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Epilepsie

Therapie

Ziel der Behandlung einer Epilepsie ist die Anfallsfreiheit oder zumindest eine bessere Kontrolle der Anfälle. Ferner soll die körperliche, geistige, intellektuelle und psychosoziale Entwicklung des Kindes durch die Erkrankung nicht oder so wenig wie möglich beeinträchtigt werden. Auf diese Weise soll die Lebensqualität der Patienten verbessert und Unfällen mit Sturzverletzungen vorgebeugt werden.

Antiepileptika

Dies ist manchmal schon mit einer gesunden Lebensführung zu erreichen, bei der Betroffene alles vermeiden, was nach Erfahrung einen Anfall auslösen kann (ungenügender Schlaf, bestimmte Lichtreize oder Geräusche). Eine optimale Behandlung kann etwa 70% der Betroffenen vor Anfällen bewahren. Besonders gut sind die Chancen auf Anfallsfreiheit bei gutartigen Epilepsien, bei denen keine bestimmte Ursache für die Krankheit gefunden werden konnte (idiopathische Epilepsien) und die sich manchmal bei fortschreitender Entwicklung des Kindes „auswachsen“. In der Regel ist jedoch eine Behandlung mit Medikamenten erforderlich.

Zu Beginn der Erkrankung ist oft eine stationäre Aufnahme notwendig, damit das Kind genau beurteilt werden kann. Die Phase der Therapiefindung kann eine deutliche Belastung für das Kind und seine Familie darstellen. Gerade bei komplizierten Epilepsien, bei denen nicht sofort Anfallsfreiheit erreicht wird, kommt es zu einem Hin und Her zwischen Hoffnung auf das neue Medikament und Furcht vor dessen Versagen und Nebenwirkungen.

Medikamentöse Therapie

Es gibt unterschiedliche Medikamente, die mit gleicher Berechtigung als Einstiegsmedikament genutzt werden. Die Wahl richtet sich nach der Epilepsieform und der Einschätzung der möglichen Wirkung sowie dem Bekanntheits- und Schweregrad möglicher Nebenwirkungen. Zu Beginn einer medikamentösen Behandlung wird die Dosis in der Regel schrittweise gesteigert. Wichtig ist, dass das Medikament konsequent in der festgelegten Dosis verabreicht wird und dass die Wirkung und die Nebenwirkungen dokumentiert werden.

Die Behandlung sollte in der Hand eines Arztes liegen, der Erfahrung in der Behandlung der Epilepsie bei Kindern hat. Häufiger Arztwechsel führt dazu, dass keine Therapie konsequent verfolgt werden kann. Nur wenn die Verträglichkeitsgrenze erreicht ist, ohne dass sich der gewünschte Behandlungserfolg eingestellt hat, kann gemeinsam mit dem behandelnden Arzt ein Wechsel der Therapie erwogen werden.

Kontrolltermine beim Arzt, bei denen eine körperliche Untersuchung, EEG-Ableitung und Blutkontrollen durchgeführt werden, sollten unbedingt eingehalten werden. Selbsthilfegruppen können die Eltern betroffener Kinder unterstützen.

Nebenwirkungen

Neben ihrem günstigen Einfluss auf die Krankheit können die Medikamente allerdings auch Nebenwirkungen haben. Unter anderem können auftreten:

  • Verlangsamung
  • verminderte Spannkraft
  • leichte Ermüdung
  • Doppeltsehen
  • leichtes Zittern

Zum Teil sind diese Nebenwirkungen dosisabhängig und können nach optimaler Einstellung des Medikaments gemindert oder ganz aufgehoben werden. Keinesfalls sollte aus Angst vor möglichen Nebenwirkungen die Dosierung ohne Absprache mit dem Arzt gesenkt werden. Denn für eine optimale Wirkung, ist eine bestimmte Konzentration des Wirkstoffs im Blut erforderlich. Wird diese nicht erreicht, wird das Präparat unzulänglich eingesetzt und kann keine Fortschritte erzielen. Daher sollte die Dosierung auch nicht aus Angst vor möglichen Nebenwirkungen ohne Absprache mit dem Arzt gesenkt werden. Gelegentlich muss das Medikament allerdings aufgrund der Nebenwirkungen gewechselt werden.

Nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten

Nur wenn ganz bestimmte Bedingungen erfüllt sind, kann eine Operation als Therapiemethode erwogen werden. Allerdings kommen nur Patienten mit fokalen Anfällen dafür in Frage. Eine Operation sollte möglichst früh erfolgen, um Entwicklungsverzögerungen zu vermeiden.

Eine neue Behandlungsmethode ist die Vagus-Nerv-Stimulation (VNS), welche bei 40 bis 50% der behandelten Kinder innerhalb von ein bis zwei Jahren die Häufigkeit von Anfällen senkt. Hierzu wird ein Stimulator während einer kurzen Operation unter die Brusthaut eingesetzt. Eine Grundstimulation erfolgt durch das Gerät. Ihre Dosis kann durch den behandelnden Arzt gesteuert werden. Zusätzlich ist während eines Anfalls eine Stimulation durch das Kind oder seine Betreuungsperson mit Hilfe eines Magneten möglich. Die Vagus-Nerv-Stimulation kann begleitend zu einer medikamentösen Therapie zum Einsatz kommen, wenn diese Anfälle nicht ausreichend kontrollieren kann. Eine Anfallsfreiheit wird durch die begleitende Vagus-Nerv-Stimulation allerdings nur selten erzielt.

In einigen Fällen hat sich die ketogene Diät bewährt, eine kohlenhydrat- und eiweißarme, aber fettreiche Kost. Sie wird unter Umständen empfohlen, wenn Medikamente nicht vertragen werden oder nicht genügend wirken. Allerdings erfordert sie viel Disziplin und Konsequenz. Außerdem geht sie sowohl mit Risiken als auch mit Nebenwirkungen einher wie Müdigkeit, Verstopfung, Calciummangel, Wachstumsverzögerungen oder erhöhten Blutfettwerten.
Erlernen einer „Selbstkontrolle“ mittels aktiver Ablenkungstechniken ist erst bei älteren Kindern möglich. Sie kann gelegentlich die Ausbreitung fokaler Anfälle verhindern, wenn sie sich vorher durch eine Aura ankündigen. Mit Hilfe der Biofeedback-Methode lernen die Patienten, ihre Hirnströme zu beeinflussen und epileptische Anfälle unterdrücken. Dabei werden die Hirnströme durch Messinstrumente erfasst und auf einem Bildschirm sichtbar gemacht.
Je nach Einzelfall brauchen die Kinder darüber hinaus unter Umständen auch physio-, ergo-, lern-, sprach- oder psychotherapeutische Unterstützung.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Prof. Hans-Jürgen Nentwich

letzte Änderung: 12.04.2017