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Fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD)

Was sind Fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD)?

Alkoholkonsum schadet dem ungeborenen Kind ebenso wie dem Säugling – diese Erkenntnis veranlasst die meisten Mütter zu einem Verzicht auf Alkohol während der Schwangerschaft und der darauffolgenden Stillzeit. So schützen sie ihr Kind effektiv vor einer fetalen Alkoholspektrumstörung (FASD). Doch nicht jede Mutter kann oder will auf Alkohol verzichten. In Europa trinken zwischen 14,4% und 30,0% der Schwangeren wiederholt Alkohol, obwohl sie wissen, dass dies ihrem Kind schadet.

Die Verbreitung des FASD in Deutschland wird auf ca. 1% geschätzt. Im Rahmen der GEDA-Studie kamen Wissenschaftler zu dem Schluss, dass etwa jede 5. Schwangere hierzulande moderat Alkohol konsumiert. 8% bescheinigten sie sogar einen riskanten Alkoholkonsum. Beobachtungsstudien zufolge rauchen Alkohol-trinkende Frauen auch häufiger als andere werdende Mütter, was zu einer zusätzlichen Gefährdung des Kindes beiträgt.

Da nicht jedes Kind erkrankt, wenn die Mutter während der Schwangerschaft alkoholische Getränke zu sich nimmt, vertrauen viele darauf, dass es auch bei ihrem Kind keine Probleme auftreten werden. Andere blenden die möglichen Risiken einfach aus. Hierzu gehören ein niedriges Körpergewicht oder eine geringe Körpergröße bei der Geburt bzw. im Laufe der weiteren Entwicklung, aber auch Entwicklungsstörungen von Gehirn und Nervensystem sowie Schäden von Augen, Gesicht, Herz, Nieren oder Knochen. Diese zeigen sich in der Regel allerdings erst nach der Geburt, dann jedoch mit lebenslangen Folgen.

Bis heute gibt es keine Alkoholmenge, die in der Schwangerschaft als unbedenklich eingestuft werden kann, weil das Ausmaß der Schädigung rückwirkend nicht automatisch mit der von der Schwangeren konsumierten Alkoholmenge in Verbindung gebracht werden kann.

 

Je nach Schweregrad der Fetalen Alkoholspektrumstörungen (FASD) unterscheiden Fachleute vier Beschwerdebilder:

  • das Fetale Alkoholsyndrom (FAS - fetal alcohol syndrome).
    Schätzungen zufolge werden pro Jahr in Deutschland etwa 2.000 Kinder mit dieser Störung geboren.
  • das partielle Fetales Alkoholsyndrom (pFAS – partial fetal alcohol syndrome).
  • die alkoholbedingte entwicklungsneurologische Störung (ARND – alcohol related neurodevelopmental disorder).
  • die alkoholbedingte angeborene Malformation (ARBD – alcohol related birth defects).

Diese Form des FASD fasst Störungen zusammen, die im Zusammenhang mit einer bekannten Alkoholabhängigkeit der werdenden Mutter beim Kind auftreten. Sie wurde von Experten bisher allerdings noch nicht näher spezifiziert und wird daher in Deutschland in der Regel noch nicht diagnostiziert.

Die einzige wirksame vorbeugende Maßnahme ist der Verzicht auf Alkohol in der Schwangerschaft. Politiker und Ärzte fordern hierzu eine umfassendere Aufklärung und bessere Unterstützung schwangerer Frauen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung veröffentlicht unter www.familienplanung.de ausführliche Informationen für Schwangere und ihre Angehörigen rund um die Risiken von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft und stellt gezielte Unterstützungsangebote vor.

Autor:

Fachliche Unterstützung: Dr. Ulrich Fegeler

letzte Änderung: 20.10.2017