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Wird COVID-19 im Lauf der Zeit zu einer verbreiteten Kinderkrankheit?

COVID-19 könnte sich neuen Modellrechnungen zufolge von älteren Erwachsenen auf jüngere Kinder verlagern, wenn das SARS-CoV-2-Virus endemisch wird und weiter verbreitet bleibt.

In den nächsten Jahren, wenn das SARS-CoV-2-Virus in der Weltbevölkerung endemisch wird, kann sich COVID-19 wie andere gewöhnliche Erkältungs-Coronaviren verhalten und vor allem kleine Kinder betreffen, die noch nicht geimpft oder noch nicht dem Virus ausgesetzt waren. Da der Schweregrad von COVID-19 bei Kindern im Allgemeinen geringer ist, wird erwartet, dass die Gesamtbelastung durch diese Krankheit zurückgeht.

Mit abnehmendem Alter abnehmende Krankheitslast

„Bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 gab es mit zunehmendem Alter eine klare Tendenz zu immer schwerwiegenderen Folgen und Todesfällen“, erklärte Professor Ottar Björnstad, ein Autor der Studie, die in der Zeitschrift „Science Advances“. „Unsere Modellrechnungen deuten darauf hin, dass sich das Infektionsrisiko wahrscheinlich auf jüngere Kinder verlagern wird, wenn die erwachsene Bevölkerung entweder durch Impfung oder Exposition gegenüber dem Virus immun wird.“

Ähnliche Beispiele in der Vergangenheit

Björnstad verwies darauf, dass solche Verschiebungen bereits bei anderen Coronaviren und Influenzaviren beobachtet wurden. „Historische Aufzeichnungen von Atemwegserkrankungen weisen darauf hin, dass sich die Erkrankungshäufigkeit bei den verschiedenen Altersgruppen während einer Epidemie [zeitlich und regional begrenzter Krankheitsausbruch] stark von der endemischen Verbreitung unterscheiden könnte“, verdeutlichte er. „Zum Beispiel legen laufende genomische Arbeiten nahe, dass die Pandemie von 1889-1890, die manchmal als asiatische oder russische Grippe bekannt ist – bei der eine Million Menschen starben, hauptsächlich Erwachsene über 70 Jahre – möglicherweise durch das Auftreten des HCoV-OC43-Virus verursacht wurde. Dieses ist im Laufe der Zeit zu einem endemischen milden, sich wiederholenden Erkältungsvirus geworden, das hauptsächlich Kinder im Alter von 7 bis 12 Monaten befällt.

Bei rasch schwindender Immunität wären wiederkehrende schwere Ausbrüche möglich

Bjornstad warnte jedoch davor, dass die Krankheitslast hoch bleiben könnte, wenn die Immunität gegen eine Reinfektion durch SARS-CoV-2 bei Erwachsenen nachlässt.

„Erfahrungen, die wir mit saisonalen Coronaviren gemacht haben, lassen vermuten, dass eine vorherige Exposition möglicherweise nur eine kurzfristige Immunität gegen eine erneute Infektion verleiht und wiederkehrende Ausbrüche möglich sind. „Die Forschung zu COVID-19 zeigt, dass eine Impfung einen stärkeren Schutz bietet als die Exposition gegenüber dem SARS-CoV-2-Virus, daher ermutigen wir alle, sich so schnell wie möglich impfen zu lassen.“

„Realistisches altersstrukturiertes“ Rechenmodell

Das amerikanisch-norwegische Team entwickelte ein sogenanntes „realistisches altersstrukturiertes (RAS) mathematisches Modell“, das Demografie, den Grad der sozialen Durchmischung und die Dauer der infektionsblockierenden und krankheitsreduzierenden Immunität integriert, um potenzielle Zukunftsszenarien zu untersuchen.

Inzidenz und Sterblichkeitslast für COVID-19

Konkret untersuchten die Forscher die Krankheitslast für 1, 10 bzw. 20 Jahre. Sie analysierten auch, wie 11 verschiedene Länder – darunter China, Japan, Südkorea, Europa, Spanien, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, USA, Brasilien und Südafrika – die sich in ihrer Demografie stark unterscheiden, in diesen Rechenmodellen abschnitten.

„Unabhängig von Immunität und Vermischung kann die Sterblichkeitsrate aufgrund unterschiedlicher Altersstrukturen von Land zu Land variieren“, so Ruiyun Li, Postdoktorand an der Universität Oslo. „Unser allgemeiner Modellrahmen ermöglicht robuste Vorhersagen des altersabhängigen Risikos angesichts einer kurz- oder langfristigen schützenden Immunität, einer Verringerung der Schwere der Krankheit bei einer früheren Exposition und unter Berücksichtigung der Demografie verschiedener Länder […]."

Laut Li ist gut dokumentiert, dass die soziale Distanzierung die Übertragbarkeit beeinflusst. Daher geht das Modell des Teams davon aus, dass die Reproduktionszahl (R0) – oder der Grad der Übertragbarkeit – an einem bestimmten Tag mit der Mobilität an diesem Tag verknüpft ist. Das Modell umfasst auch eine Vielzahl von Szenarien für die Immunität, darunter u.a. auch die Abhängigkeit der Schwere der Erkrankung von einer vorherigen Exposition sowie eine kurz- (entweder drei Monate oder ein Jahr) und eine langfristige (entweder 10 Jahre oder permanente) Immunität.

Modell trifft vermutlich nur zu, wenn eine erneute Infektion milder verläuft

Professorin Jessica Metcalf von der Princeton University stellte fest, dass diese Vorhersage wahrscheinlich nur dann zutrifft, wenn Reinfektionen nur leichte Krankheiten hervorrufen. Die Sterblichkeit könnte demnach im Laufe der Zeit unverändert bleiben, wenn Primärinfektionen nicht Reinfektionen verhindern oder schwere Erkrankungen bei älteren Menschen mildern.

„In diesem düstersten Szenario werden die übermäßigen Todesfälle aufgrund anhaltender schwerer Reinfektionen, die aus einer nachlassenden Immunität resultieren, andauern, bis wirksamere pharmazeutische Instrumente verfügbar sind“, betonte sie.

Unterschiedliche Ergebnisse für verschiedene Länder zeigt Abhängigkeit von Bevölkerungsstruktur

„Angesichts des deutlichen Anstiegs der Infektions-Sterblichkeitsrate mit dem Alter ist in Ländern mit älteren Bevölkerungsstrukturen zu erwarten, dass sie einen größeren Anteil an Todesfällen haben als Länder mit relativ junger Bevölkerungsstruktur“, verdeutlichte Professor Nils Chr. Stenseth von der Universität Oslo. „In Übereinstimmung damit hat Südafrika beispielsweise – wahrscheinlich teilweise aufgrund seiner jüngeren Bevölkerungsstruktur – eine geringere Zahl an Todesfällen im Vergleich zu Ländern mit einem höheren Anteil an älteren Bevölkerungsgruppen wie Italien. Wir haben festgestellt, dass solche Unterschiede in den Todesraten stark von der Demografie beeinflusst werden. Unabhängig von der Demografie sagen wir jedoch eine konsequente Verlagerung des Risikos auf die Jugend voraus.“

Quellen: <link https: www.eurekalert.org news-releases _blank external-link-new-window external link in new>EurekAlert! <link https: doi.org sciadv.abf9040 _blank external-link-new-window external link in new>ScienceAdvances