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Deutsche Kinder und Jugendliche zu unbeweglich

Laut einer aktuellen Studie der Universität Karlsruhe haben 4- bis 17-Jährige bereits bei einfachsten motorischen Übungen erhebliche Probleme. So erreicht ein Großteil der Jungen und Mädchen bei Rumpfbeugen nicht mehr den Boden. Nur die Feinmotorik hat sich durch den Umgang mit Computer, Gameboy und Handy im Vergleich zu früheren Generationen verbessert…

Kinder und Jugendliche sind nach einer neuen Studie der Universität Karlsruhe deutlich zu unbeweglich. Nach den Ergebnissen der Untersuchung zum Aktivitätsverhalten der 4- bis 17-Jährigen haben viele Jungen und Mädchen bereits bei einfachsten Übungen erhebliche Probleme. Wichtig sei nicht nur eine stärkere und besser koordinierte Förderung durch Bund und Land, so Prof. Dr. Klaus Bös vom Institut für Sport und Sportwissenschaften. Eltern müssten zudem stärkere Vorbilder abgeben. Das Motorik-Modul (MoMo) ist die erste derartige Studie. Zwischen den Jahren 2003 und 2006 waren bundesweit über 4.500 Kinder und Jugendliche getestet worden.

„Viele Kinder sind heute nur in der Feinmotorik der Finger besser als früher“, erklärte Professor Bös und verwies auf den immer stärker werdenden Trend der Jüngeren zum Computer. Dagegen sinke die motorische Leistungsfähigkeit zunehmend. Mehr als die Hälfte aller Jungen (53%) und jedes dritte Mädchen (33%) habe beim Rumpfbeugen nicht den Boden erreichen können. Insgesamt jedem Dritten (35%) sei es nicht gelungen, zwei oder mehr Schritte auf einem Balken rückwärts zu balancieren, sogar 86% könnten keine Minute auf einem Bein stehen. Im Standweitsprung habe sich die Weite von 1976 bis zum vergangenen Jahr um etwa 14% verschlechtert, kritisierte Professor Bös weiter. Die Entwicklung stagniere insgesamt. „12-jährige Mädchen haben heute die gleichen Daten wie 17-Jährige.“

Elterliches Vorbild wichtig
Der Bewegungsmangel sei keineswegs vererbt, meinte Professor Bös. „Das hat mit Sicherheit nichts mit den Anlagen zu tun, sondern alleine mit Umwelteinflüssen.“ Eltern müssten stärkere Vorbilder für Kinder sein und bei Jugendlichen auch die Rahmenbedingungen setzen. „Es gibt eine Riesenchance im Kindergartenalter, wenn sich die Risiken manifestieren.“ Betroffen seien dabei vor allem Kinder aus niederen sozialen Verhältnissen und aus anderen Kulturkreisen.

Das Motorik-Modul ist ein Teilprojekt des „Kinder- und Jugendgesundheitssurveys“, bei dem das Robert-Koch-Institut erstmals bundesweit den Gesundheitszustand von rund 18.000 Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 17 Jahren untersucht. Gefördert wird die Untersuchung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Für das MoMo hatten Sportwissenschaftler einen rund 40-minütigen „Motorik-Kurztest“ mit elf Übungen entwickelt und Daten zur Koordination und Reaktionsfähigkeit, zum Gleichgewicht, zur Beweglichkeit, zur Kraft und zur Ausdauer erfasst.