Europa könnte durch den Klimawandel zu Hotspot für das Chikungunya-Virus werden

Wissenschaftler*innen haben berechnet, dass sich das Chikungunya-Virus und seine Überträgermücken (insbesondere die widerstandsfähigere Asiatische Tigermücke) bis zum Jahr 2100 auch im Nordosten Nordamerikas, in Mitteleuropa und in Ostasien ausbreiten dürften. Dadurch würden diese derzeit nicht betroffenen gemäßigten Regionen zu neuen Hotspots für die Krankheit werden.

© gamelover - Fotolia.com

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Chikungunya (ein Begriff aus der Sprache Kimakonde, der „sich krümmen“ bedeutet und auf die charakteristischen Gelenkschmerzen anspielt) ist eine Tropenkrankheit. Die Krankheit wird durch ein Virus verursacht, das von Aedes-Mücken übertragen wird. Zu den Symptomen zählen hohes Fieber, Muskel- und Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit und Hautausschläge.

Vorwiegend Länder in den Tropen und Subtropen bieten derzeit geeignete Lebensbedingungen für Aedes-Mücken, die das Chikungunya-Virus übertragen.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (European Centre for Disease Prevention and Control -ECDC) schätzt, dass es im Jahr 2026 weltweit bislang etwa 33.000 symptomatische Chikungunya-Fälle gab, darunter neun Todesfälle – vorwiegend in Südamerika. Derzeit ist das Virus weder in Europa noch in Nordamerika endemisch; dort beschränken sich die Fälle meist auf Reisende, die aus tropischen oder subtropischen Regionen zurückkehren.

Doch im Jahr 2026 und mit Stand vom 7. Oktober 2026 haben zwei europäische Länder nun lokal erworbene Fälle1 einer Chikungunya-Virus-Infektion gemeldet: Frankreich (146 Fälle) und Italien (1 Fall).

Bis zum Jahr 2100 dürfte sich das noch deutlicher ändern, wie ein chinesisches Forschungsteam in einer neuen Studie in der Fachzeitschrift „Frontiers in Cellular and Infection Microbiology“ darlegt.

„Derzeit gelten 139 Länder oder Regionen – was 21,3% der weltweiten Landfläche entspricht – als Risikogebiete für das Chikungunya-Virus. Unsere Untersuchungen auf der Grundlage von Klimawandelmodellen zeigen jedoch, dass sich das Virus weiter nach Norden in gemäßigte Regionen ausbreiten wird, insbesondere in den Nordosten Nordamerikas, nach Mitteleuropa und nach Ostasien“, erklärte Dr. Ye Xu, Forscher an der Zhejiang Chinese Medical University in Hangzhou (China) und einer der korrespondierenden Autoren der Studie.

Eine Mückenplage durch Klimawandel und Mutation

Bis vor Kurzem wurde Chikungunya hauptsächlich von der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) übertragen – einer Art, die in menschlichen Siedlungen in den Tropen gedeiht. Als Wissenschaftler*innen jedoch die viel beachtete Epidemie der Jahre 2005–2006 untersuchten, die sich über Réunion, Mauritius, die Komoren und Teile Indiens erstreckte – und bei der rund 266.000 Menschen erkrankten sowie mindestens 254 Todesfälle zu beklagen waren –, entdeckten sie eine neue Mutation („E1-A226V“) in der DNA des Virus. Diese Mutation verbesserte die Anpassung des Virus an einen alternativen Überträger: die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus).

Xu und seine Kolleg*innen modellierten nun mit diesem aktuellen Wissen die notwendigen Überlebensbedingungen für das Chikungunya-Virus sowie der beiden Mückenarten, die als Überträger fungieren. Als Datengrundlage dienten Zehntausende geografisch verorteter Nachweise ihres weltweiten Vorkommens. Auf der Basis von 16 durch den Weltklimarat (IPCC) entwickelten Klimaszenarien prognostizierten sie, wie sich die derzeitigen Verbreitungsgebiete bis zum Jahr 2100 verändern könnten.

Diese Szenarien – mit Bezeichnungen wie „Green Shift“ (grüner Wandel), „Regional Rivalry“ (regionale Rivalität) und „Fossil-fueled Development“ (fossil geprägte Entwicklung) – skizzieren fünf alternative Pfade für die globale sozioökonomische Entwicklung. Zudem bezogen die Autoren 16 Variablen in ihre Klimamodelle ein, darunter Windgeschwindigkeit, Höhenlage, Niederschlag sowie Minimal- und Maximaltemperaturen.

Ziel der Wissenschaftler war es, aufkommende Hochrisikogebiete für Chikungunya zu identifizieren, um den Gesundheitsbehörden ausreichend Zeit für die Vorbereitung auf künftige Ausbrüche zu geben.

Vor allem Asiatische Tigermücke auf dem Vormarsch

„Unsere Ergebnisse zeigten, dass sich der Klimawandel vor allem dadurch auf Chikungunya auswirkt, dass er die Lebensräume der übertragenden Mücken verändert. In unserer Studie spielte die Asiatische Tigermücke eine besonders wichtige Rolle; sie erklärte mehr als 70% der prognostizierten Virusverbreitung“, fasste Dr. Yang Wu vom Guangzhou Customs Technology Center zusammen, der ebenfalls als korrespondierender Autor fungierte.

„Da diese Mücke kühlere Bedingungen besser verträgt als die Gelbfiebermücke, könnte sie sich durch die Erwärmung auch in Gebieten ansiedeln, die zuvor zu kalt waren. Sobald sich geeignete Mückenpopulationen etablieren, steigt die Wahrscheinlichkeit einer lokalen Chikungunya-Übertragung“, erklärte Dr. Wu.

Zeit für Vorbereitungen in zukünftigen „Hotspots“

Das genaue Ausmaß der Ausbreitung der Krankheit hing zwar vom jeweiligen Klimaszenario ab, doch Nord- und Mitteleuropa, der Nordosten Nordamerikas sowie Ostasien erwiesen sich durchweg als künftige Hotspots. Die Autor*innen raten daher dazu, dass diese Regionen bis 2040 Überwachungssysteme für Mücken sowie geeignete Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit etablieren.

„Die Bevölkerung muss nicht in Panik geraten, aber die Gesundheitssysteme sollten sich frühzeitig vorbereiten“, warnte Dr. Xu.

„Verantwortliche im Gesundheitswesen können beispielsweise schon jetzt handeln, indem sie Aedes-Mücken überwachen, Ärzt*innen darin schulen, Chikungunya rasch zu erkennen, die Mückenbekämpfung verstärken und Pläne für eine schnelle Reaktion aufstellen, noch bevor es zu Ausbrüchen kommt. […]“

Eine Begrenzung der weiteren globalen Erwärmung sowie Investitionen in grundlegende Vorsorgemaßnahmen könnten die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Ausbreitung und großflächige Ausbrüche verringern, so die Hoffnung.

Quellen: frontiers science news, Frontiers in Cellular and Infection Microbiology, WHO, ECDC

Autor/Autoren: äin-red, bvkj Redaktion

Letzte Aktualisierung: 02.11.2026