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Alkoholismus

Ursachen & Risikofaktoren

Der Alkoholkonsum von Kinder und Jugendlicher wird häufig durch das Vorbild der Eltern und das soziale Umfeld geprägt. Meist unterschätzen Eltern dabei, wie ihr Vorbild das spätere Verhalten ihrer Kinder bereits in jungen Jahren prägt: Wenn Kinder im Grundschulalter von ihren Eltern lernen, dass Alkohol in der Freizeit oder bei Problemen getrunken wird, übernehmen sie später diese Verhaltensweisen oft.

Weitere Risikofaktoren

  • Frühe Gewöhnung an Alkohol: Je jünger Kinder sind, wenn sie zum ersten Mal Alkohol trinken, desto größer ist die Gefahr des späteren Missbrauchs.
  • Umfeld: Nicht nur Eltern, Großeltern und Geschwister sind ein Vorbild beim Umgang mit Alkohol – auch Freunde. Wenn es "cool" ist, dass man sich am nächsten Morgen nicht mehr daran erinnert, was man am Vorabend unter Alkoholeinfluss getan hat, dann motiviert diese Anerkennung zur Wiederholung.
  • Verluste, Frustrationen und andere Probleme: Einige Jugendliche versuchen ihre Probleme (z.B. im Elternhaus, in der Schule oder mit Gleichaltrigen) mit Alkohol zu verdrängen. So haben z.B. Kinder, die psychischer, körperlicher oder sexueller Gewalt ausgesetzt sind oder unter psychischen Erkrankungen leiden, ein erhöhtes Risiko für Alkoholmissbrauch. Die „Scheinlösung“ Alkohol, die vorübergehend hilft, unbefriedigenden Situationen zu entfliehen, erschwert die Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit.
  • Erbliche Belastung: Kinder aus alkoholbelasteten Familien weisen ein bis zu sechsmal höheres Risiko auf, selbst abhängig zu werden. Sie reagieren – sowohl subjektiv als auch körperlich - anders auf Alkohol als Vergleichspersonen: Die berauschenden Effekte des Alkohols werden erst bei höheren Konzentrationen wahrgenommen. Alkohol bewirkt bei ihnen anscheinend eine erhöhte Stressdämpfung, d.h. Alkohol wird häufiger als funktional positiv empfunden. Die später einsetzenden unangenehmen Effekte des Alkohols treten dagegen mit Verzögerung auf.

Das "Komasaufen" ist neben dem regelmäßigen Konsum von Alkohol ein ernst zu nehmendes Problem. 26.673 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 und 19 Jahren wurden 2012 aufgrund einer Alkoholvergiftung stationär in einem Krankenhaus behandelt.

Teenager trinken u.a. Alkohol, um Problemen zu entfliehen.  (© Joshua Resnick - Fotolia.com)
Kinder aus alkoholbelasteten Familien haben ein erhöhtes Suchtrisiko. (© Joshua Resnick - Fotolia.com)

Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit untersuchten Wissenschaftler der Universität Tübingen "Einflussfaktoren, Motivation und Anreize zum Rauschtrinken bei Jugendlichen". Rauschtrinken findet demnach überwiegend in Peer-Groups statt. Das Einstiegsalter liegt zwischen 11 und 14 Jahren. Damit die schulischen Leistungen oder die Ausbildung nicht leiden, treffen sich die Gruppenmitglieder meist an festen Trinktage freitags und / oder samstags auf öffentlichen Plätzen mit dem Ziel sich zu betrinken. Wodka pur oder gemixt gehört neben Bier zu den beliebtesten Getränken.

Trotz der negativen Erlebnisse beim "ersten Mal" bleiben die Jugendlichen im Anschluss nur vorübergehend abstinent. Ziel der Jugendlichen ist es, mehr zu vertragen, wofür die Jugendlichen Anerkennung von anderen erhalten – ohne völligen Kontrollverlust. Obwohl diese Jugendlichen häufig Freunde respektieren, die nichts trinken, suchen sie selbst die Anerkennung über die Menge, die sie vertragen. Weitere Motivationen für Jugendliche sind der Studie zufolge Zeitvertreib, Enthemmung und Frusttrinken. Dennoch wollen sich die meisten Jugendlichen nicht blamieren oder unter Alkoholeinfluss etwas tun, was sie hinterher bereuen.

Laut amerikanischen Untersuchungen entwickelt nur ein Teil der Menschen, die Alkohol oder auch andere psychoaktive Substanzen zu sich nehmen, eine Abhängigkeit: Abhängigkeit von psychoaktiven Substanzen wie Alkohol entsteht nicht durch den einfachen Kontakt mit Alkohol. Für die Entwicklung einer Sucht spielen viele Faktoren eine Rolle. 90% der Jugendlichen lernen einen angemessenen Umgang, nur etwa 10% neigen zu Missbrauchsverhalten.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Monika Niehaus

letzte Änderung: 21.11.2014