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Konzentrationsstörungen

Ursachen

Überlastung

Häufig werden Konzentrationsstörungen durch eine Überlastung in der Schule bzw. in der Familie verursacht. Auch ein zu umfangreiches und straffes Freizeitprogramm kann maßgeblich an Konzentrationsstörungen beteiligt sein. Eine Anspannung kann die Leistungsfähigkeit zwar kurzfristig erhöhen, auf Dauer aber erschöpfen sich die Reserven. Die notwendige Anstrengung bei geringen Anforderungen ist dann viel größer als im erholten Zustand. Aus einer Anspannung kann sich schließlich eine Verspannung entwickeln. Heutzutage muss schon bei Kindern und Jugendlichen immer was los sein. Ruhe- und Erholungsphasen werden viel zu selten eingelegt.

Konzentrationsstörung  (© pegbes – Fotolia.com)
Schlafmangel kann zu Konzentrationsstörungen führen. (© pegbes – Fotolia.com)

Schlafmangel

Auch kann die Ursache für Konzentrationsstörungen sein – wer unausgeschlafen in den Tag geht, kann sich natürlich auch schlechter konzentrieren.

Stress oder emotionale Unausgeglichenheit

Die Konzentrationsstörungen können häufig auf Stress oder emotionale Unausgeglichenheit zurückgeführt werden. Was das Kind belastet und was nicht, hängt von seiner individuellen Erlebnisweise des Alltags ab. Was ein Kind locker weg steckt, belastet ein anderes. Jeder kennt die berühmten “weichen Knie” vor Aufregung oder in Stress-Situationen. Die Muskelspannung ändert sich durch Stress, Angst, Überforderung und andere emotionale Belastungen.

Voraussetzungen für Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und gutes Konzentrationsvermögen sind Bewegung zur Förderung der Durchblutung und besseren Sauerstoffversorgung aller Organe, frische Luft, gute Ernährung, ausreichend Schlaf und emotionale Ausgeglichenheit, die dadurch erreicht wird, dass Momente der Freude und des Glücks und Momente von Ärger und Sorgen sich in etwa die Waage halten.

Ist eine dieser Voraussetzungen nicht erfüllt, reichen die Folgen von Anspannung, Verspannung, Kopfschmerzen, geringerer Belastbarkeit und einem Gefühl von Unlust und Kraftlosigkeit bis hin zur Konzentrationsschwäche.

Individuelle Unterschiede

Menschen nehmen Dinge unterschiedlich auf. Der eine erfasst Zusammenhänge eher bildlich, der nächste eher abstrakt und ein anderer konzentriert sich am besten, wenn er dabei Musik hört. Es ist hilfreich herauszufinden, welche persönlichen Eigenheiten bei Ihrem Kind am stärksten ausgeprägt sind.

Hintergrund für diese individuellen Unterschiede sind die verschiedenen Zuständigkeitsbereiche der linken und rechten Hirnhälfte. In der linken Hirnhälfte finden die logischen, rationalen, analytischen Denkvorgänge statt. Zahlen, Formeln, Sprache, Schrift, Planung und Ordnung werden beispielsweise in der linken Hirnhälfte gespeichert. Kontrollierte Gefühle werden hier wahrgenommen. Dagegen ist die rechte Hirnhälfte die bildhafte, kreative, künstlerische und spontane Hälfte. Sie ist die gefühlsorientierte. An vielen Lernvorgängen kann man erkennen, dass neu Erlerntes im Laufe der Zeit ohne Nachdenken ganz von alleine ausgeführt wird, es wird sozusagen „automatisiert“. Musste man am Anfang noch scharf nachdenken und genau überlegen für jeden Schritt (linke Hirnhälfte), geht es irgendwann von ganz alleine (rechte Hirnhälfte). Diese beiden Hirnhälften arbeiten bei dem einen gut, bei dem anderen weniger gut zusammen. Je besser das Zusammenspiel der Hirnhälften funktioniert, desto besser ist das Aufnahmevermögen. Bei übermäßigem Stress ist dieses Zusammenspiel der Hirnhälften blockiert.
Traurigkeit, Stimmungstiefs und Angst setzen der Psyche so stark zu, dass für andere Dinge nicht mehr viel Energie übrig bleibt: Bei Depressionen gibt es einen Mangel beziehungsweise ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn (Neurotransmitter wie z.B. Serotonin, Dopamin u.a.), die zum Beispiel für Gefühle wie Glück und Zufriedenheit zuständig sind. Sind diese empfindlichen Systeme nicht intakt, ist auch die Weiterleitung von Informationen gestört. Dadurch kommt es zu Konzentrationsstörungen. Bei Angst sind wahrscheinlich verschiedene Botenstoff-Systeme gestört.

Ungleichgewichte im Hormon- oder Mineralstoffhaushalt (s. auch Mineralstoffmangel) können den Austausch von Botenstoffen zwischen den Nervenzellen und die Nervenleitfähigkeit stören, was sich in einer Vielzahl von Krankheitsmerkmalen äußern kann, darunter auch Konzentrationsstörungen.
Konzentrationsschwächen können aber auch körperliche Ursachen haben: Bewegungsmangel ist häufig ein Grund weshalb Kinder sich nicht gut konzentrieren können.

Krankhafte körperliche Ursachen können sein: Gehirnprellung, Halswirbelsäulen-Schleudertrauma, Grippe, Lungenentzündung etc. Unverträglichkeiten (bestimmte Nahrungsmittel, Chemikalien) und Umweltgifte können das Nervensystem angreifen. Ebenso kann eine unzureichende Muskelspannung, die den Körper aufrecht hält, dazu führen, dass das Kind permanent damit beschäftigt ist, sich aktiv aufrecht zu halten, z.B. in der Schule zu sitzen, so dass es nicht genügend Energie übrig hat, um sich auf die gestellten Aufgaben zu konzentrieren.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Gunhild Kilian-Kornell

letzte Änderung: 01.08.2018