Kinder- & Jugendärzte im Netz

Ihre Haus- & Fachärzte von der Geburt bis zum vollendeten 18. Lebensjahr

Herausgeber:

Blutfettwerte, erhöhte (Hypercholesterinämie)

Therapie

Sind die Blutfettwerte Ihres Kindes zu hoch, sollte die Ernährung umgestellt werden. Außerdem sollten die betroffenen Kinder und Jugendliche mehr Sport treiben, da Bewegung die Bildung von HDL anregt. Auf diese Weise kann sich eine Hypercholesterinämie in der Regel normalisieren, sofern kein genetischer Defekt vorliegt. Bei einem genetischen Defekt ist ggf. eine medikamentöse Behandlung notwendig.

Die Ernährungsumstellung zielt vor allem darauf ab, die Fettzusammensetzung der Nahrung zu verändern. Nur bei Übergewicht, Adipositas oder Hypertriglyceridämie ist zusätzlich eine Reduzierung der Kalorien notwendig.
Tierische Nahrungsmittel mit hohem Fettanteil sollten reduziert werden. Beim Kochen können Sahne, Crème fraîche, Kokosfett, Butter und Schmalz ersetzt werden durch pflanzliche Öle und Sojaprodukte. Doch auch die pflanzlichen Öle sollten beim Braten, Kochen und Backen nur sparsam verwendet werden. Beschichtete Pfannen und Töpfe verhindern, dass das Essen dabei nicht anbrennt. Auch in Alu- und Bratfolien, Römer- und Schnellkochtopf kann fettarm gekocht werden. Die Fritteuse sollte dagegen nur noch bei besonderen Anlässen zum Einsatz kommen.

Diese Nahrungsmittel dürfen gegessen werden

  • pflanzliche Fette und Öle
  • Sojaprodukte
  • Obst und Gemüse
  • Getreideprodukte (möglichst ohne Ei)
  • mageres Fleisch, magere Wurst, mageren Fisch
  • fettarmer Käse (< 30% Fett in der Trockenmasse)
  • fettarme Milch und Eis aus Magermilch
  • Marmeladen

Auf diese Nahrungsmittel sollte verzichtet werden

  • Sahne, Crème fraîche, Kokosfett, Butter und Schmalz
  • Mayonnaise und Zubereitungen mit Mayonnaise
  • fettes Fleisch, fette Wurst, fetter Fisch (Aal), Meeresfrüchte
  • Käse mit mehr als 30% Fett in der Trockenmasse
  • Brotaufstriche mit einem hohen Fettanteil
  • Knabbergebäck mit hohem Fettanteil

Eier sollten nur noch selten gegessen werden. Da sie wichtige Nährstoffe enthalten, ist ein kompletter Verzicht auf Eier bei Kindern und Jugendlichen nicht sinnvoll.

Für viele Kinder und Jugendliche ist es nicht leicht, auf Süßigkeiten zu verzichten. Um zu vermeiden, dass das Taschengeld in Folge der Ernährungsumstellung künftig in Schokolade und andere Süßwaren investiert wird, sollte über eine wöchentliche Ration nachgedacht werden. Diese kann dann überwiegend aus fettfreien Süßigkeiten wie Gummibärchen und Lakritz bestehen. 

Kinder mit zu hohen Triglyceridwerten allerdings auf Süßes weitgehend verzichten, da gerade der Zucker zum Aufbau der Triglyceride beiträgt. Vollkornprodukte, Obst und Gemüse können ihr Bedürfnis nach Süßspeisen eventuell etwas mindern. Darüber hinaus müssen auch sie darauf achten, dass sie weniger tierisches Fett zu sich nehmen. 

Bei sehr hohen Cholesterinwerten und einer familiären Hypercholesterinämie kann eine medikamentöse Behandlung in Erwägung gezogen werden, wenn Ernährungsumstellung und Sport nicht zu einer ausreichenden Senkung der Cholesterinwerte beitragen. Für Kinder geeignet sind je nach Alter sogenannte Statine, Ezetimib, Austauscherharze und Fibrate.

Als Statine bezeichnet man eine Gruppe von Arzneistoffen, die ein Enzym hemmen, das an der Bildung von Cholesterin beteiligt ist. Das hat zur Folge, dass der Körper weniger Cholesterin aufbaut. Sie bewirken zu dem, dass die Zellen mehr LDL aufnehmen, so dass das "böse Cholesterin" dem Blut entzogen wird. Ezetimib dagegen hemmt die Aufnahme von Cholesterin aus dem Dünndarm. Statine und Ezetimib können auch gemeinsam verabreicht werden, wenn eine Behandlung mit nur einem Arzneistoff nicht den gewünschten Erfolg bringt. Austauscherharze sorgen dafür, dass Cholesterin in Form von Gallensäure vermehrt ausgeschieden wird. Fibrate aktivieren schließlich Enzyme, die Lipoproteine abbauen. Sie werden insbesondere bei Hypertriglyceridämie bzw. bei einer Kombination von Hypertriglyceridämie mit erhöhten Cholesterinwerten verordnet.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Prof. Hans-Jürgen Nentwich

letzte Änderung: 03.12.2014