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Konzentrationsstörungen

Therapie

Werden Konzentrationsstörungen durch eine körperliche Erkrankung ausgelöst, muss das Übel an der Wurzel gepackt werden – und zwar von einem Arzt oder auch einem Kinder- und Jugendpsychiater. Bei länger anhaltenden Beschwerden muss abgeklärt werden, ob eine ernste körperliche oder seelische Erkrankung die Ursache ist.
Erste Hilfe bei Müdigkeit und Erschöpfung bringt ein Aufenthalt an der frischen Luft oder zumindest ein weit geöffnetes Fenster. Bewegung beim Spielen steigert die Durchblutung und versorgt die erschöpften Gehirnzellen mit Sauerstoff. Außerdem werden beim Laufen (am besten ohne Schuhe; die Füße gut abrollen) die Reflexzonen der Füße massiert, wodurch die Durchblutung verbessert und die Gehirnaktivität erhöht wird. Wenn beim Lernen oder bei den Hausaufgaben nichts mehr geht, dann gönnen Sie Ihrem Kind eine Pause nach Möglichkeit im Freien.

Entspannungsübung (© orcim - Fotolia.com)
Entspannungstechniken können helfen. (© orcim - Fotolia.com)

Beachten Sie, dass Ihr Kind sich nicht überfordert und auch Ruhepausen einlegt. Ein Kind muss sich auch langweilen dürfen!Wenn Ihr Kind während der Hausaufgaben, ein Glas Wasser trinkt oder frisches Obst isst, steigert dies die Konzentrationsfähigkeit deutlich. Dem Körper werden auf diese Weise Flüssigkeit, Vitamine und Mineralstoffe zugeführt – Substanzen, die für die Ausführung aller Vorgänge im Organismus unerlässlich sind.

Atemübungen gehören zu den wirkungsvollsten Entspannungsübungen und können bei Konzentrationsstörungen helfen. Dazu sollte sich das Kind am besten ausgestreckt auf den Rücken legen und ganz ruhig atmen. Schließlich sollte es einige Male tief ein und aus atmen. Fordern Sie Ihr Kind auf, die Hand auf den Bauch zu legen, damit es fühlen kann, ob der Atem tief “in den Bauch” geht. Atemübungen können zwischendurch auch im Sitzen durchgeführt werden und die Konzentrationsfähigkeit steigern. Dazu sollte sich das Kind gerade hinsetzen, die Füße nebeneinander auf den Boden stellen und nicht überkreuzen. Die Hände liegen auf dem Schoß, die Augen sind geschlossen. Dabei atmet es langsam mehrmals tief ein und aus. Diese Übung trägt nicht nur dazu bei, die Konzentrationsfähigkeit zu steigern, sie hilft auch Stress abzubauen und zu entspannen. Mehrmals am Tag durchgeführt, kann dadurch die Leistungsfähigkeit enorm ansteigen.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass sich vor ein geöffnetes Fenster stellen. Das Kind steht mit überkreuzten Beinen auf den Zehenspitzen, streckt die Arme weit nach oben und atmet dabei tief ein. Beim Ausatmen stellt es die Füße wieder fest auf und nimmt die Arme langsam nach unten.
Es gibt eine Reihe von Übungen, sogenannte Über-Kreuz-Bewegungen, die die Zusammenarbeit der rechten und der linken Hirnhälfte fördern. Fast alle Nerven verlaufen im Gehirn über Kreuz. Daher werden Bewegungen der rechten Körperseite von der linken Hirnhälfte, Bewegungen der linken Körperseite von der rechten Hirnhälfte gesteuert. Über-Kreuz-Bewegungen erfordern daher das Zusammenspiel beider Hirnhälften. Sie regen den Energiefluss im Gehirn und im gesamten Körper an, was sich positiv auf das Konzentrationsvermögen auswirkt.

Sehr bewährt haben sich Entspannungsübungen, wie das autogene Training oder die Muskelrelaxation nach Jakobsen. Ihr Kinder- und Jugendarzt bietet diese Techniken vielleicht selbst für Kinder an oder weiß, wer es tut.

Bei manchen Kindern helfen ätherische Öle, die entweder in Duftlämpchen verdampft oder direkt eingeatmet werden können. Dazu eignen sich Lavendel, Bergamotteöl, Rosmarin oder ähnliches. Bitte keine ätherischen Öle verwenden, wenn Ihr Kind zu Allergien neigt!

Konzentrationsstörungen aufgrund von Nervosität und Stress

Finden Sie heraus, ob Ihr Kind ein “Flucht”- oder “Aggressionstyp” ist: Als Fluchttyp sollten Sie es bei Stress entweder einfach auf einer freien Strecke so schnell wie möglich rennen lassen (“fliehen”), als Aggressionstyp könnten Sie es dazu ermutigen auf ein Kissen einzuschlagen. Qi-Gong-Kugeln in den Händen bewegen hilft nervöse Energien in motorische Aktion umzusetzen und damit zu “entschärfen”.
Baldrian, Hopfen, Lavendel, Melisse, Passionsblume wirken beruhigend und ausgleichend (als Tee, Fertigpräparat, Badezusatz).
Kalte Wassergüsse beruhigen ebenfalls. Der Reiz durch das kalte Wasser aktiviert den beruhigenden Teil des Nervensystems und stärkt die nervliche Widerstandsfähigkeit, gleichzeitig fördert er die Durchblutung. Auch das Schlafvermögen wird verbessert. Halten Sie entweder die Unterarme oder das Gesicht des Kindes ein paar Sekunden unter einen weichen Kaltwasserstrahl oder in das mit kaltem Wasser gefüllte Waschbecken. Regelmäßige Saunabesuche haben denselben Effekt.

Konzentrationsstörungen aufgrund von Angst und Depression

Bei der typischen Winterdepression hilft viel Licht. Lange Spaziergänge, Schlittschuhlaufen im Freien, Rodeln oder Spielen im Freien kurbeln die Serotoninproduktion (Hormone für das Glücksgefühl) an und sind deshalb sehr hilfreich. Hypnosetherapie kann bei Angst und Unruhe erfolgreich sein – auch bei Kindern. Während der Hypnosetherapie sollen heilsame Formeln im Unterbewusstsein verankert werden, Bilderwelten oder symbolische Geschichten leiten zu bestimmten Gedanken hin. Keine Angst vor Kontrollverlust: Der Therapeut bespricht das Thema der Behandlung vorher mit dem Kind. Menschen, die sich überhaupt nicht mehr konzentrieren können, sprechen auf die Hypnosetherapie allerdings häufig nicht an. Vertrauen Sie sich einem Experten an: Meistens ist es besser, einen professionellen, kompetenten Menschen um Rat zu fragen, anstatt sich bei Schwierigkeiten zu verzweifeln.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Gunhild Kilian-Kornell

letzte Änderung: 01.08.2018