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Vitamin-D-Mangel

Meist ist nur von März bis Oktober in unseren Breiten eine Vitamin-D-Bildung möglich.
Die Haut benötigt UV-Licht, um Vitamin D bilden zu können.

Der menschliche Körper benötigt Vitamin D, um ein gesundes Knochengerüst zu entwickeln und zu erhalten. Darüber hinaus weiß man heute, dass das Vitamin D vielfältige Funktionen im gesamten Organismus hat. Hierzu gehören beispielsweise die Stärkung des Immunsystems vor Infektions- und Autoimmunerkrankungen sowie ein positiver Einfluss auf das Herz-Kreislaufsystem.  

Während man bislang nur darauf achtete, dass Kinder im ersten Lebensjahr zusätzlich Vitamin D zur Rachitisprophylaxe erhalten, haben neuere Untersuchungen ergeben, dass über die Hälfte der Kinder zwischen dem ersten und 17. Lebensjahr unter einem Vitamin-D-Mangel leiden. Viele Kinder halten sich nicht mehr genügend im Freien auf oder werden intensiv mit Sonnenschutzmitteln versorgt, so dass die Haut kaum mehr dem notwendigen Maß an UV-Licht ausgesetzt ist, um ausreichend Vitamin D zu bilden. In den sonnenarmen Monate November bis Februar ist in unseren Breiten ohnehin keine Vitamin-D-Bildung möglich. 

Dunkelhäutige Kinder, beispielsweise afrikanischer oder arabischer Herkunft, die in unseren Breitengraden leben, haben zusätzlich das Problem, dass ihre Hautpigmentierung weniger Strahlen durchlässt, was die körpereigene Vitamin-D-Produktion weiter verringert.

Kinder und Jugendliche, die über keine ausreichende Eigenproduktion an Vitamin D durch die Sonneneinstrahlung verfügen, benötigen je nach Körpergewicht etwa 1.000 bis 2.000 IE zusätzlich, die über die Nahrung bzw. Vitamin-D-Präparate aufzunehmen sind. Welche positiven Effekte das haben kann, zeigt eine zwischen Dezember 2008 und März 2009 durchgeführte Studie unter Schulkindern in Japan. Etwa 19% der untersuchten Kinder ohne Vitamin-D-Unterstützung bekamen eine Grippeerkrankung (Influenza A) während nur 11% der Kinder, die ein Vitamin-D-Präparat eingenommen hatten, an einer Grippe litten. Zusätzlich reduzierte die Vitamin-D-Gabe bei Kindern mit Asthma die Häufigkeit der Anfälle um 80%.

Achten Sie also bei Ihrem Kind darauf, dass es sich in den Sommermonaten täglich mindestens 10 bis 15 Minuten – außerhalb der Mittagszeit - mit teilweise unbedeckter Haut und ohne Sonnencreme im Freien aufhält und Vitamin-D-haltige Kost wie Fisch und Milch zu sich nimmt. 

Im Zweifelsfall kann der Kinder- und Jugendarzt den Vitamin-D-Spiegel im Blut bestimmen. Auf der Basis des Messwertes und des jeweiligen Lebensstils lassen sich dann individuelle Maßnahmen planen.

Nach derzeitigen Wissensstand ist vermutlich eine Überarbeitung der derzeitigen Zufuhrempfehlungen notwendig. Laut dem Robert Koch Institut Berlin werden die wünschenswerten Blutwerte an Vitamin D bei vielen Kindern und Jugendlichen, nicht erreicht. Wahrscheinlich ist sowohl die Zufuhr über die Ernährung unzureichend als auch die Synthese in der Haut, die durch UVB-Licht angeregt wird. Kinder und Jugendliche bewegen sich heute nicht regelmäßig im Freien, um ausreichend Kontakt mit der Sonne zu haben.

Autor: äin-red

Prof. Dr. Jörg Spitz