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Kleinwuchs / Wachstumsstörungen

Diagnose

Für die Diagnose "Kleinwuchs" ist vor allem der Wachstumsverlauf während eines längeren Zeitraumes entscheidend. Bei den Vorsorgeuntersuchungen werden die Daten für die Körpergröße, das Körpergewicht und den Kopfumfang bestimmt. Bezüglich der Körperlänge werden Kinder unter zwei Jahren im Liegen (Messschale) und Kinder über zwei Jahren im Stehen gemessen. Liegen die Größenwerte konstant unterhalb der 3%ile, besteht ein Kleinwuchs.
Zur weiteren Diagnostik kann zunächst die sogenannte „Zielgröße“ des Kindes abgeschätzt werden. Sie errechnet sich nach Tanner aus der mittleren Elterngröße (Summe der väterlichen und der mütterlichen Größe dividiert durch 2), wobei bei Jungen 6,5 cm addiert und bei Mädchen 6,5 cm subtrahiert wird. Beispiel: Vater 165 cm, Mutter 155 cm: mittlere Elterngröße 160 cm. Zielgröße eines Jungen 160 + 6,5 cm = 166,5 cm, eines Mädchens 160 – 6,5 cm = 153,5 cm. Diese Berechnung ist nur ein ungefährer Anhaltspunkt.

Eine weitere Methode der Endgrößenabschätzung ist die Bestimmung der prospektiven Endgröße nach Greulich und Pyle. Hierzu wird das Alter der Knochenreifung anhand eine Röntgenbildes der linken Handwurzel bestimmt (durch Vergleich mit Standardaufnahmen). Es besteht die Möglichkeit einer Vorreifung (akzelerierte Reifung), einer verzögerten Reifung (retardierte Reifung) oder einer altersentsprechenden Reifung. Für alle Reifungstypen bestehen statistische Abschätzungen des bis zu diesem Alter erreichten Grades der (wahrscheinlichen) Endlänge in Prozent. Liegt also z.B. der aus der Knochenreifung bestimmbare Grad der erreichten Endlänge bei 88% und ist das Kind 170 cm groß, lässt sich die prospektive Endlänge mit 190 cm errechnen. Auch diese Abschätzung ist nicht exakt, wenn auch genauer als die Tanner-Methode.

Daneben bestehen weitere Methoden der Endgrößenabschätzung, die kompliziertere statistische Rechenverfahren verwenden.

Zur weiteren Diagnostik kann das Verhältnis des Stammes zu den Extremitäten bestimmt und damit erkannt werden, ob es sich um einen proportionierten oder nicht-proportionierten Kleinwuchs handelt.

Daneben bestehen serologische Methoden, z.B. die Bestimmung des Wachstumshormons, des Schilddrüsenhormons, von Kortison, verschiedenen Sexualhormonen und des Vitamin-D-Spiegels.

Wichtige diagnostische Möglichkeiten bietet auch die Molekulargenetik.

Sonderfall Frühgeborene: Bis zum Alter von zwei Jahren sollten Frühgeborene ihren Rückstand im Allgemeinen wieder aufgeholt haben. Bis zu diesem Alter muss bei diesen Kindern bei der Kontrolle von Körperlänge und -gewicht die Anzahl der Wochen, die das Kind zu früh geboren wurde vom tatsächlichen Alter abgezogen werden.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Ulrich Fegeler

letzte Änderung: 14.09.2017