Jedes siebte Kind und jeder siebte Jugendliche in Europa leidet an psychischen Problemen

Das europäische WHO-Büro für Versorgungsqualität und Patientensicherheit in Athen, Griechenland, kommt in dem Bericht „Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der WHO-Region Europa. Status und Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgungsqualität“ zu dem Ergebnis, dass jedes siebte Kind und jeder siebte Jugendliche von psychischen Erkrankungen betroffen ist.

© Patryssia - Fotolia.com

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Der Bericht fasst erstmals umfassende Daten zum Stand der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der gesamten Region zusammen. Er zeigt einen erheblichen und wachsenden Bedarf an psychischer Gesundheitsversorgung bei jungen Menschen sowie kritische Lücken in der Qualität und Zugänglichkeit der Versorgung auf.

Zunehmende Herausforderungen im Bereich der psychischen Gesundheit

Dem Bericht zufolge leidet jedes siebte Kind und jeder siebte Jugendliche (über 30 Mio.) in der Region an einer psychischen Erkrankung. Mädchen und Frauen sind überproportional betroffen: Jedes vierte Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren leidet an einer psychischen Erkrankung. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter; mehr als jeder fünfte (22%) der Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren leidet an einer psychischen Erkrankung. Suizid ist weiterhin die häufigste Todesursache bei jungen Menschen zwischen 15 und 29 Jahren.

Die Prävalenz psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zwischen 0 und 19 Jahren hat in den letzten 15 Jahren um ein Drittel zugenommen. Die Versorgungsangebote konnten mit diesem steigenden Bedarf jedoch nicht Schritt halten.
Angststörungen gehören demnach die häufigste psychische Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 19 Jahren (über fünfzehn Millionen sind betroffen), gefolgt von depressiven Störungen (über 4,4 Millionen) (29) und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (3,7 Millionen).

Regionale Unterschiede

In jedem vierten Land fehlen gemeindenahe Angebote zur psychischen Gesundheitsversorgung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene; in jedem fünften Land gibt es keine spezifische Strategie zur Deckung des Bedarfs an psychischer Gesundheitsversorgung; die Qualität der psychischen Gesundheitsversorgung variiert stark zwischen den Ländern; und es kommt nur ein Psychiater auf 76.000 Kinder und Jugendliche.

Verbesserung der Versorgungsqualität dringend erforderlich

Der Bericht fordert koordinierte Maßnahmen, um diese Lücken zu schließen und sicherzustellen, dass alle Kinder und Jugendlichen Zugang zu einer qualitativ hochwertigen, personenzentrierten psychischen Gesundheitsversorgung erhalten.
„Dieser Bericht ist ein Weckruf für die Region. Jedes Kind und jeder Jugendliche hat das Recht auf psychische Gesundheitsversorgung und hochwertige Betreuung. Durch sofortiges Handeln können Länder widerstandsfähige Systeme aufbauen, die den nächsten Generationen ein gutes Leben ermöglichen“, so Dr. João Breda, Leiter des WHO-Büros für Qualität der Versorgung und Patientensicherheit sowie Sonderbeauftragter und Leiter des WHO-Länderbüros in Griechenland.
Dr. Ledia Lazëri, Regionalberaterin für psychische Gesundheit bei der WHO/Europa, betont: „Dies ist das erste Mal, dass die WHO/Europa umfassende Daten zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zusammengetragen hat. Forschende, politische Entscheidungsträger und Kliniker können diese Daten nutzen, um fundierte Entscheidungen für die Weiterentwicklung von Versorgungsangeboten […] zu treffen.“

Quelle: WHO Regional Office for Europe (Pressemeldung, kompletter Bericht)

 

 

Autor/Autoren: äin-red, bvkj Redaktion

Letzte Aktualisierung: 09.02.2026