sind verwandte künstlich hergestellte Stoffe. Sie alle zielen auf die Nerven der Tiere ab. Insektizidhaltige Arzneimittel stellen nicht mehr die erste Wahl zur Behandlung von Kopfläusen dar. 

Neben diesen Klassikern wird seit einigen Jahren Dimeticon angewendet, eine ölige Lösung, die auf dem Kunststoff Silikon basiert. Vermutlich wirkt das Mittel, indem die Läuse sozusagen durch das Bedecken mit einer Silikonschicht erstickt werden, da die Substanz in die Atemwege dringt. Anders als die herkömmlichen Mittel wird Dimeticon nicht von der menschlichen Haut aufgenommen und führt so seltener zu Hautreizungen. Es gilt als ungiftig. Allerdings sind silikonhaltige Mittel leicht entflammbar und bergen somit eine Verbrennungsgefahr. Von der Anwendung bis zum Ausspülen sollte man das behandelte Kind deswegen keinesfalls in die Nähe offener Flammen oder eines Föns lassen.

Ebenfalls zugelassen ist inzwischen ein Mittel auf der Basis von Kokosöl.

Die Substanzen sind als Shampoo, Spray oder Lotion erhältlich. Bei der Anwendung eines Sprays ist zu bedenken, dass der Sprühnebel versehentlich eingeatmet werden kann.

Das früher verwendete Schädlingsbekämpfungsmittel Lindan darf innerhalb der Europäischen Union seit 2008 nicht mehr in Medikamenten verarbeitet werden.

Da kein Kopflausmittel hundertprozentig zuverlässig wirkt, ist eine Wiederholungsbehandlung unerlässlich. Empfehlenswert sind die Tage 9 oder 10 nach der Erstbehandlung, da bis zum 7. bzw. 8. Tag Larven aus den Eiern schlüpfen können und die Weibchen unter ihnen ab Tag 11 wieder neue Eier legen. 

Es ist unbedingt entsprechend der Gebrauchsanweisung in der Packung zu verfahren. Die Anwendung des Mittels sollte sehr sorgfältig erfolgen, da zu kurze Einwirkzeiten, zu sparsames oder ungleichmäßiges Auftragen den Erfolg maßgeblich beeinträchtigen.

Nasses Auskämmen

Das zur Erkennung dienende nasse Auskämmen mittels Läusekamm nach Auftragen einer Pflegespülung hat zusätzlich Behandlungscharakter. Während die Anwendung des Insektizids der Abtötung der erwachsenen Läuse dient, werden mit dem Auskämmen vornehmlich die nachgeschlüpften Larven entfernt und der Behandlungserfolg überprüft.

Empfohlenes Behandlungsschema bei Kombination beider Verfahren
In Kombination beider Verfahren wird folgendes Behandlungsschema angeraten. Die exakte Einhaltung ist wichtig, um den Lebenszyklus der Läuse zu unterbrechen. Die Erstbehandlung sollte am selben Tag erfolgen, an dem die Kopfläuse festgestellt wurden.

Tag 1: Mit einem Insektizid behandeln und anschließend nass auskämmen,
Tag 5: Nass auszukämmen, um früh nachgeschlüpfte Larven zu entfernen, bevor sie mobil sind,
Tag 8, 9 oder 10: Erneut mit dem Insektizid behandeln, um spät geschlüpfte Larven abzutöten, anschließend nasses Auskämmen mit Pflegespülung,
Tag 13: Kontrolluntersuchung durch nasses Auskämmen,
Tag 17: evtl. letzte Kontrolle durch nasses Auskämmen.

Die Behandlung etwaiger entzündlicher Hautveränderungen erfolgt im Anschluss an die Beseitigung der Läuse. Hierbei handelt es sich um Mittel zur Linderung des Juckreizes und zur Wundheilung.

Insbesondere bei Kleinkindern, während der Schwangerschaft oder Stillzeit, bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Chrysanthemen sowie Erkrankung an einem Insektizide sollte die Behandlung nur in enger Abstimmung mit dem Arzt erfolgen. In diesen Fällen muss die Therapie sich ggf. auf das Auskämmen beschränken.

Alternative Methoden

Die Wirksamkeit alternativer Methoden konnte bislang nicht nachgewiesen werden bzw. einige schädigen sogar die Kopfhaut. Hierzu gehören:

  • Der Einsatz von Essig, Speiseölen, Teerbaumöl, Kaisernatron, Spiritus, Aloe-Vera
  • Saunaaufenthalte
  • Anwendung von Heißluft mittels Fön oder Trockenhaube
  • Elektrische Kämme

Reinigung der genutzten Gegenstände

Da sich die Kopfläuse sehr selten über gemeinsam genutzte Gegenstände übertragen, dienen hygienische Maßnahmen eher der Vorsorge und dem Wohlbefinden:

  • Kämme, Bürsten, Haarspangen und Haargummis gründlich mit einer alten Zahn- oder Handwaschbürste in einer heißen Seifenlauge reinigen.
  • Wenn möglich sollte jedes Familienmitglied während der Behandlung eine eigene Bürste und Kamm benutzen.
  • Schlafanzüge, Unterwäsche, Bettwäsche und Handtücher wechseln.
  • Will man ganz sichergehen, wäscht man alle Gegenstände, auf die Läuse  gelangt sein können, mit einem normalen Waschmittel bei 60 Grad oder steckt sie für 3 Tage in eine Plastiktüte. 
  • Die Behandlung mit Desinfektionsmitteln oder Insektizidsprays wird nicht empfohlen.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Hans-Jürgen Nentwich

letzte Änderung: 01.08.2018