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Meningokokken-Meningitis

Was ist eine Meningokokken-Meningitis?

Meningokokken sind Bakterien der Art Neisseria meningitidis, die durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen werden. Überwinden die Erreger die Schleimhautbarriere im Nasen-Rachen-Raum, können sie schwere Erkrankungen wie eine Hirnhautentzündung (Meningitis) und/oder eine Blutvergiftung (Sepsis) auslösen. Wenn ein Mensch sowohl an Meningitis als auch an Sepsis erkrankt, ist der Krankheitsverlauf besonders schwer.

Notfall Meningokokken-Meningitis
Eine Meningokokken-Meningitis ist eine schwere Erkrankung, die innerhalb von Stunden lebensgefährlich werden kann.

Bei etwa der Hälfte der Fälle der Meningokokkenerkrankungen entwickelt sich eine Meningokokkenmeningitis.

Insgesamt gibt es als Krankheitsauslöser 12 verschiedene Erregerstämme, so genannte Serogruppen (z.B. A, B, C, W135,Y).

Epidemieartige Ausbrüche sind in tropischen Gebieten (Erreger der Gruppen A, C, W135 und Y) nicht selten. Der afrikanischen Meningitisgürtel (Senegal im Westen bis Äthiopien im Osten, 26 Länder) ist besonders betroffen. Hier treten zwischen November und Juni immer wieder Epidemien auf. Jedes Jahr werden noch etwa 30.000 Fälle aus diesem Gebiet gemeldet. Seit 2010 und der Einführung eines Meningokokken-A-Konjugat-Impfstoffs durch vorbeugende Impfkampagnen im Meningitis-Gürtel ist der Anteil der Serogruppe A deutlich zurückgegangen.

In Europa und den USA tritt die Meningokokken-Meningitis eher sporadisch auf. In Deutschland ist vor allem der Erreger der Gruppe B (2020 mit 53 Fällen, d.h. 38% von insgesamt 138 invasiven Meningokokken-Erkrankungen) oder auch C verbreitet (in Deutschland 2020 mit 8 Fällen, d.h. 5,8% von insgesamt 138 invasiven Meningokokken-Erkrankungen)

Im Jahr 2017 wurden in 30 EU/EWR-Mitgliedstaaten 3.221 bestätigte Fälle von invasiven Meningokokkenerkrankungen (IMD) gemeldet, davon 282 Todesfälle.  In Frankreich, Deutschland, Spanien und in Großbritannien wurden 2017 58% aller bestätigten Fälle gemeldet. Säuglinge waren besonders betroffen, gefolgt von 1- bis 4-Jährigen, mit einem zweiten Höchstwert bei den 15- bis 24-Jährigen. Die Serogruppe B verursachte insgesamt 51% der Fälle und war die dominierende Serogruppe in allen Altersgruppen unter 65 Jahren. Zwischen 2013 und 2017 wurde ein dreifacher Anstieg invasiven Meningokokkenerkrankungen durch die Serogruppe W beobachtet, hauptsächlich bei Kindern unter 5 Jahren und Erwachsenen ab 50 Jahren.

Meningokokken sind in Deutschland die häufigsten Auslöser einer bakteriellen Meningitis. Insbesondere Babys, Kinder und Jugendliche sind davon betroffen. Die Erkrankung kann aber in jeder Altersgruppe auftreten. Etwa jeder 10. Mensch trägt diese Bakterien im Nasen-Rachen-Raum und kann andere Menschen unbemerkt anstecken, vor allem wenn er selbst nicht erkrankt. Bei pubertierenden Jugendlichen kann die Trägerrate sogar bis zu 25% betragen. Aus welchen Gründen diese gefährliche Erkrankung nur bei einer geringen Anzahl der Keimträger ausbricht, konnten Wissenschaftler noch nicht eindeutig klären.

Etwa 10-15% der Erkrankten erleiden schwere, bleibende Folgeschäden oder versterben. So kann es infolge einer Meningitis u.a. zu bleibenden Hirnschäden, Taubheit oder Blindheit kommen. Eine Sepsis kann u.a. eine Amputation von Gliedmaßen wie Fingern, Zehen oder auch Armen und Beinen erforderlich machen.

In Deutschland werden etwa 100-300 Fälle invasiver Erkrankungen aufgrund von Meningokokken pro Jahr gemeldet (2017: 287, 2018: 294, 2019: 256, 2020:138). Kinder unter fünf Jahren (insbesondere im 1. und 2. Lebensjahr) und Teenager sind häufig betroffen.

Polysaccharid- und Konjugatimpfstoffe gegen Meningokokken der Serogruppe A, C, W 135 und Y sind in Deutschland verfügbar. Ein Impfstoff gegen Meningokokken B (rekombinanter 4-Komponenten-Meningokokken-B-Impfstoff - 4CMenB) wurde im Januar 2013 für Europa zugelassen (ab zwei Monaten). Gegen Meningokokken C empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut in Berlin eine Impfung für Kinder im Alter von 12 Monaten.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Ulrich Fegeler

letzte Änderung: 08.03.2021