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Tetanus (Wundstarrkrampf)

Was ist Tetanus (Wundstarrkrampf)?

Wundstarrkrampf (Tetanus) ist eine weltweit verbreitete Erkrankung, die durch das Gift (Toxin) eines Bakteriums (Clostridium tetani) hervorgerufen wird. Da diese Bakterien nahezu überall verbreitet sind, kann man ihnen kaum aus dem Weg gehen. Es gibt jedoch eine Möglichkeit sich zu schützen – die Tetanus-Schutzimpfung.

Weltweit kam es 2012 zu ca. 72.600 Todesfällen bei Kindern unter fünf Jahren aufgrund von Tetanus; darunter starben ca. 61.000 Säuglinge und Neugeborene an sog. neonatalem Tetanus - vorwiegend in Entwicklungsländern, 2013 starben daran etwa 49.000 neugeborene Kinder.  Dies entspricht einer Verringerung um 94% gegenüber dem Jahr 1988, als schätzungsweise 787.000 Neugeborene innerhalb des ersten Lebensmonats an Tetanus starben. Tetanus neonatorum ist in Entwicklungsländern bei schlechten Geburtsbedingungen und fehlenden Impfprogrammen eine wichtige Ursache für die Säuglingssterblichkeit.

In Europa wurden im Jahr 2015 wurden 117 Tetanus-Fälle gemeldet, darunter 67 bestätigte Fälle. Erwachsene im Alter von 65 Jahren und älter waren die am stärksten betroffene Altersgruppe und dort waren Frauen fast doppelt so häufig erkrankt wie für Männer.

In Deutschland traten in den letzten Jahren keine oder unter 5 Tetanus-Todesfälle pro Jahr auf.

Übertragung

Der Erreger des Wundstarrkrampfes ist ein Bakterium – Clostridium tetani –, das in Form seiner äußerst widerstandsfähigen Dauerformen (Sporen) praktisch überall vorkommt, z.B. in Erde, im Schmutz, im Straßenstaub aber auch in Fäkalien von Mensch und Tier.

Tetanus-Erreger befinden sich in Erde, die reich an organischen Stoffen ist.(© Goran Bogicevic - Fotolia.com)
Tetanus-Sporen können sich in der Erde befinden. (© Goran Bogicevic - Fotolia.com)

Die Sporen können gelegentlich auch auf Kleidern oder im Hausstaub nachgewiesen werden. Der Erreger findet sich häufig in dicht bevölkerten Gebieten mit heißem und feuchtem Klima sowie in Erde, die reich an organischen Stoffen ist. Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch erfolgt nicht. Infolge der weltweiten Verbreitung des Erregers ist eine Ausrottung von Wundstarrkrampf ebenso unmöglich, wie eine Verhinderung der Erkrankung allein durch hygienische Maßnahmen.

Die Wundstarrkrampf-Erreger gelangen über Wunden (z.B. Stich-, Biss- oder Quetschverletzungen, Erfrierungs- oder Verbrühungswunden) in den Körper. Diese Wunden müssen nicht groß sein, banale Schrammen und Kratzer können schon genügen. Unter Sauerstoffabschluss, oft tief im Gewebe, keimen die Sporen aus und entwickeln sich zu vermehrungsfähigen Bakterien, die ein Nervengift (Toxin) produzieren.

Die Infektion kann nur direkt erfolgen, das heißt, ein an Wundstarrkrampf erkrankter Mensch kann nicht andere Menschen anstecken. In manchen Entwicklungsländern tritt der Wundstarrkrampf bei Neugeborenen (Tetanus neonatorum) auf, weil es zu den landestypischen Ritualen gehört, Erde oder sogar Kuhmist auf die frische Nabelwunde zu legen.

Symptome & Krankheitsbild

Die ersten Krankheitszeichen wie Unruhe, Schlafstörungen, Schweißausbrüche und ein allgemeines Krankheitsgefühl, treten in der Regel 4 – 14 Tage nach der Ansteckung schleichend auf.

Dann kommt es zu anhaltenden Muskelanspannungen, die typischerweise in der Kaumuskulatur beginnen. Der Mund kann nur noch begrenzt oder auch gar nicht mehr geöffnet werden. Ausgelöst wird diese Muskelstarre durch das Gift, das die Bakterien bilden. Es wird über Blut- und Lymphwege im Körper verteilt und gelangt in das zentrale Nervensystem. Hier bindet es an Nervenzellen und stört die regulierte Muskelarbeit. Die Muskelanspannungen breiten sich über die mimische Muskulatur des Gesichts aus und verleihen dem Erkrankten einen Gesichtsausdruck, als würde er grinsen (Risus sardonicus): er trägt Falten auf der Stirn, die Lidspalte ist verengt und der Mund in die Breite gezogen. Sprechen und Schlucken fallen schwer und werden zunehmend unmöglich. Nach und nach wird auch die Muskulatur von Nacken, Rücken, Bauch und Gliedmassen betroffen. Die Muskelanspannungen führen zu qualvollen Schmerzen, die bei vollem Bewusstsein erlebt werden. Innerhalb von drei Tagen kommt es dann auch zu anfallsartigen, sehr schmerzhaften Muskelkrämpfen, die durch äußere Reize wie Berührungen, Geräusche, Licht ausgelöst werden können.

