Das Team untersuchte, ob Rotavirus- (RV) und Pneumokokken-Impfstoffe (PCV13) die Darmbesiedlung mit einer Bakteriengruppe, zu der Escherichia coli gehört, reduzieren. Diese Bakterien sind resistent gegen wichtige Antibiotika, die zur Behandlung schwerer Infektionen eingesetzt werden. Eine Darmbesiedlung liegt vor, wenn die Bakterien im Körper, häufig im Darm, vorhanden sind, ohne zunächst eine Erkrankung auszulösen. Sie können jedoch persistieren und später Infektionen verursachen oder auf andere übertragen werden.
Während die Ergebnisse der Rotavirus-Impfung nicht eindeutig waren, wiesen Kinder unter 5 Jahren, die den Pneumokokken-Impfstoff erhalten hatten, deutlich niedrigere Besiedlungsraten mit diesen Bakterien auf. Diese antibiotikaresistenten Bakterien – bekannt als Extended-Spectrum Cephalosporin-resistente Enterobacterales (ESCrE) – traten bei geimpften Kindern seltener auf, vor allem weil diese weniger Arztbesuche in Anspruch nahmen. Dieser Faktor wurde zuvor mit höheren Raten antimikrobiell resistenter Bakterien in Verbindung gebracht. Die Ergebnisse des Teams wurden in der Fachzeitschrift „Vaccine“ veröffentlicht.
„Die meisten Impfstoffstudien zur Antibiotikaresistenz konzentrieren sich auf Infektionen und darauf, wie Impfstoffe Krankheiten verhindern und den Antibiotikaeinsatz reduzieren […]“, erklärte Dr. Brooke Ramay, Hauptautorin der Studie und Forscherin an der Paul G. Allen School for Global Health des College of Veterinary Medicine der WSU. „Wir haben einen anderen Ansatz gewählt, indem wir die Darmbesiedlung mit Bakterien untersuchten, und festgestellt, dass Impfungen die Antibiotikaresistenz durch einen völlig anderen Mechanismus reduzieren: Impfungen verhindern Arztbesuche und führen zu einer geringeren Wahrscheinlichkeit der Besiedlung mit antibiotikaresistenten Bakterien. Wir vermuten, dass dies daran liegt, dass die Geimpften weniger Umgebungen ausgesetzt waren, in denen diese resistenten Bakterien vorkommen.“
Antibiotikaresistenzen sind ein wachsendes Problem weltweit, das jährlich zu Millionen von Todesfällen verursacht. Infektionen mit resistenten Bakterien sind schwerer zu behandeln, erfordern oft längere Krankenhausaufenthalte und erhöhen das Risiko von Komplikationen sowie Tod. Frühere Studien in Guatemala zeigten, dass Kinder, die wegen einer Krankheit in ein Krankenhaus mussten, mehr als doppelt so häufig antibiotikaresistente Bakterien in sich trugen. Der Antibiotikaeinsatz selbst stand hingegen nicht in starkem Zusammenhang mit der Besiedlung.
Die neue Studie wurde im westlichen Hochland Guatemalas durchgeführt. Dort analysierten die Wissenschaftler*innen Stuhlproben, Impfnachweise und Gesundheitsdaten von 406 Kindern.
Die Wirkung der Rotavirus-Impfung – die vor Rotavirusinfektionen, einer der Hauptursachen schwerer Durchfallerkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern, schützt – konnte nicht abschließend geklärt werden, da selten über Durchfallerkrankungen berichtet wurde, vermutlich weil sich die Befragten nicht mehr gut daran erinnern konnten. Laut Ramay könnte die Rotavirus-Impfung ähnliche indirekte Schutzwirkungen erzielen, indem sie Durchfall und Magen-Darm-Erkrankungen verhindert. Es sei jedoch wichtig, klinische Daten zu Durchfallerkrankungen zu erheben, bevor endgültige Schlussfolgerungen gezogen werden können.
Durchfallerkrankungen begünstigen resistente Bakterien, Joghurt beugt vor
Die Expert*innen identifizierten zudem mehrere weitere Faktoren, die die Besiedlung beeinflussten. Kinder, die im Vormonat Durchfall hatten, wiesen beispielsweise ein signifikant höheres Risiko auf, ESCrE zu tragen. Forscher vermuten, dass dies auf Entzündungen im Darm zurückzuführen ist, die ein ideales Umfeld für das Wachstum resistenter Bakterien wie E. coli schaffen.
Joghurtkonsum hingegen schien einen schützenden Effekt zu haben. Dies deutet darauf hin, dass die nützlichen Bakterien aus probiotischen Lebensmitteln dazu beitragen können, ein gesundes Darmmilieu zu erhalten und die Besiedlung mit resistenten Bakterien zu reduzieren.
Auch Umwelteinflüsse scheinen eine Rolle zu spielen. Kinder aus Haushalten mit landwirtschaftlich genutzten Flächen wiesen ein höheres Risiko der Besiedlung auf, vermutlich aufgrund des Kontakts mit durch tierische oder menschliche Fäkalien verunreinigtem Boden und kontaminiertes Wasser. Ramay erklärte, ihr Team plane weitere Studien, um besser zu verstehen, wie landwirtschaftliche Flächennutzung und Umwelteinflüsse die Besiedlung mit resistenten Bakterien beeinflussen.
Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit der Universidad del Valle de Guatemala durchgeführt und von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) sowie dem Wellcome Trust, einer gemeinnützigen Stiftung mit Sitz in London, die sich auf Gesundheitsforschung konzentriert, gefördert.
Quellen: EurekAlert! Vaccine