Die im „Journal of Substance Use and Addiction Treatment“ veröffentlichte Studie bringt eine intensive Nutzung sozialer Medien mit erhöhter Impulsivität und Risikobereitschaft in Verbindung – Verhaltensweisen, die stark mit dem Experimentieren mit Substanzen zusammenhängen.
Der leitende Forscher und UniSQ-Doktorandin Getachew Asmare Adella zufolge verdeutlichten die Ergebnisse, wie Online-Verhaltensmuster die Entscheidungsfindung im realen Leben während der Jugend beeinflussen könnten.
„Am meisten hat uns überrascht, dass Angstzustände und emotionaler Stress diesen Zusammenhang nicht erklären konnten“, so Adella.
Impulsivität oder unüberlegtes Handeln
„Stattdessen schienen Verhaltensweisen wie Impulsivität oder unüberlegtes Handeln eine weitaus größere Rolle zu spielen; fast ein Viertel des Zusammenhangs lässt sich wahrscheinlich auf diese Verhaltensweisen zurückführen.
„Diese Verhaltensweisen stehen in engem Zusammenhang mit dem Ausprobieren von Substanzen.“ Soziale Medien können diese Tendenzen verstärken, indem sie Jugendliche dem Einfluss Gleichaltriger, Trends oder Online-Inhalten aussetzen, die riskantes Verhalten als normal darstellen oder erscheinen lassen – was wiederum zum Experimentieren anregen könnte.
Die Wissenschaftler*innen fassen zusammen: Je häufiger Jugendliche soziale Medien nutzten, desto wahrscheinlicher berichteten sie davon, Cannabis ausprobiert zu haben. Seit wenigen Monaten gilt in Australien ein Verbot für soziale Medien für unter 16-Jährige.
Professorin Rasheda Khanam, Gesundheitsökonomin an der UniSQ und leitende Autorin der Studie, erklärte, die Ergebnisse lieferten fundierte Erkenntnisse darüber, wie digitale Medien das Verhalten von Jugendlichen prägen können.
„Durch den Einsatz fortschrittlicher Analysemethoden konnten wir die Auswirkungen der Social-Media-Nutzung besser von anderen Hintergrundfaktoren isolieren“, ergänzte Professorin Khanam.
„Diese Ergebnisse sind wichtig, um politische Maßnahmen und Interventionen zu gestalten, die die Gesundheit junger Menschen fördern.“
Die Studie analysierte Daten von 1.766 Jugendlichen, die an der „Longitudinal Study of Australian Children“ teilnahmen; dabei wurde ihr Social-Media- und Cannabiskonsum über den Übergang vom Jugend- ins frühe Erwachsenenalter hinweg verfolgt.
Um die Analyse zu untermauern, nutzten die Forschenden zudem Indikatoren wie den Besitz eines Smartphones mit Internetzugang zu Hause, um den Einfluss der Social-Media-Nutzung besser von anderen Hintergrundfaktoren abzugrenzen.
Jugendliche verbringen mehr Zeit in sozialen Medien als je zuvor, während der Cannabiskonsum im Jugendalter aufgrund seiner Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung und die langfristige Gesundheit weiterhin Anlass zu gesundheitspolitischen Bedenken gibt.
Nutzungsintensität spielt entscheidende Rolle
„Die meisten jungen Menschen nutzen soziale Medien, doch unsere Studie zeigt, dass es vor allem auf die Nutzungsintensität ankommt“, sagte Adella. Die Forschenden betonten, dass es nicht das Ziel der Studie sei, Eltern oder Jugendliche zu beunruhigen, sondern besser zu verstehen, wie sich Online-Verhalten auf reale Lebensumstände auswirken kann. So sollen Eltern, Pädagog*innen und politische Entscheidungsträger*innen dabei unterstützt werden, gesündere digitale Umgebungen für junge Menschen zu schaffen.
Strategien zur Risikominderung
Ddie Studie zeigt auch verschiedene Strategien auf, die dazu beitragen können, Risiken bei Jugendlichen zu verringern – etwa die Förderung von "Offline-Aktivitäten" und gesunder Selbstregulation, die Stärkung der digitalen Kompetenz sowie die Unterstützung einer offenen Kommunikation zwischen Eltern und Jugendlichen.
Die Autor*innen geben zu bedenken, dass die Angaben zum Cannabiskonsum auf Selbstauskünften beruhten und dass u.a. nicht zwischen spezifischen Social-Media-Plattformen unterschieden wurde.
Quellen: medicalXpress,University of Southern Queensland, Journal of Substance Use and Addiction Treatment