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Epilepsie

Symptome & Krankheitsbild

Früher teilte man die Epilepsien einfach nach ihrem Schweregrad ein, in den Grand-mal-Anfall („großer“ Anfall) und in den Petit-mal-Anfall („kleiner“ Anfall). Die Einteilung ist jedoch immer weiter verfeinert worden. Daher werden heute sehr viele Epilepsieformen voneinander unterschieden. Die Einteilung beruht unter anderem auf dem Ursprungsort der Epilepsie und auf der Ausprägung der Anfälle.

Hinsichtlich der Ursprungsorte kann man zwei Arten von Anfällen voneinander unterscheiden:

  • fokale (oder auch: partielle) Epilepsien: Der Anfall entsteht an einem umschriebenen, begrenzten Areal im Gehirn. Viele Formen der fokalen Epilepsien können altersunabhängig beginnen.
  • generalisierte Epilepsien: Der Anfall umfasst von Beginn an das gesamte Gehirn oder zumindest beide Hirnhälften gleichzeitig.

Ein fokaler Anfall kann sich in seinem Verlauf auf das gesamte Gehirn ausbreiten, sich also nachträglich generalisieren (sekundäre Generalisierung).
Eine Sonderform ist der Status epilepticus, beim dem der Anfall nicht innerhalb von 15 Minuten abklingt, sondern anhält. Er kann die Folge eines generalisierten wie eines fokalen Anfalls sein. Ein Bewusstseinsverlust ist möglich, tritt aber nicht zwingend ein. Auch wenn sich Anfälle so dicht hintereinander wiederholen, dass das Kind dazwischen nicht ansprechbar ist, handelt es sich um einen Status epilepticus. Dieser ist ein medizinischer Notfall. Dauert ein Anfall erstmals länger als 5 Minuten, sollten Eltern oder andere Betreuungspersonen daher nicht zögern, einen Notarzt zu rufen.

Einige Formen der Epilepsie beginnen bei Kindern in bestimmten Altersgruppen.

Epileptische Anfälle im ersten Lebensjahr

Bei Neugeborenen werden meist nur subtile Anfälle beobachtet. Augen- oder Schmatzbewegungen oder ein Rudern mit Armen oder Beinen sind mögliche Symptome, müssen aber von altersentsprechenden Bewegungsautomatismen abgegrenzt werden. Nur weil ein Säugling mit den Extremitäten rudert, hat er nicht automatisch einen epileptischen Anfall!

Ab Beginn des 3. Lebensmonats tritt oftmals die gutartige infantile Partialepilepsie auf. Die Kinder halten mit Bewegungen inne und zucken mit einzelnen Körperteilen oder dem gesamten Körper. Diese Form der Epilepsie beeinträchtigt die Entwicklung der betroffenen Kinder normalerweise nicht.

Epilepsie ab dem Schulalter

Im Schulalter können fokale und generalisierte Formen der Epilepsie einsetzen. Die Absence-Epilepsie des Schulkindesalters (Pyknolepsie) gehört zu den häufigsten generalisierten Formen der Epilepsie bei Kindern und ist genetisch bedingt. Die Betroffenen leiden unter bis zu 100 Absencen am Tag. Die Prognose ist jedoch gut, die Mehrheit der erkrankten Kinder wird anfallsfrei. Die gilt auch für die Juvenile Absence-Epilepsie mit wenigen Absencen am Tag – häufig in Verbindung mit tonisch-klonischen Krämpfen.

Zwischen dem 12. und 25. Lebensjahr beginnt schließlich oftmals nach Schlafmangel und erhöhtem Alkoholkonsum erstmals die Aufwach-Epilepsie mit generalisiert tonisch-klonischen Anfällen (Epilepsie mit Aufwach-Grand mal) auf. Beide Formen können medikamentös gut behandelt werden, so dass die Betroffenen anfallsfrei bleiben. Bei der Aufwach-Epilepsie ist allerdings auch eine regelmäßige Lebensführung unerlässlich.

Bei der Primären Lese-Epilepsie werden epileptische Anfälle durch leises oder lautes Lesen ausgelöst. Sie beginnt meist mit 17 bis 18 Jahren, kann aber auch schon in der Vorpubertät einsetzen. Zunge, Kiefer, Lippen, aber auch die Gesichts- und Halsmuskulatur zucken bei den Betroffenen. Die Prognose ist bei dieser Form der Epilepsie gut.

Eine Bewusstseinsstörung liegt vor, wenn die Reaktion des Kindes auf Außenreize beeinträchtigt ist oder wenn es keine Erinnerungen an die Ereignisse während des Anfalles hat. Die Reaktion auf Außenreize kann man dadurch prüfen, dass man das Kind während des Anfalles zu Bewegungen auffordert, z.B. „Hebe bitte den rechten Arm". Der Nachweis einer Erinnerungsstörung gelingt dadurch, dass man das Kind während des Anfalls bittet, sich ein Wort zu merken, welches man nach dem Anfall abfragt.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Prof. Hans-Jürgen Nentwich

letzte Änderung: 12.04.2017