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Schreibaby (Regulationsstörung, veraltet: Dreimonatskoliken)

Therapie

Die meisten der betroffenen Eltern stehen diesem Phänomen, dass ihr Baby aus scheinbar unerklärlichen Gründen stundenlang schreit, zuerst ratlos gegenüber. Sie sollten jedoch nicht denken, dass es an ihnen liegt, wenn sich ihr Baby nicht beruhigen lässt. Das Schreien ist Ausdruck einer verzögerten Verhaltensregulation. Das Baby ist häufig auch schreckhafter, reizbarer und lässt sich im Vergleich zu seinen Altersgenossen weniger gut trösten. Eltern sollten sich auch immer wieder klar machen, dass Babys keine Maschinen sind, die an- und ausgeschaltet werden können. Deshalb wirken bestimmte Beruhigungsversuche manchmal ganz gut, aber zu anderen Zeiten wieder überhaupt nicht. Oberstes Prinzip heißt: Ruhe zu bewahren und nicht schnell von einer Beruhigungsmethode zur anderen wechsel, damit das Baby auch Zeit hat, auf etwas zu reagieren. „Regulation“ muss das Kind selbst lernen – Eltern können diesen Prozess nur wenig bis kaum erleichtern.

Studien konnten zeigen, dass Kinder, die im ruhigen Zustand mehr von den Eltern herumgetragen wurden, auch weniger weinten. Das Herumtragen als Reaktion auf das Schreien war als Beruhigungsmethode weniger effektiv.

Beruhigungsmethoden:

  • Die Position des Babys wechseln
  • Wiederholungen von Bewegungen, Geräuschen oder anderem.
  • Etwas in einem bestimmten Rhythmus machen, wie z.B. ein Gutenachtlied singen.
  • Gleichmäßiges Hintergrundgeräusch
  • Körperkontakt
  • Menschliche Geräusche, z.B. wenn das Baby durch einen Türspalt noch die Stimmen der Eltern hört.
  • Eine Babymassage kann beruhigend wirken.
  • Ein Bad kann entspannen.

Eine ruhige Umgebung und ein geregelter Tagesablauf unterstützen die Eltern in ihrem Beruhigungsversuchen.

Eltern sollten sich Hilfe und Rat bei ihrem Kinder- und Jugendarzt suchen. Wenn ihre Kräfte ausgeschöpft sind, sollten sie sich entsprechende Institutionen wie „Schreiambulanzen“ von ihm empfehlen lassen.

Aber auch wenn Schlafstörungen beim Baby hinzukommen, es sich schwer füttern lässt oder Schreien oder Erbrechen mit einem halben Jahr noch nicht besser geworden ist, sollte der Kinder- und Jugendarzt das Kind untersuchen. Schreit das Kind und zeigt noch andere Krankheitszeichen, wie Fieber, Durchfall, einen ständig harten Bauch, unregelmäßigen Stuhlgang oder reagiert kaum, dann muss dies in jedem Fall umgehend ärztlich abgeklärt werden.

Therapeutische Ansätze

Es gibt verschiedene therapeutische Ansätze, um Eltern mit Schreibabys zu helfen. Ziel ist es, dass Eltern mehr Selbstvertrauen bekommen und ihr Kind dadurch auch besser „interpretieren“ lernen. In schwerwiegenden Fällen können im Rahmen einer Beziehungsanalyse mit Videofeedback (Interactional Guidance) oder mit Hilfe einer Eltern-Kind-Psychotherapie die Verhaltensweisen von Eltern und Kind analysiert werden, um auch verzerrte Rollenbilder und Erwartungen aufzudecken, mögliche Missverständnisse zwischen Eltern und Kind zu beheben und Eltern Tipps für den Umgang mit ihrem „schwierigem“ Baby zu geben. Studien zeigten, dass es Eltern nach diesen Therapien besser gelang, die Bedürfnisse ihres Kindes zu erkennen und entsprechend zu reagieren. 

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Roland Fressle

letzte Änderung: 01.08.2018