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Kinderlähmung (Poliomyelitis)

Übertragung

Drei verschiedene Typen (Typ 1, 2 und 3) des hoch ansteckenden Poliovirus sind Überträger der Poliomyelitis. Zwischen den 3 Typen besteht keine Kreuzimmunität. Das Poliovirus ist klein, seine Erbsubstanz besteht aus Ribonukleinsäure (RNA-Virus). Es gehört zur Gruppe der Enteroviren, d.h., die Viren leben und vermehren sich im Magen-Darm-Trakt des Menschen, deren einziger natürlicher Wirt er ist.

Verschmutztes Wasser kann Polioviren enthalten.
Über verunreinigte Getränke können Polioviren aufgenommen werden (fäkal-orale Infektion).

Die Polio-Viren werden gelegentlich bereits in der Frühphase der Infektion - etwa nach 36 Stunden - über den Speichel, z.B. beim Husten oder Niesen (Tröpfcheninfektion), übertragen. Etwa 72 Stunden nach der Infektion wird das Virus dann massiv über den Stuhl ausgeschieden und über verschmutztes Wasser, verunreinigte Nahrung oder Getränke von anderen Menschen aufgenommen (fäkal-orale Infektion). Insgesamt begünstigen schlechte hygienische Zustände die Ausbreitung der Poliomyelitis.

Aus dem Darm gelangen die Viren in das Blut des Infizierten und von dort in das zentrale Nervensystem sowie das Stamm- und Mittelhirn. Die motorischen Vorderhornzellen des Rückenmarks, die zur grauen Substanz gehören und die Bewegungen der Gliedmaßen kontrollieren, werden bevorzugt befallen. Es kommt zu Entzündungsreaktionen, die Lähmungen und Schwund bestimmter Muskeln zur Folge haben können. Nervenfasern werden geschädigt oder zerstört.

Die Zeit von der Ansteckung bis zu einem Ausbruch der Krankheit beträgt 3 bis 35 Tage, durchschnittlich ein bis zwei Wochen. Eine Ansteckungsfähigkeit besteht, solange das Virus ausgeschieden wird. Das sind in der Regel eine bis zu sechs Wochen, bei Patienten mit defektem Immunsystem in Einzelfällen sogar Monate bis Jahre.

Schwangere, deren Immunsystem Polio-Antikörper (spezielle Eiweiße des Immunsystems) gebildet hat, übertragen diese während der Schwangerschaft auf ihre Kinder, so dass die Säuglinge in den ersten Lebensmonaten gegen Kinderlähmung geschützt sind.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Ulrich Fegeler

letzte Änderung: 11.02.2022