Bei Säuglingen, die von unzureichend immunisierten Müttern entbunden wurden und bei denen der Nabel unter mangelhafter Hygiene behandelt wurde, kann die neonatale Form des Tetanus i.d.R. in den ersten zwei Lebenswochen ausbrechen. Die Babys wirken steif, leiden unter Trinkschwäche und Krämpfen. In den Entwicklungsländern ist diese Form des Tetanus für viele Säuglingssterbefälle verantwortlich.

Auswirkungen

Infolge der außergewöhnlich starken Muskelkrämpfe kann es zu Knochenbrüchen kommen. Krämpfe der Darm- und Blasenmuskulatur führen zu Verstopfung und der Unfähigkeit, Urin zu lassen. Ist die Atemmuskulatur betroffen, können zusätzlich Erkrankungen der Lunge auftreten, wie z.B. eine Entzündung; im schlimmsten Fall tritt der Tod durch Ersticken ein. Auch das Herz kann geschädigt werden, mit der Folge von Rhythmusstörungen, Kammerflimmern oder sogar einem Herzstillstand.
Eine überstandene Wundstarrkrampf-Erkrankung verleiht keinen Schutz vor einer neuerlichen Ansteckung – das kann nur die Schutzimpfung.

Diagnose

Die Diagnose wird anhand der Krankheitszeichen gestellt. Steife Muskeln oder Muskelkrämpfe infolge einer Wundverletzung, bei vollem Bewusstsein des Erkrankten, gelten als eindeutige Zeichen. In sehr seltenen Fällen kann zur Absicherung der Diagnose ein Toxinnachweis erfolgen.

Therapie

Die Therapie zielt zum einen darauf, das Überleben des Erkrankten durch intensivmedizinische Maßnahmen zu sichern, und zum anderen, die Vermehrung der Erreger und die Ausbreitung des Giftes zu unterbinden. Deshalb wird die Wunde großzügig ausgeschnitten und einer offenen Wundbehandlung zugeführt, um eine sauerstoffreiche Umgebung zu schaffen, in der sich die Bakterien nicht wohlfühlen. Zusätzlich sollen Antibiotika in hoher Dosierung die Erreger abtöten. Der Erkrankte erhält Tetanus-Immunglobulin, also Tetanus-Antikörper, gespritzt, um das Gift abzufangen, das noch in der Blutbahn kreist (passive Immunisierung).

Eine intensivmedizinische Versorgung, einschließlich Beatmung und die Gabe krampflösender Medikamente ist unbedingt erforderlich. Außerdem werden Beruhigungsmittel verabreicht, damit der Patient seinen Zustand nicht bei vollem Bewusstsein miterleben muss. Sorgfältige Überwachung und Pflege und eine ruhige Umgebung, um nicht unnötige Krämpfe auszulösen, kommen dazu. Selbst bei intensivmedizinischer Behandlung der Patienten sterben etwa 10 – 20% der Erkrankten. Ohne eine solche Behandlung sterben bis zu 70%, bei sehr jungen und sehr alten Patienten sogar nahezu 100%.

Impfschutz

Es gibt nur eine einzige Maßnahme, die absolut sicher vor Tetanus schützt, und das ist die Impfung. Eine Minimierung des Verletzungsrisikos stellt zwar eine mögliche, jedoch eine ziemlich unrealistische Vorbeugemaßnahme gegen Wundstarrkrampf dar. Impfungen im dritten, vierten, fünften sowie zwischen dem 12. und 15. Lebensmonat sorgen für die Grundimmunisierung. Eine weitere Impfung im sechsten Lebensjahr wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. Auch die Auffrisch-Impfung zwischen dem  10. und 18. Lebensjahr sollte nicht vergessen werden. Weitere Auffrisch-Impfungen alle 10 Jahre halten die Schutzwirkung auch im Erwachsenenalter aufrecht.

Mittlerweile stehen Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung, die sowohl gegen Wundstarrkrampf als auch gegen andere Infektionskrankheiten (Diphtherie, Kinderlähmung, Haemophilus influenzae Typ b (Hib) und Hepatitis B) schützen.

Bei der Schuleingangsuntersuchung 2014 konnten 96% der Kinder einen Impfschutz gegen Tetanus nachweisen.

Adressen & Links

Konsiliarlabor für Neurotoxin-produzierende Clostridien (Botulismus, Tetanus)
Robert Koch-Institut

ZBS 3 - Biologische Toxine
Seestraße 10
13353 Berlin
Ansprechpartner: Dr. Brigitte Dorner; Dr. Martin Dorner
Tel.: 030 18754 2500
Fax: 030 18754 2501
E-Mail: dornerb@noSpam.rki.de oder zbs3-diagnostik@noSpam.rki.de
Internet: www.rki.de/kl-clostridium-botulinum

Quellen

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Hans-Jürgen Nentwich

letzte Änderung: 20.02.2018