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Risiken beim sexuellen Kontakt

Das Wort „Verhütung“ bezieht sich beim Sex nicht nur auf eine ungewollte Schwangerschaft, sondern auch auf die Ansteckung mit HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (z.B. AIDS oder Hepatitis B). Deshalb sollten beide Partner auf die Verwendung von Kondomen bestehen, da es die einzige Möglichkeit ist, sich beim Geschlechtsverkehr vor diesen Infektionen zu schützen.

Wahl des richtigen Kondoms

Man sollte nur Markenkondome mit Prüfsiegel benutzen und auf das Verfallsdatum und geeignete Aufbewahrung (kühl, trocken, lichtgeschützt) achten. Die Qualität der im Ausland erhältlichen Präservative ist nicht immer so hoch wie in Deutschland. Deshalb empfiehlt es sich, Markenkondome vorsorglich in den Urlaub oder auf Reisen mitzunehmen. Die richtige Anwendung der „Gummis“ erfordert ein wenig Übung. Deshalb sollten Jugendliche sich rechtzeitig damit auseinandersetzen.

Nicht alle „sexually transmitted diseases" (STDs) bzw. Geschlechtskrankheiten können therapiert werden.

Welche Geschlechtskrankheiten gibt es?

Krankheiten, die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, bezeichnen Mediziner als „sexually transmitted diseases" (STDs) oder Geschlechtskrankheiten. Sie sind oftmals sehr ansteckend und führen zu Infektionen, die ernst zu nehmende Folgen haben können - bei AIDS können sie bis zum Tod führen. Die meisten Erreger können bei genitalem, oralem und analem Verkehr übertragen werden, bei manchen genügen auch andere körperliche Kontakte wie Küssen oder das bloße Berühren infizierter Geschlechtsteile. Die Gefährdung besteht unabhängig von Sexualpraktiken wie homosexuellem Verkehr für alle Paare. Besonders betroffen sind Menschen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern.

Syphilis, AIDS und Hepatitis B gelten als die gefährlichsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Eine unbehandelte Syphilis kann eine Demenz, Psychose, Schlaganfall oder eine fortschreitende Lähmung zur Folge haben. Bei der Aidserkrankung treten nach einer mehrjährigen Inkubationszeit Krankheiten auf, mit denen das geschwächte Immunsystem nicht mehr fertig wird. Trotz verbesserter Behandlungsmethoden führt Aids auch heute noch zum Tode. Hepatitis B ist eine Viruserkrankung der Leber, die von Entzündungen bis hin zu einer Leberzirrhose führen kann. In der Mehrzahl der Fälle kann die Erkrankung geheilt werden, etwa 10% der Betroffenen erkranken jedoch chronisch und können Lebertumore oder ein Organversagen entwickeln. An Hepatitis B sterben jährlich mehr Menschen als an allen anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen zusammen.
Die Ursache von Geschlechtskrankheiten sind Bakterien, Viren oder Pilze, die vor allem durch den Schleimhautkontakt im Genitalbereich übertragen werden. Die Symptome der Geschlechtskrankheiten hängen vom jeweiligen Erreger ab. Es kommt vor allem zu Erkrankungen des Genitalbereichs, besonders häufig auch zu Symptomen der Haut und Schleimhaut. Vor allem bei unbehandelten Patienten können sich Komplikationen und Spätfolgen entwickeln. Bakteriell verursachte Geschlechtskrankheiten lassen sich durch Antibiotika behandeln.

Meldepflichtige Erkrankungen

Aufgrund ihrer Gefährlichkeit sind Syphilis, AIDS und Hepatitis B in Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetz (IFSG) meldepflichtig, um ihre Weiterverbreitung einzuschränken. Die Meldung muss dabei folgendermaßen erfolgen:

  • Syphilis (anonym)
  • AIDS (anonym)
  • Hepatitis B (namentliche Meldung bei akuter Infektion)

Zu den nicht meldepflichtigen Geschlechtskrankheiten zählen:

