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Alkoholismus

Vorsorge

30% der 12- bis 17-Jährigen in Deutschland haben dem Alkoholsurvey 2012 der BZgA zu Folge noch nie Alkohol getrunken. Kinder, die ein gesundes Körpergefühl und ein stabiles Selbstwertgefühl entwickeln, können leichter „Nein“ zu Alkohol sagen. Auch ein offenes Verhältnis zu den Eltern wirkt protektiv (schützend). Untersuchungen weisen nach, dass Eltern ebenso eine wichtige Rolle als Vorbild haben. Kinder lernen von ihnen, welche Bedeutung Alkohol hat. Bereits im Grundschulalter haben die meisten Kinder ein bestimmtes Bild von Alkohol (kognitives Schema, Alkoholkonzept).

  • Alkohol sollte deshalb nie in Gegenwart von Kindern als besonders entspannend, wohlschmeckend usw. angepriesen werden.
  • Kleinkindern und Grundschülern sollten niemals alkoholische Getränke angeboten werden.
  • Auch Medikamente und Lebensmittel mit Alkoholgeschmack setzen die Hemmschwelle herab. Die Menge des zugeführten Alkohols spielt dabei keine Rolle, er wird schon in geringen Mengen wahrgenommen.
  • Ältere Jugendliche (ab 14 Jahren) sollten nur in besonderen Ausnahmesituationen ganz gelegentlich Nippen und Anstoßen dürfen, um dem Alkohol die Faszination zu nehmen.

Das Jugendschutzgesetz regelt, dass alkoholische Getränke und Lebensmittel mit einem Mindestalkoholgehalt von 37,5 Vol.-% an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren grundsätzlich nicht abgegeben werden dürfen. Auch der Verzehr ist nicht gestattet. Für den Erwerb und Verzehr anderer alkoholischer Getränke und Lebensmittel wurde ein Mindestalter von 16 Jahren festgelegt.
Die meisten Jugendlichen kennen diese Vorschriften, wollen aber eigenverantwortlich mit Alkohol umgehen und wissen, wie sie ihn dennoch beschaffen können – mit schwerwiegenden Folgen: 2012 wurden 26.673 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren aufgrund einer Alkoholvergiftung stationär in einem Krankenhaus behandelt. Seit dem Jahr 2000 werden dieser Behandlungen statistisch erfasst. Damals lag die Zahl der entsprechenden Behandlungen noch bei 9.514. Seitdem wird ein Anstieg der Behandlungsfälle beobachtet, der 2012 seinen bisherigen Höhepunkt erreicht hat.

Eltern unterschätzen den Alkoholkonsum ihrer Kinder häufig. Empfehlungen "es nicht zu übertreiben" sind für die meisten Jugendlichen zu wage. Vor Strafen wie Hausarrest oder Taschengeldentzug als Strafe dafür, dass sie betrunken nach Hause kommen, wissen Jugendliche zu entgehen. So übernachten sie beispielsweise bei Freunden, deren Eltern verreist sind. Dennoch respektieren viele Jugendliche die von den Eltern gesetzten Grenzen und versuchen deshalb in der Regel pünktlich und einigermaßen nüchtern nach Hause zu kommen. Für Eltern besteht die Herausforderung darin, die Grenzen weder zu eng noch zu locker zu setzen. Sind die Eltern zu streng, trinken ihre Kinder unter Umständen aus Protest, sind sie zu gutmütig, fehlt den Jugendlichen möglicherweise die Orientierung.

Sportvereine können einen wichtigen Beitrag zu einem gemäßigten Umgang mit Alkohol beitragen. Für aktive Sportler ist es selbstverständlich, dass sie vor einem Wettkampf oder Spiel nicht trinken. Vereinsfeste, Turniere, Mannschaftsfeste oder -ausflüge können dagegen mit exzessivem Alkoholkonsum verbunden sein. Hier können Trainer nicht nur als Vorbild großen Einfluss auf die Jugendlichen nehmen.

Jugendliche sind aber auch bereit, auf einander zu achten. Fotos oder Filmaufnahmen von betrunkenen Freunden wissen sie gezielt einzusetzen, wenn diese wieder nüchtern sind. Sie vertrauen darauf, dass ihnen das Verhalten im Nachhinein peinlich ist, und sie es nicht mehr so weit kommen lassen wollen. Schlimmstenfalls sind sie durchaus bereit, die Eltern zu verständigen. Zukunftsvisionen, die mit einem ausgeprägten Alkoholkonsum nicht vereinbar sind, tragen mit dazu bei, diesen zu limitieren. Ziel von Vorsorgemaßnahmen ist keine Alkoholabstinenz, sondern ein vernünftiger Umgang mit Alkohol. Wie vieles im Leben gelingt auch dieser manchmal erst nach schlechten Erfahrungen.

Aufklärungskampagnen wie "Kenn Dein Limit" oder "Null Alkohol voll Power" wollen Jugendliche über die Folgen von Alkoholkonsum aufklären. Darüber hinaus fanden in Deutschland bereits viermal Aktionswochen gegen Alkohol mit einem umfangsreichen Veranstaltungsprogramm statt.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Monika Niehaus

letzte Änderung: 21.11.2014