Die umfangreiche Studie ergab, dass vegane und vegetarische Ernährung nährstoffreich sein und ein gesundes Wachstum unterstützen können. Sie gibt jedoch zu bedenken, dass auch ein Risiko für Mangelerscheinungen bei dieser Ernährungsweise besteht, wenn Kinder wichtige Nährstoffe nicht über angereicherte Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel erhalten.
Die in „Critical Reviews in Food Science and Nutrition“ veröffentlichte Studie legt zudem nahe, dass pflanzliche Ernährung im Vergleich zu einer omnivoren Ernährung mit Fleisch, Fisch und anderen tierischen Produkten zusätzliche gesundheitliche Vorteile für Kinder bieten kann – darunter ein verbessertes kardiovaskuläres Risikoprofil bzw. ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Bisher umfangreichste Untersuchung zu diesem Thema
Diese umfangreiche Metaanalyse ist die bisher umfassendste Studie zu pflanzlicher Ernährung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Sie wertete Daten aus 59 Studien in 18 Ländern aus. Verglichen wurden lakto-ovo-vegetarische (Milchprodukte und Eier, aber kein Fleisch, Fisch und Geflügel) und vegane Ernährung (alle tierischen Produkte ausschließend) mit omnivorer Ernährung. Untersucht wurden verschiedene Ernährungs- und Gesundheitsindikatoren bei 7.280 lakto-ovo-vegetarischen, 1.289 veganen und 40.059 omnivoren Kindern.
Die Studie ergab, dass vegetarische Kinder mehr Ballaststoffe, Eisen, Folsäure, Vitamin C und Magnesium zu sich nahmen als omnivore Kinder, jedoch weniger Energie, Protein, Fett, Vitamin B12 und Zink. Obwohl die Datenlage zu veganer Ernährung begrenzter war, zeigten sich ähnliche Muster.
Problematisch: Vitamin B12, Kalzium, Jod und Zink
„Vitamin B12 erreichte ohne Nahrungsergänzungsmittel oder angereicherte Lebensmittel keine ausreichenden Werte, und die Zufuhr von Kalzium, Jod und Zink lag oft im unteren Bereich der empfohlenen Referenzmengen. Daher sind diese Nährstoffe für Kinder mit pflanzlicher Ernährung besonders wichtig“, erklärte die Co-Autorin der Studie, Dr. Jeannette Beasley, außerordentliche Professorin an den Abteilungen für Ernährungswissenschaften und Medizin der New York University. „Insbesondere vegane Kinder wiesen eine besonders niedrige Kalziumzufuhr auf.“
Gesundheitliche Vorteile
Trotz dieser Risiken wiesen sowohl vegane als auch vegetarische Kinder im Vergleich zu „Allesessern“ ein günstigeres kardiovaskuläres Gesundheitsprofil auf, mit niedrigeren Gesamtcholesterin- und LDL-Cholesterinwerten – dem „ungesunden“ Cholesterin.
Messungen des Wachstums und der Körperzusammensetzung zeigten, dass Kinder mit pflanzlicher Ernährung tendenziell schlanker waren als „Allesesser“: Vegetarische Kinder waren etwas kleiner und leichter, mit einem niedrigeren Body-Mass-Index (BMI), einer geringeren Fettmasse und einem niedrigeren Knochenmineralgehalt. Vegane Kinder waren ebenfalls kleiner und hatten niedrigere BMI-Werte.
„Unsere Analyse der aktuellen Studienlage legt nahe, dass gut geplante und angemessen ergänzte vegetarische und vegane Ernährungsweisen den Nährstoffbedarf decken und ein gesundes Wachstum bei Kindern fördern können“, fasste die Hauptautorin Dr. Monica Dinu zusammen. Sie erforscht am Institut für Experimentelle und Klinische Medizin der Universität Florenz in Italien, wie Ernährung Gesundheit und Wohlbefinden beeinflusst.
Informierte Entscheidung mit Planung und Unterstützung von Fachkräften wichtig
Pflanzliche Ernährungsweisen sind für Kinder durchaus machbar und bieten sowohl ökologische als auch gesundheitliche Vorteile. Sie empfehlen Eltern, diese Ernährungsformen mit fundierter Planung anzugehen und, wenn möglich, Unterstützung von Fachkräften wie Ernährungsberater*innen und Kinder- und ärzt*innen in Anspruch zu nehmen. Durch die Berücksichtigung einiger weniger wichtiger Nährstoffe können diese Ernährungsformen den Bedarf von Kindern in Wachstumsphasen vollständig decken und gleichzeitig ernährungsbedingte Risiken reduzieren.
„Wir hoffen, dass diese Ergebnisse eine klarere Orientierungshilfe zu den Vorteilen und potenziellen Risiken pflanzlicher Ernährung bieten und so der wachsenden Zahl von Eltern helfen, die sich aus gesundheitlichen, ethischen oder ökologischen Gründen für diese Ernährungsformen entscheiden“, fügte Dr. Dinu hinzu.
Einschränkung: Keine exakte Erfassung der Nahrungsaufnahme
Die Forscher*innen schränken ein, dass die Ergebnisse aufgrund des Querschnittdesigns der meisten einbezogenen Studien, der unterschiedlichen Methoden und untersuchten Populationen sowie der Schwierigkeiten bei der genauen Erfassung der Nahrungsaufnahme von Kindern nur bedingt aussagekräftig sind.
„Zusammenfassend lässt sich sagen“, so Mitautor Dr. Wolfgang Marx vom Food & Mood Center der Deakin University in Australien, „dass gut geplante vegetarische und vegane Ernährungsweisen zwar für Erwachsene ernährungsphysiologisch ausreichend und vorteilhaft sind, ihre Eignung für Kinder jedoch deutlich weniger klar ist – was zu uneinheitlichen oder gar widersprüchlichen Empfehlungen für Eltern führt.“
„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass ein ausgewogener Ansatz unerlässlich ist, bei dem Familien auf bestimmte Nährstoffe – insbesondere Vitamin B12, Kalzium, Jod, Eisen und Zink – achten sollten, um sicherzustellen, dass ihre Kinder alles erhalten, was sie für eine gesunde Entwicklung benötigen.“
Quellen: medicalXpress, Critical Reviews in Food Science and Nutrition