Die Prävalenz von Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) hat in den letzten drei Jahrzehnten zugenommen, mit einem Verhältnis von Jungen zu Mädchen von etwa 4:1. Die vermehrte Diagnose von Autismus beruht vermutlich u.a. auf erweiterten Diagnosekriterien und gesellschaftlichen Veränderungen (z. B. dem Alter der Eltern). Das hohe Verhältnis von Jungen zu Mädchen wird auf bessere soziale und kommunikative Fähigkeiten bei Mädchen zurückgeführt, wodurch Autismus bei letzteren schwerer zu erkennen ist. Bislang hat jedoch keine größere Studie diese Trends über den gesamten Lebensverlauf untersucht.
Diagnosehäufigkeit: Bis zum Alter von 20 Jahren verliert sich der Unterschied zwischen den Geschlechtern
Um dies zu untersuchen, nutzten Forscher*innen nationale Register, um die Diagnosehäufigkeit von Autismus bei 2,7 Millionen in Schweden zwischen 1985 und 2022 geborenen Personen zu analysieren. Diese Personen wurden von der Geburt bis zu einem Alter von maximal 37 Jahren begleitet.
Während dieses Beobachtungszeitraums von über 35 Jahren wurde bei 78.522 (2,8%) der erfassten Schweden Autismus diagnostiziert, im Durchschnittsalter von 14,3 Jahren. Die Diagnosehäufigkeit stieg mit jedem Fünfjahresintervall im Kindesalter an und erreichte ihren Höhepunkt mit 645,5 pro 100.000 Personenjahre bei Jungen im Alter von 10–14 Jahren und 602,6 bei Mädchen im Alter von 15–19 Jahren. Obwohl Jungen im Kindesalter häufiger die Diagnose Autismus erhielten, holten Mädchen in der Adoleszenz auf, sodass das Verhältnis von Jungen zu Mädchen im Alter von 20 Jahren nahezu 1:1 erreichte.
Grenzen der Studie
Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Die Autor*innen räumen ein, dass sie andere mit Autismus assoziierte Erkrankungen wie ADHS und geistige Behinderung nicht berücksichtigt haben. Auch konnten sie gemeinsame genetische und Umweltfaktoren wie die psychische Gesundheit der Eltern nicht kontrollieren.
Daher schreiben sie: „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Verhältnis von Männern zu Frauen mit Autismus im Laufe der Zeit und mit steigendem Diagnosealter abgenommen hat. Dieses Verhältnis könnte daher deutlich niedriger sein als bisher angenommen, sodass es in Schweden im Erwachsenenalter möglicherweise nicht mehr erkennbar ist.“
„Diese Beobachtungen unterstreichen die Notwendigkeit zu untersuchen, warum Frauen später diagnostiziert werden als Männer“, schließen sie.
Quelle: medicalXpress, BMJ (1, 2)