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Mittelohrentzündung (Otitis media)

Therapie

Der Arzt verordnet häufig abschwellende Nasentropfen oder -sprays, ein Schmerzmittel und evtl. schleimlösende Medikamente. Insbesondere bei kleinen Kindern (Kinder unter sechs Monaten), Risikopatienten und länger andauernder (über zwei Tage) oder schwerer Mittelohrenzündung kann ein Antibiotikum erforderlich sein. Lindernd wirkt Wärme, z.B. mit Rotlicht oder Traubenkernkissen. Bei Ohrfluss kann der Facharzt den Gehörgang mit warmem Wasser ausspülen und mit Watte abtupfen. Das betroffene Kind sollte auf einem dicken Kissen schlafen und den Kopf hochhalten, damit das Sekret leichter abfließen kann. Schmerzlindernd wirken Zwiebelwickel. Kalte Wadenwickel helfen, das oft hohe Fieber zu senken. Während der Erkrankung sollte kein Wasser z.B. beim Duschen oder Baden in die Ohren gelangen. Schwimmbadbesuche sind deshalb in dieser Zeit tabu.

Bei etwa 80% der Patienten bessern sich die Beschwerden innerhalb der ersten drei Tage.

Bei plötzlichen Ohrenschmerzen zum Beispiel im Flugzeug hat sich meist die Ohrtrompete verschlossen: Hier helfen kleine Tricks wie Nase zuhalten und gegen den Widerstand ausatmen, Kaugummi kauen, Gähnen und viel Flüssigkeit in kleinen Schlucken trinken.

Vorsicht! Nasen- und Ohrtropfen sollten nur in Absprache mit dem Kinder- und Jugendarzt angewandt werden. Nasentropfen für Erwachsene sind z.B. nicht für Kinder geeignet! Bei Säuglingen dürfen keine ölhaltigen Nasentropfen verwendet werden. Die Konzentration der Inhaltsstoffe sollte immer genau dem Alter und Gewicht des jeweiligen Kindes angepasst sein. Bei zu langer Anwedung können Tropfen auch die Nasenschleimhaut stark austrocknen bzw. schädigen.

Aktuelles: Erste Studiendaten geben laut kanadischen Forschern darauf Hinweise, dass die Einnahme von Antibiotika in einer kritischen Phase der Kindheit möglicherweise längerfristig die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen und in der Folge das Risiko für eine chronisch entzündliche Darmerkrankung erhöhen könnte. Die Wissenschaftler sahen bei Kindern, die eine Mittelohrentzündung im ersten Lebensjahr hatten, ein mehr als doppelt so hohes Risiko für Morbus Crohn und ein dreimal so hohes Risiko für Colitis ulcerosa. Nach ihrer Hypothese könnte dies mit der Einnahme von Antibiotika bei Mittelohrentzündungen zusammenhängen (J Pediatr.). 

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Gunhild Kilian-Kornell

letzte Änderung: 12.11.2021