  • Chlamydieninfektion
  • Dellwarzen (Molluscum contagiosum)
  • HPV-Infektionen (Humane Papillomviren), welche Feigwarzen (Condylomata acuminata) und Gebärmutterhalskrebs verursachen können
  • Filzlausbefall (Phthiriasis)
  • Gonorrhoe (Tripper)
  • Hefepilzinfektion des Genitale (Candidose/Soor)
  • Herpes genitalis
  • Skabies (Krätze)
  • Trichomoniasis vaginalis
  • Weicher Schanker (Ulcus molle)

 

Human Immunodeficiency Virus
HI-Virus (Human Immunodeficiency Virus)

AIDS

Das HIV in der Samen- und in der Scheidenflüssigkeit braucht keine offenen Wunden, um in den Körper einzudringen; auch Schleimhäute können als Eingangspforte dienen. Geschlechtskrankheiten oder Verletzungen erhöhen die Gefahr der Ansteckung.

Beim ungeschützten Vaginalverkehr haben Frauen ein höheres Infektionsrisiko als Männer, da die ganze Vagina aus Schleimhaut besteht und sie mit viel mehr Körperflüssigkeit in Berührung kommen als Männer. Außerdem ist die Viruskonzentration der Samenflüssigkeit höher als die des Scheidensekrets. Doch natürlich können sich auch Männer beim ungeschützten Vaginalverkehr anstecken. Die Schleimhaut befindet sich bei ihnen als kleiner Kranz an Ende der Harnröhre, also an der Eichelspitze.

Ungeschützter Analverkehr (Eindringen des Mannes in den After des/der Partner(in)) gilt als besonders gefährlich, da an der empfindlichen Darmschleimhaut sehr leicht Verletzungen entstehen, welche eine Ansteckung zusätzlich begünstigen.

Oralverkehr (der Mann / die Frau befriedigt den/die Partner(in) mit dem Mund) wird als weniger gefährlich eingestuft. Dennoch besteht auch hier ein Infektionsrisiko, vor allem durch aufgenommenes Viren enthaltendes Sperma und/oder bei kleinen Hautverletzungen im Mundbereich.

HIV-Test

Bei vielen Paaren besteht der Wunsch, auch ohne Kondom miteinander zu schlafen. Gab es jedoch in der Vergangenheit Situationen, in denen eine Ansteckung mit HIV stattgefunden haben könnte, sollten beide Partner zuvor einen kostenlosen HIV-Antikörper-Test beim Gesundheitsamt machen. Zu beachten ist, dass der Test erst 3 Monate nach der möglichen Ansteckung aussagekräftig ist.

Hepatitis B

Als Hauptübertragungsweg für die Infektion mit Hepatitis B gilt der Sexualverkehr. Das Hepatitis-B-Virus (HBV) wird durch kleinste Spuren von Blut, Speichel oder anderen Körperflüssigkeiten übertragen und kann durch winzige Verletzungen der Haut oder der Schleimhäute eindringen.

Hepatitis B, eine virusbedingte Leberentzündung, ist weltweit verbreitet – hohe Durchseuchungsraten existieren vor allem in Zentral- und Südafrika, in Südostasien und Südamerika. Die Leberentzündung kann chronisch werden, es kann sich in der Folge eine Schrumpfleber (Leberzirrhose) und in seltenen Fällen auch Leberkrebs entwickeln. Weltweit leiden etwa 300 bis 420 Millionen Menschen an einer chronischen Hepatitis-B-Infektion. Jährlich sterben etwa eine Millionen Menschen durch diese Krankheit.
In Deutschland sind etwa eine halbe Millionen Menschen chronisch erkrankt. Die letzten Jahre gab es etwa 800 Neuerkrankungen pro Jahr.

Humanen Papillomviren (HPV) werden in der Regel beim Sexualkontakt über die infizierte Hautoberfläche übertragen.
Humanes Papillomvirus (HPV)

