Herzstillstand: Zeitfenster für Wiederbelebungsmaßnahmen bei Kindern enger als bei Erwachsenen

Auf der Jahrestagung der American Heart Association in New Orleans (9.11.25) stellten Wissenschaftler*innen Studienergebnisse vor, die zu dem Ergebnis kommen, dass eine Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) (kombinierte Durchführung von Herzdruckmassage und Beatmung) bei Kindern in der Hälfte der Zeit begonnen werden sollten, die für Erwachsene erforderlich ist.

© Roman Milert - Fotolia.com

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Das Zeitfenster für eine erfolgreiche HLW ist den US-Autor*innen zufolge bei Kindern vermutlich nur halb so lang sein wie bei Erwachsenen: 5 Minuten im Vergleich zu 10 Minuten. Die Einleitung der HLW innerhalb dieses 5-Minuten-Zeit-fensters kann die Überlebenschancen eines Kindes fast verdoppeln. 

„Wenn das Herz eines Kindes plötzlich aufhört zu schlagen, zählt jede Sekunde“, betonte der leitende Forscher Dr. Mohammad Abdel Jawad, wissenschaftlicher Mitarbeiter der University of Missouri-Kansas City, in einer Pressemitteilung der American Heart Association.

„Wir haben festgestellt, dass das Zeitfenster bei Kindern noch kritischer ist. Daher ist es unerlässlich, nach einem Herzstillstand so schnell wie möglich mit der HLW zu beginnen“, sagte Jawad.

Für ihre Studie werteten die Forscher*innen die Daten von mehr als 10.000 Kindern aus, die einen Herzstillstand außerhalb eines Krankenhauses erlitten hatten. Etwa die Hälfte dieser Kinder erhielt eine HLW durch Laien. Die Ergebnisse zeigten, dass die Überlebenschancen um 98% stiegen, wenn die HLW innerhalb von zwei bis drei Minuten erfolgte - gegenüber 37% innerhalb von 4 bis 5 Minuten. Die Überlebenschancen eines Kindes blieben gering, wenn die HLW nach fünf Minuten begonnen wurde und lagen je nach verstrichener Zeit bis zur Wiederbelebung zwischen 24% und 41%, so die Ergebnisse.

„Wir waren nicht überrascht, dass eine innerhalb von fünf Minuten nach einem Herzstillstand eingeleitete HLW die Überlebenschancen bei Kindern verbesserte“, sagte Jawad. „Wir waren jedoch überrascht, wie schnell die Überlebenschancen nach fünf Minuten abnahmen.“ „Bei Erwachsenen zeigte eine aktuelle Studie Überlebensvorteile, selbst wenn die Wiederbelebung erst nach neun Minuten begonnen wurde. Unsere Analyse bestätigt jedoch, dass das Zeitfenster bei Kindern deutlich kürzer ist“, so Jawad weiter. „Dies verdeutlicht, wie entscheidend jede Minute nach einem Herzstillstand bei Kindern ist.“

Insgesamt überlebten mehr als 15% der Kinder den Herzstillstand und 13% davon ohne bleibende Hirnschäden, so die Forschenden. Je früher die Wiederbelebung beginnt, desto besser sind die Überlebenschancen.

Die Ergebnisse unterstreichen insbesondere, wie wichtig es ist, dass so viele Menschen wie möglich Reanimationsmaßnahmen erlernen, da jeder Anwesende im Notfall lebensrettende Hilfe leisten könnte, so die Wissenschaftler*innen.

„Dies zeigt, wie wichtig es ist, dass mehr Menschen – Eltern, Familienmitglieder, Lehrer, Trainer und Gemeindemitglieder – in Wiederbelebungsmaßnahmen zu schulen und ihnen das nötige Selbstvertrauen zu vermitteln, diese sofort anzuwenden“, betonte Jawad. „Dies ist besonders wichtig bei Kindern nach einem Herzstillstand, da Laienhelfer befürchten könnten, dem Kind durch die Wiederbelebung zu schaden.“

„Zukünftige Forschung könnte sich darauf konzentrieren, wie die Zeit bis zum Start mit der Wiederbelebung weiter verkürzt werden kann, beispielsweise durch verbesserte Anweisungen der Rettungsleitstelle oder eine breitere Einführung von Wiederbelebungskursen in Schulen und bei Vorsorgeuntersuchungen, um die Anzahl der verfügbaren Laienhelfer zu erhöhen“, fügte Jawad hinzu.

Quellen: HealthDay, AHA News, AHA 2025 Abstract

Autor/Autoren: äin-red, bvkj Redaktion

Letzte Aktualisierung: 29.01.2026