Grundschüler: Besitz eines Mobiltelefons beeinflusst Lesefähigkeiten negativ

Mobiltelefone könnten die Lesefähigkeiten jüngerer Kinder beeinträchtigen, so das Ergebnis einer amerikanischen Studie. Grundschüler, die ein eigenes Mobiltelefon besaßen, schnitten demnach bei Tests zum Leseverständnis schlechter ab.

© De Visu - stock.adobe.com

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Ob die Kinder ihr Mobiltelefon in der Schule bei sich trugen oder nicht, spielte für das Testergebnis keine Rolle. Vielmehr stand der Besitz des Telefons an sich mit einem schlechteren Leseverständnis in Zusammenhang, so die Forschenden.

„Kinder, die ihr Telefon mit in die Schule brachten, erzielten dieselben Leseergebnisse wie Kinder, die an diesem Tag kein Telefon in der Schule dabei hatten“, erklärte die leitende Forscherin Patricia Greenfield in einer Pressemitteilung.

„Es ist also der Besitz eines Telefons – und nicht dessen unmittelbare Anwesenheit –, der im Grundschulalter mit einem schlechteren Leseverständnis korreliert“, sagte Greenfield. Sie ist Professorin für Psychologie an der University of California, Los Angeles.

Die Wissenschaftler*innen machten diese überraschende Entdeckung im Rahmen eines Experiments, mit dem untersucht werden sollte, ob Handyverbote an Schulen die Lernleistungen von Schülern verbessern könnten.

Um festzustellen, ob Mobiltelefone die für gute Prüfungsergebnisse erforderliche Konzentration beeinträchtigen, baten die Forscher 55 Sechstklässler und 51 Drittklässler im Los Angeles County, einen Test zum Leseverständnis zweimal zu absolvieren.

Von diesen 106 Kindern gaben 60 an, ein eigenes Mobiltelefon zu besitzen – darunter 22 Drittklässler und 38 Sechstklässler. Am Tag des Experiments hatten 37 der Kinder ihr Telefon mit in die Schule gebracht.

Bei einem der Tests wurden die Schüler, die ihr Telefon mitgebracht hatten, gebeten, es während der Bearbeitung offen neben sich liegen zu lassen. Beim anderen Test wurden sie aufgefordert, ihre Telefone wegzulegen.

Die Ergebnisse zeigten, dass es keinen Unterschied machte, ob das Mobiltelefon während des Tests offen dalag oder nicht. Die Kinder erzielten in etwa dieselben Ergebnisse, unabhängig davon, ob das Telefon neben dem Testbogen lag oder nicht.

Der Besitz eines eigenen Mobiltelefons hatte jedoch einen Einfluss auf die Leseergebnisse. Kinder, die ein Telefon besaßen, zeigten ein schlechteres Leseverständnis als Kinder ohne eigenes Telefon.

„Daraus lässt sich schließen, dass Eltern, denen die Lesefähigkeiten ihrer Kinder am Herzen liegen, darauf verzichten sollten, ihren Kindern bereits in der Grundschulzeit ein eigenes Mobiltelefon zu geben“, schrieben die Autor*innen in ihrer Studie. Sie stellten fest, dass das Alter, in dem ein Kind sein erstes Handy erhielt, keinen Einfluss auf die Testergebnisse zu haben schien.

„Wir haben festgestellt, dass es kein bestimmtes Alter gibt, in dem die Anschaffung eines Handys für das Kind besser oder schlechter für das Leseverständnis wäre; entscheidend ist lediglich, ob das Kind überhaupt ein Handy besitzt“, sagte Greenfield. „Das gilt sowohl für die dritte als auch für die sechste Klasse.“

Das Forschungsteam konnte nicht erklären, warum der Besitz eines Handys die Lesefähigkeiten von Grundschülern beeinträchtigen könnte.

„Es bedarf Längsschnittstudien, um zu klären, ob eine frühe Handynutzung die spätere Entwicklung des Leseverständnisses beeinflusst, ob Kinder mit besseren Lesefähigkeiten eher bestimmte handybezogene Aktivitäten ausüben und ob beide Aspekte von nicht erfassten Drittvariablen beeinflusst werden“, schrieben die Forscher.

Kinder mit Migrationshintergrund könnten durch das Schreiben von Textnachrichten lernen

Die Expert*innen stießen jedoch auf eine positive Erkenntnis für Kinder aus Haushalten, in denen nicht Englisch gesprochen wird: Je früher diese Kinder begannen, ihr Handy zum Schreiben von Textnachrichten zu nutzen, desto besser war ihr Leseverständnis.

„Wenn ein Kind ein Handy besitzt und aus einer Familie kommt, in der zu Hause kein Englisch gesprochen wird, wirkt es sich positiv auf das Leseverständnis aus, wenn es früher statt später mit dem Schreiben von Textnachrichten beginnt“, erklärte Greenfield. „Tatsächlich wiesen Schüler aus arabisch- oder spanischsprachigen Haushalten, die bereits in der zweiten oder dritten Klasse mit dem Schreiben von Textnachrichten begannen, in der sechsten Klasse ein ähnliches Leseverständnis auf wie ihre Mitschüler, die noch kein Handy besaßen.“

Quellen: HealthDay, University of California, Behavioral Sciences

Autor/Autoren: äin-red, bvkj Redaktion

Letzte Aktualisierung: 27.10.2026