Studie: Soziale Medien können Konzentrationsfähigkeit von Kindern beeinträchtigen

Kinder, die viel Zeit in sozialen Medien verbringen, zeigen häufiger eine nachlassende Konzentrationsfähigkeit. Darauf deutet eine internationale Langzeitstudie hin, die in der Fachzeitschrift Pediatrics Open Science veröffentlicht wurde. An der Untersuchung beteiligten sich Forschende aus Schweden und den USA, die mehr als 8.000 Kinder über mehrere Jahre hinweg begleiteten.

© Kaspars Grinvalds - stock.adobe.com

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In den vergangenen 15 Jahren ist die Nutzung digitaler Medien deutlich gestiegen. Parallel dazu wurden in vielen Ländern, darunter auch Schweden, vermehrt ADHS-Diagnosen gestellt. Vor diesem Hintergrund untersuchten Wissenschaftler des Karolinska Instituts in Schweden sowie der Oregon Health & Science University in den USA mögliche Zusammenhänge zwischen Bildschirmnutzung und Aufmerksamkeitsproblemen.
Die Studie begleitete 8.324 Kinder im Alter von 9 bis 10 Jahren über einen Zeitraum von vier Jahren. Die Teilnehmenden machten Angaben zu ihrer täglichen Mediennutzung, darunter soziale Medien, Fernsehen, Videos und Videospiele. Eltern bewerteten ergänzend Aufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität ihrer Kinder.

Dabei zeigte sich insbesondere ein Zusammenhang zwischen der Nutzung sozialer Medien und einer zunehmenden Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit. Kinder, die regelmäßig Plattformen wie Instagram, Snapchat, TikTok, Facebook, Twitter oder Messenger-Dienste nutzten, entwickelten häufiger Konzentrationsprobleme. Ein vergleichbarer Effekt konnte bei Fernsehen oder Videospielen nicht festgestellt werden.
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass soziale Medien eine besondere Rolle spielen“, erklärte Torkel Klingberg, Professor für kognitive Neurowissenschaften am Karolinska Institutet. Die ständigen Benachrichtigungen und Reize könnten die Aufmerksamkeit beeinträchtigen – bereits die Erwartung neuer Nachrichten könne eine Ablenkung darstellen.

Zusammenhang mit ADHS-Diagnosen

Der beobachtete Effekt ließ sich weder durch sozioökonomische Faktoren noch durch eine genetische Veranlagung für ADHS erklären. Zudem zeigte sich, dass Kinder mit bereits bestehenden Aufmerksamkeitsproblemen nicht häufiger soziale Medien nutzten. Dies spreche dafür, dass die Mediennutzung eher zu den Symptomen beiträgt als umgekehrt.

Gleichzeitig stellten die Forschenden keine Zunahme von hyperaktivem oder impulsivem Verhalten fest. Zwar sei der Effekt auf individueller Ebene gering, auf gesellschaftlicher Ebene könne er jedoch relevant sein, so die Studienautoren.
„Ein erhöhter Konsum sozialer Medien könnte einen Teil des Anstiegs von ADHS-Diagnosen erklären – auch wenn sich in unserer Studie keine Zunahme hyperaktiven Verhaltens zeigte“, so Klingberg.

Diskussion über Altersgrenzen

Die Forschenden betonen, dass die Ergebnisse nicht bedeuten, dass alle Kinder, die soziale Medien nutzen, zwangsläufig Konzentrationsprobleme entwickeln. Dennoch legen die Daten nahe, die Nutzung sozialer Netzwerke sowie bestehende Altersfreigaben kritisch zu betrachten.

Der Studie zufolge steigt die durchschnittliche tägliche Nutzungsdauer sozialer Medien von rund 30 Minuten bei Neunjährigen auf etwa zweieinhalb Stunden bei Dreizehnjährigen – obwohl viele Plattformen ein Mindestalter von 13 Jahren vorsehen.
„Unsere Ergebnisse sollen Eltern und politischen Entscheidungsträgern dabei unterstützen, informierte Entscheidungen über einen gesunden Umgang mit digitalen Medien zu treffen“, sagt Studienleiter Samson Nivins vom Institut für Frauen- und Kindergesundheit am Karolinska Institut.

Die Forschenden planen, die Teilnehmenden auch über das 14. Lebensjahr hinaus weiter zu beobachten, um mögliche langfristige Effekte zu untersuchen.

Quellen: News-Medical.net, Karolinska Institutet, Pediatrics Open Science

Autor/Autoren: äin-red, bvkj Redaktion

Letzte Aktualisierung: 19.01.2026