Kinder- & Jugendärzte im Netz

Ihre Haus- & Fachärzte von der Geburt bis zum vollendeten 18. Lebensjahr

Herausgeber:

Gesundheitsförderung

Kinder stärken und nicht nur Krankheit vermeiden

„Bleib gesund!“ ist in den letzten Wochen zum Standard-Abschiedsgruß in Mails, Telefonaten und Gesprächen geworden. Oft scheint damit nur gemeint zu sein: „Erkranke nicht am Corona-Virus!“ Empfehlungen und Vorgaben dazu lesen sich dann so: Fass Dir nicht ins Gesicht! Komm anderen Menschen nicht zu nahe! Gib zur Begrüßung nicht die Hand! Geh nicht in die Schule oder zur Arbeit! Wir alle hoffen, dass die Einschränkungen wirksam sein werden, um die Ausbreitung des Virus in Deutschland zu verlangsamen.

Gesundheit: Körperliches, geistiges und soziales Wohlergehen

Die Ratschläge, die zur Verminderung von Krankheitsrisiken gemeint und derzeit auch notwendig sind, können dennoch die Gesundheit bedrohen. Gerade für Kinder ist das Corona-Virus selbst gar nicht so bedrohlich, aber sie leiden unter der Isolation, den Ängsten der Erwachsenen, den Verboten. Gesundheit ist nach Definition der Weltgesundheitsorganisation ein „Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens“. Vermeidung von Infektionen ist also nur ein Anfang, Gesundheitsförderung kann viel mehr als das sein.

Selbstwirksamkeit und Grundsicherheit

Leider dominiert in manchen Schlagzeilen eine dem Militär verwandte Wortwahl. Es geht viel um „Kampf“ und „Krieg“, z.B. neulich in der Schlagzeile „Bundeswehr bekämpft Corona“. Und in vielen genannten Anordnungen kommt das Wort „NICHT“ vor: Tu dies nicht! Tu das nicht! Das kann Ängste verstärken und die Selbstwirksamkeit von Kindern untergraben. Menschen, die psychologisch und sozial sicher und gesund sind, haben jedoch im Durchschnitt auch eine bessere Immunabwehr und sind besser vor Krankheiten geschützt.

Deshalb ist für den Familienalltag extrem wichtig, dass neben den vielen wichtigen und richtigen „Tu das NICHT!“-Empfehlungen auch genügend „Tu das!“-Empfehlungen für Eltern und Kinder stehen. Wir können viel dafür tun, dass Kinder inmitten der Sondersituation eine Art Grundsicherheit erleben, auch Kohärenzgefühl genannt: „Ich bin hier in einer vertrauten Umgebung und verstehe die Abläufe.“ „Ich kann etwas tun!“. „Ich denke, langfristig macht das Ganze vielleicht irgendwie doch Sinn“. Die drei Sätze stehen für Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit, also die drei wichtigen Bestandteile des Kohärenzgefühls. Wichtig ist also nicht nur Händewaschen, sondern auch ein geregelter Tagesablauf, Geborgenheit erleben, Rituale wie das Vorlesen oder das Lied vor dem Schlafengehen.

Eine Überraschung vor der Tür

Kohärenzgefühl inmitten der Corona-Krise fördern, kann ganz konkret so aussehen: Eine Mutter sammelt mit ihren Kindern beim Spaziergang große flache Steine. Die Steine werden gewaschen, angemalt und später an Familie, Bekannte und Freunde verteilt. Diese Idee kommt nicht von mir. Sie wurde mit mir „geteilt“, aber nicht am Bildschirm, sondern ganz real: Als ich gestern die Haustür öffnete, lag davor ein Stein. Darauf war ein Bild von einem etwas windschiefen Engel und darunter ein Schriftzug: „Bleib gesund!“.

Autor: Dr. Uwe Büsching, Kinder- und Jugendarzt, Stiftung Kind und Jugend