HPV

Die Krankheit verursachenden Humanen Papillomviren (HPV) werden in der Regel beim Sexualkontakt über die infizierte Hautoberfläche übertragen. Feuchtigkeit, Ekzeme oder Kratzwunden begünstigen die Ansteckung. Daher bieten Kondome nur einen Teilschutz vor Infektionen. HP-Viren (Hoch-Risiko-Typen) können chronische, symptomlose Infektionen hervorrufen, aus denen sich Jahre später aufgrund von Zellveränderungen eine Krebserkrankung – insbesondere am Gebärmutterhals – entwickeln kann. Allein in Deutschland erkranken jährlich mehr als 6.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs – rund 1.700 sterben pro Jahr daran. Junge Mädchen sollten sich deshalb vor Aufnahme der ersten sexuellen Aktivitäten gegen Humane Papillomviren (HPV) zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs impfen lassen.
HPV-Viren können neben Tumoren auch zu Zellauffälligkeiten – so genannte Krebsvorstufen - führen. Bei vielen Frauen – etwa 228.000 - werden jährlich Zellauffälligkeiten entdeckt, die für die Patientinnen äußerst belastende Diagnosen darstellen. Um diese Zellauffälligkeiten oder Krebsvorstufen zu behandeln, werden jährlich rund 140.000 operative Eingriffe am Gebärmutterhals (so genannte Konisationen) durchgeführt. Diese Operationen können in der Folge unter anderem das Risiko für Früh- und Fehlgeburten erhöhen.

Jugendgesundheitsuntersuchungen eignen sich als Impftermine

Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Humane Papillomviren zur Vermeidung von Gebärmutterhalskrebs für alle Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren. Im Abstand von mindestens 5 Monaten zwei Impfungen erforderlich. Ist der Impfabstand zwischen den zwei Impfungen geringer als ein halbes Jahr oder wird die Impfserie nach einem Alter von 14 Jahren begonnen , sollte eine dritte Impfung zur Komplettierung der Grundimmunisierung erfolgen. Spätestens bis zum 18. Lebensjahr sollten versäumte Impfungen gegen HPV nachgeholt werden.

Chlamydien-Infektion

Obwohl die Infektion mit Chlamydien die häufigste Geschlechtskrankheit in Deutschland ist und sie als Hauptverursacher infektionsbedingter Sterilität gilt, ist die Erkrankung weitgehend unbekannt. Vor allem Teenager und junge Frauen sind gefährdet, weil die Bakterien bevorzugt einen bestimmten Zelltyp befallen, der in jungen Jahren im weiblichen Genitaltrakt vermehrt vorkommt. Der Gebrauch von Kondomen beim Geschlechtsverkehr kann die Gefahr einer Ansteckung mit Chlamydien beträchtlich verringern.

In Deutschland sind schätzungsweise 1,1 Millionen Menschen mit Chlamydien infiziert. Eine besondere Gefährdung besteht bei häufig wechselnden Sexualpartnern und ungeschütztem Geschlechtsverkehr.

Eine unbehandelte Chlamydieninfektion kann zu irreversiblen Verwachsungen der Eileiter und zur Unfruchtbarkeit führen. Erkrankt eine Frau in der Schwangerschaft, kann es zu vorzeitigem Blasensprung oder einer Frühgeburt kommen. Der Erreger kann während der Geburt auf das Kind übertragen werden - jährlich erleiden rund 20.000 Babys eine chronische Infektion. Mögliche Folgen sind eine Bindehaut- oder Lungenentzündung des Neugeborenen.

Bei Mädchen und jungen Frauen beginnt die Infektion meist mit einer Entzündung des Gebärmutterhalses, die über lange Zeit keine Beschwerden verursacht. Bei über der Hälfte der Betroffenen entwickelt sich eine Gebärmutterschleimhaut-Entzündung, die sich durch leichte Zwischenblutungen und Unterbauchschmerzen bemerkbar machen kann. Bleibt die Infektion weiter unbehandelt, kann sie sich schließlich auf die Eileiter ausdehnen, wo es zu Vernarbungen, Verklebungen und schließlich zum Verschluss kommen kann. In der Folge einer chronischen Infektion wird jede fünfte erkrankte Frau steril und kann auf natürlichem Weg keine Kinder mehr bekommen.
Ist eine Chlamydien-Infektion früh genug erkannt, kann sie in der Regel (je nach Erkrankungsstadium) erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden. Auch der Partner muss auf Chlamydien untersucht und ggfs. behandelt werden.

Mädchen und jungen Frauen im Alter von 15 bis 25 Jahren haben jährlich Anspruch auf ein Chlamydien-Screening, das von den Gesetzlichen Krankenkassen erstattet wird (Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses im September 2007).

 

 

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. med. Nikolaus Weissenrieder