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Allergien

Vorsorge

Vorbeugung von Allergien

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Entstehung von Allergien haben bei Experten zu einem Umdenken geführt. Bisher ging man davon aus, dass Eltern ihre Kinder in den ersten Jahren vor Nahrungsmitteln, die häufig Allergien auslösen, bewahren und mit der Beikost spät anfangen sollten. Nun gibt es neue Richtlinien der Allergieprävention, die besagen, dass es besser ist, bei Kindern ohne Allergiker in der nahen Verwandtschaft Allergene früh einzuführen, um eine Toleranz zu erreichen. Beikost kann demnach ab Beginn des fünften Lebensmonats eingeführt werden. Nach wie vor gilt, dass hydrolisierte Nahrung – Babynahrung mit stark aufgespaltenen Eiweißen, die deutlich weniger allergen wirkt - für Risiko-Säuglinge, deren Mutter nicht stillen kann, vorbeugend wirkt. Doch haben diesen Effekt nicht nur stark hydrolisierte, sondern auch nur teilweise hydrolisierte Produkte.

Eine besondere Stellung bei den Lebensmitteln, die oft Allergien auslösen, nimmt Fisch ein. Er hat nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft sogar die Fähigkeit, die Entstehung von Allergien zu reduzieren. Isst eine werdende Mutter ohne Fischallergie reichlich Fisch oder erhält ein Kind im ersten Lebensjahr davon, senkt dies das Risiko für die Bildung von Allergien.

In Deutschland nehmen Asthma, Heuschnupfen und Ekzeme bei Kindern deutlich zu. Teilweise machen Wissenschaftler dafür auch Luftschadstoffe, die der Verkehr erzeugt, sowie Innenraumschadstoffe (u.a. Schimmel, Tabakrauch, Formaldehyd) verantwortlich.

Die neuen Leitlinien zur Vorbeugung von Allergien bei Kindern, die auf der Auswertung von 217 Studien beruhen, empfehlen nun nicht mehr potenziell allergieauslösende Nahrungsmittel wie Kuhmilchprodukte oder Nüsse während der Schwangerschaft und Stillzeit zu meiden, denn sie haben keinen Einfluss auf die Allergieentwicklung beim Kind. Kuhmilch, Weizen oder Fisch zum Beispiel lösen zwar öfter Allergien aus, sollten aber nach neuerem Forschungsstand schon ab dem fünften Lebensmonat kein Tabu mehr sein. So sollten etwa Säuglinge, in deren Familie die Unverträglichkeit gegen Gluten aus Getreide bekannt ist, schon zwischen dem fünften und siebten Monat kleine Mengen Weizen bekommen. Damit könne das Risiko, an der sogenannten Zöliakie zu erkranken, gesenkt werden - vor allem, wenn die Mutter begleitend noch stillt. Aktuelle Untersuchungen weisen auch darauf hin, dass der regelmäßige Verzehr von Fisch in der Schwangerschaft und Stillzeit sogar die Ausbildung von Neurodermitis verhindern oder lindern kann. Ein frühzeitiger Kontakt mit potenziellen Allergenen, frühestens ab dem 5. Lebensmonat, kann die Entstehung einer Allergie vermeiden helfen.   

Dass ausschließliches Stillen bis zum vierten Lebensmonat vorbeugend gegen Allergien wirkt, ist nach wie vor allgemein anerkannt. Kann die Mutter nicht stillen, so sollte sie bis zum vierten Lebensmonat partiell oder extensiv hydrolisierte HA-Säuglingsnahrung verwenden.
Säuglingsnahrung auf der Basis von Soja-, Ziegen-, Schafs- oder Stutenmilch ist nicht zur Prävention von Allergien geeignet. 

Vermeidung schädigender Umweltfaktoren

  • Kein Tabakrauch in der Umgebung des Kindes – auch schon während der Schwangerschaft.
  • Neuanschaffungen von fell- und federtragenden Tieren ist bei Risikokindern zu vermeiden (insbesondere Katze). Hunde haben aber vermutlich keinen Einfluss auf die Entwicklung von Allergien.
  • Mehrfaches Waschen vor dem ersten Tragen von Kleidungsstücken ist sinnvoll, um die Chemikalien zu entfernen, die beim Fertigen der Kleidung (v.a. durch Färbe- und Imprägniermethoden) in neuen Materialien zu finden sind.
  • Schutz vor Hausstaubmilben: Kühle trockene Räume, regelmäßiges Lüften, milbenundurchlässige Matratzenüberzüge oder bei 95° C waschbare Bettbezüge; nicht in Gegenwart des Kindes Staub saugen. Auf Topfpflanzen in Blumenerde verzichten, dafür besser Hydrokulturen, Feuchtigkeitsflecken in der Wohnung beseitigen.
  • Schutz vor Pollen: Vermeidung von frühzeitigem Kontakt mit Pflanzen; bei starkem Pollenflug Fenster geschlossen halten; Kleidung nicht im Schlafzimmer ausziehen.
  • Schutz vor Kosmetika bzw. Schmuckgegenständen: Auf tiereiweißhaltige Creme, Badezusätze außer medizinischen Badeölen und Salzen etc. verzichten; wegen der häufigen Nickelallergie keine Löcher für Ohrringe in Kinderohren bohren lassen.
  • Übergewicht vermeiden, da dies insbesondere das Risiko für Asthma erhöht

Notfall-Set

Das Notfall-Set ist ein „Muss" für alle Patienten mit schweren Allergien, z.B. Insektengift-Allergie, um in allen Situationen einem drohenden anaphylaktischen Schock vorzubeugen. Ein solches Set enthält Antihistamin-Tropfen, ein trinkbares Glukokortikoid und kreislaufstärkendes Adrenalin zum Spritzen. Fragen Sie Ihren behandelnden Kinder- und Jugendarzt und lassen Sie sich und das Kind, wenn es älter ist, mit der Handhabung des Notfall-Sets vertraut machen.
Jeder mehr als 15 Kilogramm schwere Patient mit einer schweren Nahrungsmittel- oder Insektengiftallergie sollte ein solches besitzen und anwenden können.

Außerdem sollte jeder, bei dem eine Allergie festgestellt wurde, einen Allergie-Pass bei sich tragen, der vom behandelnden Arzt ausgestellt wird. Darin sind Stoffe, auf die der Allergiker reagiert, genau aufgeführt. Besonders wichtig ist dies bei Arzneimittel-Allergien, damit ein anderer Mediziner sofort sehen kann, welche Medikamente er gefahrlos verabreichen kann. Auch die spezielle antiallergische Behandlung sollte im Pass vermerkt sein.

Jugendliche mit Allergien, Asthma, Neurodermitis sollten sich mit ihrem Kinder- und Jugendarzt in Bezug auf ihre Berufswahl beraten. Friseur, medizinische Berufe (Umgang mit Desinfektionsmittel, Handschuhe bei Latexallergie), Mechaniker, Schneider, Bäcker, Tierpfleger, Tierarzt, Gärtner, Florist und Forstarbeiter sind beispielsweise Berufe, die für Allergiker oder Neurodermitiker ungeeignet sein können.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Ludwig Schmid

letzte Änderung: 01.08.2018