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Bauchschmerzen

Was sind Bauchschmerzen?

Mädchen mit Bauchschmerzen
Bauchweh kann viele Ursachen haben (©dalaprod - fotolia.com)

Kinder leiden häufig unter Bauchschmerzen. Meist werden sie durch eine Darminfektion, mehrtägige Verstopfung, Blähungen, übermäßiges Essen oder verdorbene Lebensmittel hervorgerufen. In solchen Fällen sind Bauchschmerzen in der Regel harmlos und verschwinden, sobald die Infektion überstanden ist, der Stuhlgang sich wieder normalisiert und der Verdauungsapparat sich wieder beruhigt hat.
Bauchschmerzen können allerdings auch seelisch bedingt sein. Gerade wenn eine Klassenarbeit bevorsteht oder das Kind andere Probleme hat, machen sich Bauchschmerzen bemerkbar. Manchmal steckt bei Bauchschmerzen allerdings auch eine akute Blinddarmentzündung, eine Magenschleimhautentzündung, eine Wurmerkrankung, ein Bruch, eine Darmverschlingung oder andere ernsthafte Erkrankung dahinter. Da so viele unterschiedliche Ursachen Bauchschmerzen hervorrufen können, kann nur ein Arzt die genaue Diagnose stellen.
Experten unterschieden zwischen akuten und chronischen Bauchschmerzen. Bauchschmerzen, die seit mehr als zwei Monaten bestehen und mindestens viermal im Monat auftreten, bezeichnet man als chronisch.
KiGGS (Kinder- und Jugendgesundheitssurvey) zufolge sind Bauchschmerzen bei bei den 3- bis 10-Jährigen die häufigsten Schmerzen, die sie bzw. ihre Eltern angeben, gefolgt von Kopf- und Halsschmerzen. Kinder und Jugendliche im Alter von 11–17 Jahren berichteten am häufigsten über Kopfschmerzen, gefolgt von Bauch- und Rückenschmerzen. 24% der Kinder zwischen 3 und 6 Jahren, 22,8% der Kinder zwischen 7 und 10 Jahren und 19,2% der Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren sind im Verlauf von drei Monaten von wiederkehrenden Bauchschmerzen betroffen.

Das Kind sollte dem Kinder- und Jugendarzt vorgestellt werden bei:

  • akuten, schweren Bauschmerzen
  • stark angespannter Bauchdecke
  • schlechtem Allgemeinzustand
  • weiteren Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost, Durchfall oder Erbrechen
  • schon längere Zeit ohne erkennbare Ursachen bestehenden Bauchschmerzen

Ursachen

Für akute Bauchschmerzen können bei Säuglingen Koliken, Magen-Darm-Infektionen und auch andere Infektionen verantwortlich sein. Auch eine Verstopfung kann Ursache für Bauchschmerzen sein. Heftige akute Bauchschmerzen können durch eine Blinddarmentzündung ausgelöst werden. Weitere mögliche Gründe für Bauchschmerzen können u.a. sein: Darmverschluss, Darmentzündung, Blasenentzündung, Nieren- oder Gallensteine.

Chronische Bauchschmerzen lassen sich in manchen Fällen auf chronische Darmerkrankungen, wie z.B. Zöliakie, oder auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien zurückführen. Magenschleimhautentzündung, Magengeschwür, Harnwegsinfektionen, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Nierenfehlbildungen, Nieren- oder Gallensteine können u.a. ebenso wiederkehrende Bauchschmerzen auslösen.
Besonders häufig liegen jedoch funktionelle Bauchschmerzen vor, wie Reizdarmsymptom oder abdominelle Migräne (Bauchmigräne). Funktionelle Bauchschmerzen sind als chronische Bauchschmerzen definiert, deren Ursache nicht in einer Fehlbildung oder Neubildung liegt und die sich auch auf keine Entzündung oder keine Stoffwechselstörung zurückführen lassen. Meist sind psychische Faktoren wie Stress für diese Art von Bauchschmerzen verantwortlich.

Symptome & Krankheitsbild

Akute Bauchmerzen

Bei Säuglingen äußern sich akute Bauchschmerzen meist durch Weinen, Nahrungsverweigerung, Erbrechen oder Durchfall. Das Baby krümmt sich evtl., reagiert empfindlich auf Berührung des Bauches und will nicht essen. Hat das Baby Fieber, erbricht grün (Galle), hat Blut im Stuhl oder wirkt teilnahmslos und blass, sollten  Eltern es umgehend einem Kinder- und Jugendarzt oder in einer kinderärztliche Notfallambulanz vorstellen.

