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Alkoholismus

Auswirkungen

Jährlich sterben in Deutschland ca. 74.000 Personen an den mittelbaren und unmittelbaren Folgen von Alkoholmissbrauch. Deutsche Jugendliche haben bei ihrer ersten Rauscherfahrung ein Durchschnittsalter von 13,8 Jahren. Der Alkoholsurvey der BZgA ergab, dass sich 17% der Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren und 44% der 18- bis 25-Jährigen mindestens einmal im Monat in einen Rausch trinken. Europaweit ist der Trend zum „Komasaufen“ bzw. „Trinken bis zum Umfallen“ gestiegen.

Was als Flucht aus einer unbefriedigenden Situation durch Alkohol beginnt, erschwert die Entwicklung des Kindes oder des Jugendlichen zu einer stabilen Persönlichkeit. Zu den alten Problemen kommen neue hinzu, die mit der Abhängigkeit in Verbindung stehen. Dies wiederum führt zu intensiverem Trinken. Ein Teufelskreis nimmt seinen Lauf, der die Betroffenen zunehmend daran hindert seinen Alltag zu bewältigen. Sinken die Schulleistungen dauerhaft, kann der Schulabschluss gefährdet sein und damit der Eintritt in die Berufstätigkeit. Arbeitslosigkeit zieht im schlimmsten Fall Obdachlosigkeit nach sich.

Alkohol wird vor allem in den Zellen der Leber abgebaut und so zählen Leberschäden, aber auch Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und die Schädigung von Nervenzellen (Polyneuropathie) zu den typischen Folgekrankheiten kontinuierlichen Alkoholkonsums. Das klassische Entzugssyndrom eines Delirium tremens (mit Desorientiertheit, Unruhe und Halluzinationen) ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen selten zu finden, da die Dauer des Missbrauchs hierfür in der Regel zu kurz ist. Auf Dauer schädigt übermäßiger Alkoholgenuss alle Organe einschließlich des zentralen Nervensystems (ZNS) und beeinträchtigt die Sinneswahrnehmung.
Alkoholkonsum kann die Aggressivität und Gewaltbereitschaft erhöhen. So geraten Gruppen von Jugendlichen, die sich zum Saufen treffen, unter Alkoholeinfluss leichter in aggressive Auseinandersetzungen untereinander oder mit anderen Gruppen. Mädchen werden dabei unter Umständen auch Opfer sexueller Gewalt.

Hinzu kommt die Gefahr der Beschaffungskriminalität. Das Jugendschutzgesetz verbietet den Erwerb von hochprozentigen alkoholischen Getränken an Personen unter 18 Jahren ebenso wie den von anderen alkoholischen Getränken an Jugendliche unter 16 Jahren. Dennoch gelangen sie in den Besitz der Jugendlichen. Reicht das Taschengeld oder Einkommen nicht aus, den Bedarf zu decken, ist der Schritt zum Diebstahl nicht mehr groß.

Trinkt eine werdende Mutter während der Schwangerschaft, kann dies dazu führen, dass das Baby mit einem verminderten Geburtsgewicht zur Welt kommt. Außerdem besteht eine erhöhte Gefahr von Fehlbildungen wie schmale Oberlippen, Augenspalten sowie Kleinwüchsigkeit, aber auch von geistigen und körperlichen Entwicklungsverzögerungen (FAS: Fetales Alkoholsyndrom, früher Alkoholembryopathie) bis hin zu bleibenden Schäden wie Fehlbildungen von Augen, Genitalien, Herz, Knochen und Nieren sowie Intelligenzminderung.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Monika Niehaus

letzte Änderung: 21.11.2014