In Interviews mit über 100 Bezugspersonen von Säuglingen im Alter von 0 bis 12 Monaten, die aufgrund einer Erkrankung in der Notaufnahme vorgestellt wurden, stellten die Forscher*innen fest, dass unsichere Schlafgewohnheiten während Krankheitsphasen häufiger vorkamen und oft auch nach Abklingen der Krankheit fortbestanden. Diese veränderten Schlafgewohnheiten erhöhen das Risiko eines plötzlichen unerwarteten Kindstods (sudden unexpected infant death - SUID), einem Oberbegriff, der auch das plötzliche Kindstod (SIDS – Sudden Infant Death Syndrome) umfasst. SUID führte laut US-Gesundheitsstatistik im Jahr 2022 zum Tod von 3.700 Kindern.
Zahlreiche Studien der letzten Jahrzehnte haben unsichere Schlafgewohnheiten mit dem plötzlichen Kindstod (SIDS) und dem unerwarteten plötzlichen Kindstod (SUID) in Verbindung gebracht. Die Ergebnisse einer neuen, von den National Institutes of Health (NIH) finanzierten Studie wurden am 18. September in der Fachzeitschrift „Pediatrics“ veröffentlicht und untermauern die Annahme, dass Erkrankungen im Säuglingsalter ein Risikofaktor für SUID sind.
Die Betreuungspersonen wurden zu den üblichen Schlafgewohnheiten ihrer Babys befragt und ob sich diese im Krankheitsfall veränderten. Sie berichteten, dass die Einhaltung sicherer Gewohnheiten, wie das Schlafen im Kinderbett, insgesamt von 61,8% vor der Erkrankung auf 48,1% während der Erkrankung zurückging. Gleichzeitig stieg der Anteil der Betreuungspersonen, die angaben, dass ihre Säuglinge im Bett oder auf der Couch schliefen, von 56,5% vor der Erkrankung auf 62,6% während der Erkrankung und erreichte bei der Nachuntersuchung nach einem Monat sogar 75%. Auch die Häufigkeit des gemeinsamen Schlafens im Elternbett stieg insgesamt von 57,3% vor der Erkrankung auf 68,7% während der Erkrankung und erreichte bei der Nachuntersuchung nach einem Monat sogar 83,6%.
Viele Betreuungspersonen in der Studie berichteten, dass sie während der Erkrankung ihres Kindes von empfohlenen sicheren Schlafpraktiken abwichen, beispielsweise vom Schlafen in Rückenlage. Zu den häufigsten Änderungen zählten vermehrtes gemeinsames Schlafen im Elternbett, das Schlafen auf nicht empfohlenen Unterlagen sowie die Bauch- oder Seitenlage, die nicht den Empfehlungen entsprechen.
Die Tatsache, dass diese Veränderungen auch nach der Erkrankung anhielten, unterstreicht die Notwendigkeit gezielter Maßnahmen zur Förderung sicherer Schlafpraktiken während einer Erkrankung, so Dr. Mary Beth Howard, Kinder- und Jugendärztin für Notfallmedizin am Johns Hopkins Children’s Center und Leiterin der Studie.
„Eltern nehmen diese Änderungen oft vor, weil sie ihr krankes Baby trösten oder es genau beobachten möchten. Doch diese gut gemeinten Anpassungen erhöhen tatsächlich das Risiko eines plötzlichen, unerwarteten Todes. Krankheit ist eine besonders sensible Zeit, weshalb es umso wichtiger ist, die Empfehlungen für sicheren Babyschlaf einzuhalten“, sagt Howard.
Um den plötzlichen Kindstod zu vermeiden, sollten Eltern u.a. das Baby zum Schlafen auf den Rücken legen, es ohne Decken, Kissen oder Kuscheltiere und in einem Kinderbett allein schlafen lassen.
Quellen: EurekAlert! Johns Hopkins Medicine, Pediatrics