Ältere Kinder können Bauschmerzen meist gut beschreiben. Oft sind Magen-Darm-Infekte die Ursache. Sehr starke Bauchschmerzen, die nicht nachlassen oder Schmerzen im rechten Unterbauch oder fern vom Bauchnabelbereich, aber auch grün gefärbtes Erbrochenes (Galle) oder Blut im Stuhl oder im Erbrochenen sind Warnzeichen, bei denen Eltern sofort mit ihrem Kind zum Kinder- und Jugendarzt sollten.

Chronische Bauchmerzen

Bei wiederkehrendem Fieber, Gewichtsverlust oder Gedeihstörungen sollte immer der Kinder- und Jugendarzt aufgesucht werden.

Bauchmigräne

Bauchmigräne oder abdominelle Migräne ist in vielen Fällen eine Vorstufe zur Migräne. Kinder sind dabei von regelmäßig auftretenden Bauchschmerzattacken betroffen, die von Übelkeit, Erbrechen, Blässe und/oder Appetitlosigkeit sowie evtl. Lichtscheu begleitet werden. Die Schmerzen zentrieren sich um den Bauchnabel. Sie können eine Stunde bis zu drei Tagen anhalten.

Eine Bauchmigräne kann später in eine „Kopfmigräne“ übergehen. Wird eine Bauchmigräne vermutet, ist es wichtig, die Auslöser zu ermitteln, wie beispielsweise Stress und Schlafmangel.

Schätzungsweise 1 bis 4% aller Kinder leiden unter einer abdominellen Migräne - vorwiegend im Grundschulalter.

Diagnose

Bei der Diagnose von regelmäßig auftretenden Bauchschmerzen können die Erfassung der Größe und des Gewichts sowie die Betrachtung des Wachstumsverlaufs und der Gewichtsentwicklung erste Hinweise darauf geben, ob eine organische Ursache vorliegt.

Die Beobachtungen der Eltern und die Auskunft der Kinder können für den Pädiater zusätzlich sehr hilfreich sein. Kann das Kind den Ort des Schmerzes nennen bzw. strahlt dieser aus? Wann treten die Beschwerden auf - zu bestimmten Tageszeiten, nach dem Essen? Erbricht sich das Kind, hat es Durchfall oder Verstopfung? Wie sind der Stuhl und das Erbrochene beschaffen – ist evtl. Blut beigemengt? Ernährungsgewohnheiten können auf mögliche Unverträglichkeiten hinweisen: Konsumiert ein Kind viel Milch oder Fruchtsäfte, isst es viel Obst oder nimmt es evtl. über Getränke viel Süßstoff auf? Auch über psychische Probleme und Stress, die zu Bauchschmerzen führen können, sollten Kinder und Eltern den Kinder- und Jugendarzt informieren.

Liegen chronische Darmerkrankungen in der Familie vor, wie z.B. Morbus Crohn oder Zöliakie, und gibt es Hinweise darauf oder auf eine andere organische Erkrankung, müssen weitere Untersuchungen erfolgen (z.B. Blutbild, Urinstreifentest, Stuhluntersuchung).

Sind körperliche Ursachen unwahrscheinlich bzw. ausgeschlossen, handelt es sich bei den chronischen Bauchschmerzen um sogenannte funktionelle Bauchschmerzen. Ursache können Stress, Ängste unterschiedlicher Art, Schlaflosigkeit, zu viel Bildschirmkonsum, familiäre Spannungen etc. sein.

Therapie

Die Therapie kann abhängig von der Ursache sehr unterschiedlich ausfallen (s.a. Morbus Crohn oder Zöliakie).

Bei funktionellen Bauchschmerzen ist es wichtig, die Auslöser zu vermeiden und zu lernen, besser mit bestimmten Problemen umzugehen. Mit zunehmendem Alter des Kindes nehmen funktionelle Bauchschmerzen ab. Bei einer Bauchmigräne können Entspannungsverfahren und Reizabschirmung die Beschwerden lindern.

Adressen & Links

Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE) Chausseestraße 128-129
10115 Berlin
Telefon: +49 30 / 27 58 23 45
Fax: +49 3222 / 24 55 839
E-Mail: info@noSpam.gpge.de
Internet: www.gpge.de

Quellen

Autor: äin-red

fachliche Unterstützung: Dr. Monika Niehaus

letzte Änderung: 14.01.2019