In einer in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlichten Studie untersuchte ein internationales Forscherteam (China, Pakistan, Saudi-Arabien) den Zusammenhang zwischen „Social-Media-Sucht“, Depressionen und Angstzuständen und bewertete die vermittelnde Rolle des familiären Umfelds bei saudi-arabischen Studenten.
Häufigkeit von „Social-Media-Sucht“
Was passiert, wenn das Scrollen zu einem Bewältigungsmechanismus statt zu einer Gewohnheit wird? „Social-Media-Sucht“ betrifft laut Studien aus China, den USA, Japan und der Türkei etwa 17-27% der Jugendlichen. Zugleich haben immer mehr junge Menschen psychische Probleme.
Verschiedene Untersuchungen legen nahe, dass übermäßiger Social-Media-Konsum Depressionen und Angstzustände begünstig, da sich Nutzer*innen ständig mit anderen vergleichen und von sozialen Medien als emotionale Unterstützung abhängig werden. Social-Media-Sucht ist keine offizielle Diagnose, sie kann aber als Verhaltenssucht beschrieben werden.
Studiendesign und Stichprobe saudi-arabischer Universitäten
Die Wissenschaftler*innen wertete 627 gültige Antworten von saudi-arabischen Studenten für ihre Analyse aus (73 Datensätze von Personen mit unvollständigen Angaben wurden ausgeschlossen).
Die Datenerhebung erfolgte mithilfe strukturierter, wissenschaftlich anerkannten Fragebögen und Scalen zur Einschätzung von Sucht von geschultem Personal. Das familiäre Umfeld wurde mit der Brief Family Relationship Scale (BFRS) gemessen. Es wurden der Zusammenhalt, die Kommunikationsfähigkeit und die Konflikte innerhalb der Familie erfasst. Psychische Befunde wurden mithilfe der Depression Anxiety Stress Scales-14 (DASS-14) erhoben, welche Symptome von Angst und Depression misst.
Die Ergebnisse zeigten signifikante Zusammenhänge zwischen Social-Media-Nutzung und psychischen Gesundheitsindikatoren. Problematische Social-Media-Nutzung war mit einem höheren Maß an Angst, Depression und emotionaler Belastung verbunden.
Rolle der Familiendynamik bei der Vermittlung von Effekten
Auch das familiäre Umfeld spielt eine entscheidende Rolle für die psychische Gesundheit. Das familiäre Umfeld korrelierte signifikant mit Angstzuständen und Depressionen, was darauf hindeutet, dass der familiäre Kontext für das emotionale Wohlbefinden von Studierenden von Bedeutung sein kann. Dies legt nahe, dass das familiäre Umfeld Einfluss darauf haben kann, wie die Nutzung sozialer Medien mit der psychischen Gesundheit zusammenhängt.
Konkret bedeutet dies, dass Studierende in einem unterstützenden und kommunikativen familiären Umfeld besser vor den negativen emotionalen Folgen exzessiver Social-Media-Nutzung geschützt sein könnten. Umgekehrt könnte ein wenig unterstützendes familiäres Umfeld diese Risiken verstärken.
Die Entwicklung familienzentrierter Ansätze zur Bewältigung aktueller Herausforderungen im Bereich der psychischen Gesundheit und des digitalen Wohlbefindens sollte für Universitäten, politische Entscheidungsträger und Familien Priorität haben, raten die Autor*innen.
Durch die Zusammenarbeit zur Förderung positiver digitaler Interaktionen zwischen Familienmitgliedern und zur Stärkung der emotionalen Resilienz durch offene Kommunikation und einen ausgewogenen Umgang mit Technologie können die Beteiligten dazu beitragen, die psychische Gesundheit von Studierenden in unserer zunehmend digitalisierten Welt zu schützen.
Einschränkungen der Studie
Die Studie weist wichtige Einschränkungen auf. Aufgrund ihres Querschnittdesigns lassen die Ergebnisse keine Kausalzusammenhänge belegen. Die Messungen basierten auf Selbstauskünften, die Stichprobe stammte von vier staatlichen Universitäten in Saudi-Arabien, und die Ergebnisse zu Depressionen und Angstzuständen spiegelten Symptome und keine klinischen Diagnosen wider.
Quellen: news-medical.net, Scientific Report