Norwegische Studie: Stillen könnte Risiko für ADHS senken

Einer norwegischen Studie zufolge könnte Stillen die Wahrscheinlichkeit für ein Kind, ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) zu entwickeln, beeinflussen. Babys, die mit Muttermilch ernährt wurden, neigten im Vorschul- und Grundschulalter weniger dazu, ADHS-Symptome zu zeigen.

© Robert Kneschke - stock.adobe.com

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„Wir haben festgestellt: Je länger ein Kind ausschließlich gestillt wurde (bis zu sechs Monate), desto geringer war die Ausprägung von ADHS-Symptomen im Alter von 3, 5 und 8 Jahren“, erklärte die leitende Forscherin Dr. Berit Skretting Solberg in einer Pressemitteilung der Universität von Bergen.

Muttermilch ist speziell auf die Bedürfnisse des Säuglings abgestimmt und enthält zahlreiche Nährstoffe, die der Gehirnentwicklung zugutekommen, so die Wissenschaftler*innen. Dazu gehören langkettige Fettsäuren, Aminosäuren, Antikörper und nützliche Bakterien.

Für die neue Studie untersuchten die Forschenden Daten von mehr als 37.600 Kindern, die an einer Langzeitstudie mit norwegischen Familien teilnahmen. Die Mütter gaben an, wie lange sie ihre Kinder ausschließlich stillten und ab wann sie andere Flüssigkeiten oder feste Nahrung erhielten. Die Ergebnisse zeigten, dass Stillen die Wahrscheinlichkeit für ADHS sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen verringerte. Der Effekt war im Alter von 3 und 5 Jahren am stärksten ausgeprägt und schwächte sich mit 8 Jahren etwas ab.

Jede Form des Stillens war vorteilhaft, doch der schützende Effekt nahm mit der Dauer und Häufigkeit zu, wie die Autor*innen feststellten. Den stärksten Schutz vor ADHS wiesen Babys auf, die bis zu sechs Monate lang ausschließlich gestillt worden waren.

Die Expert*innen versuchten genetische Faktoren als mögliche Erklärung auszuschließen, indem sie bekannte Einflussfaktoren – wie etwa eine familiäre Vorbelastung mit ADHS – berücksichtigten. Das Team verglich außerdem Geschwister, die von derselben Mutter unterschiedlich lange gestillt worden waren.

„Selbst nach dieser Bereinigung zeigte sich ein deutlicher, wenn auch moderater schützender Effekt der Dauer des ausschließlichen Stillens auf spätere ADHS-Symptome“, so Solberg.

Die Forschenden wiesen jedoch darauf hin, dass weitere Studien und klinische Untersuchungen erforderlich seien, um diesen Zusammenhang zu bestätigen und zu prüfen, ob er auch außerhalb Norwegens Bestand hat.

Solberg vermutet, dass der schützende Effekt in Regionen, in denen Stillen weniger verbreitet ist, sogar noch stärker ausfallen könnte. „In unserer Gesellschaft ist die Vererbung wahrscheinlich der stärkste Risikofaktor für ADHS. Da ADHS jedoch […] von mehreren Faktoren beeinflusst wird, deutet unsere Studie darauf hin, dass auch das Ausmaß des Stillens dazu beitragen kann, kleine Kinder vor der Entwicklung von ADHS-Symptomen zu schützen“, sagte sie.

Quellen: HealthDay, University of Bergen, Biological Psychiatry

Autor/Autoren: äin-red, bvkj Redaktion

Letzte Aktualisierung: 24.08.2026