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ADHS / Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung

Diagnose

Lassen Sie anhaltende Verhaltensauffälligkeiten Ihres Kindes unbedingt von einem Kinder- und Jugendarzt abklären, denn das frühzeitige Erkennen einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist ganz entscheidend. Nur dann kann der Betroffene adäquat behandelt werden und sich positiv entwickeln. Auch lernt die ganze Familie rechtzeitig, mit der Störung richtig umzugehen. Die Diagnose „ADHS“ entlastet oft die Familie, nimmt das schlechte Gewissen. Aber sie ist auch eine große Aufgabe, die jedoch gemeinsam bewältigt werden kann.

Bei Verdacht auf eine ADHS bedarf es einer gründlichen Abklärung durch einen erfahrenen Kinder- und Jugendarzt, der sich auf Diagnostik und Behandlung von ADHS spezialisiert hat. Dieser kann mit verschiedenen Verfahren und Fragebögen ADHS sicher diagnostizieren und erforderliche Therapiemethoden einleiten. Es bedarf einer großen Erfahrung, um die Störungsmerkmale von altersgemäßen, typischen Verhaltens¬weisen und anderen Krankheiten zu differenzieren. Eine ADHS kann erst sicher nach dem dritten Lebensjahr diagnostiziert werden. Oft braucht es auch die Zusammenarbeit mit anderen Spezialisten und Fachgruppen (Neuropädiater, Sozialpädiater, Sozialpädiatrische Zentren, Kinder- und Jugendpsychiater, Neurologen, Psychologen und Pädagogen u.a.), um ein umfassendes Bild zu erhalten und die entsprechenden Diagnosen stellen zu können.

Wichtige Bausteine im Rahmen der Diagnosestellung sind:

  • Umfassende Befragung der Eltern/der Betroffenen (Lebenssituation, Krankheitsgeschichte [Anamnese], familiäre Vorbelastung)
  • körperliche Untersuchung und neurologische Untersuchungen der Fein- und Grobmotorik, der Bewegungskoordination sowie der Sinnesorgane (u.a. Testung der Sehstärke, des Hörvermögens)
  • Bei Bedarf: Testpsychologische Untersuchungen (Begabungsuntersuchungen, Intelligenz- und Aufmerksamkeitstests, Überprüfung schulischer Fähigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen), Untersuchung der emotionalen und sozialen Entwicklung
  • Verhaltensbeobachtungen und -bewertung (Verhaltensbeschreibungen aus Alltagssituationen von unterschiedlichen Personen wie Eltern, Verwandten, Lehrern, Erziehern, Kinder- und Jugendarzt, Freunden etc., evtl. Videoaufzeichnungen von Alltagssituationen, Feststellen von Stärken/Kompetenzen und Schwächen/Defiziten
  • Bei Bedarf weitere Untersuchungen: evtl. Messung der Hirnströme (EEG) und der Herztätigkeit (EKG) sowie Blutuntersuchungen (u.a. großes Blutbild, mehrere Schilddrüsenparameter, insbesondere bei geplanter Medikamentengabe)

Im Rahmen der differentialdiagnostischen Untersuchung ist es wichtig, begleitende Probleme wie Störungen im Sozialverhalten, Lernschwierigkeiten, depressive Verstimmungen, Angst o.Ä. zu erkennen, um sie gegebenenfalls gesondert behandeln zu können. Alle diese Erkrankungen können nicht nur mögliche Begleiterscheinungen der ADHS sein, sondern auch das verursachende Krankheitsbild, das die Verhaltensauffälligkeiten hervorruft. Diese Erkrankungen müssen deshalb unbedingt vor der Diagnosestellung einer ADHS abgeklärt werden, denn unter Umständen können Intelligenzminderung (oder in selten Fällen auch Hochbegabung), Schädel-Hirn-Traumen, Epilepsie, Schilddrüsenstörungen und andere psychische Erkrankungen (z.B. kindliche depressive Verstimmungen, Ängste, Zwangserkrankungen, tiefgreifende Entwicklungsstörungen [wie z.B. Asperger Autismus], Psychosen bei Jugendlichen [Schizophrenie], posttraumatische Belastungsstörungen) zu ähnlichen Auffälligkeiten wie bei einer ADHS führen. Auch bestimmte Medikamente (z.B. Psychopharmaka wie Phenobarbital gegen epileptische Anfälle) können ADHS-ähnliche Symptome auslösen.

Autor: äin-red; fachliche Unterstützung: Dr. Klaus Skrodzki

Fachliche Unterstützung: Dr. Klaus Skrodzki

letzte Änderung: 01.08.2018