Obwohl die Nutzung virtueller Versorgung seit 2020 deutlich zugenommen hat, gibt es bislang nur wenige Studien, die deren Risiken und Vorteile speziell bei Kindern untersuchten. Die kanadischen Forschenden analysierten Daten von mehr als 2,6 Millionen pädiatrischen Primärversorgungskontakten im Zeitraum von September 2020 bis März 2024. Die Kinder wurden in drei Altersgruppen eingeteilt: 0–3 Monate, 3 Monate bis 2 Jahre und 2–17 Jahre.
Bei Kindern im Alter von 3 Monaten bis 2 Jahren folgten auf 64.241 telemedizinische Konsultationen 2.851 (4,4%) Notaufnahmebesuche, während von 218.479 persönlichen Konsultationen 7.636 (3,5%) zu einem solchen Folgebesuch führten.
Virtuelle Konsultationen waren zudem mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für nachfolgende Notaufnahmebesuche verbunden, die überwiegend weniger dringlich (low-acuity) waren. Gleichzeitig war das Risiko für schwerwiegende Verläufe, wie eine Krankenhauseinweisung oder einen Todesfall, geringfügig geringer als nach persönlichen Arztbesuchen (0,2% gegenüber 0,4%).
Auch Kinder im Alter von 2 bis 17 Jahren, die virtuell behandelt wurden, wiesen ein erhöhtes Risiko für einen anschließenden Notaufnahmebesuch auf. Bei Säuglingen unter 3 Monaten zeigte sich hingegen kein signifikanter Unterschied zwischen virtuellen und persönlichen Konsultationen (2,9% vs. 2,8%).
Die Autor:innen schließen daraus: „Kinder benötigen nach einer virtuellen Konsultation häufiger einen Besuch in der Notaufnahme als nach einem persönlichen Arztbesuch; im Allgemeinen handelte es sich bei diesen Besuchen jedoch um weniger akute Probleme. Auch wenn die virtuelle Versorgung eine ausreichende und sichere Auswahl von Fällen ermöglicht, bei denen eine Einweisung oder ein tödlicher Ausgang unwahrscheinlich ist, sollten Verantwortliche im Gesundheitswesen und Ärzt*innen die besonderen Bedürfnisse von Kindern berücksichtigen, wenn sie Richtlinien und Infrastrukturen für eine virtuelle Versorgung entwickeln und die Art der klinischen Konsultation festlegen.“
Virtuelle Arztbesuche, beispielsweise über Videosprechstunden, bieten Vorteile wie eine hohe Zugänglichkeit und Bequemlichkeit. Gleichzeitig bestehen jedoch Einschränkungen, insbesondere durch das Fehlen einer körperlichen Untersuchung, was die Diagnosestellung bei bestimmten Erkrankungen erschweren kann.
Gerade bei Kindern können klinische Anzeichen – wie ein Mittelohrerguss, verminderter Hautturgor oder eine reduzierte Reaktionsfähigkeit – schwerer über Video oder Telefon erkannt werden. Daher lassen sich die bei Erwachsenen beobachteten Vorteile der Telemedizin nicht uneingeschränkt auf die pädiatrische Versorgung übertragen.
Quellen: AAP News, JAMA Netw Open