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Vorhautverengung (Phimose)*

Was ist eine Vorhautverengung (Phimose)?

Besteht die „Verklebung" des Penis mit der Eichel über das dritte Lebensjahr hinaus, leidet der Junge unter einer Vorhautverengung.
Nach dem dritten Lebensjahr sollte sich die "Verklebung" lösen.

Die natürlich vorkommende Vorhautverengung (physiologische Phimose)

Normalerweise ist bei einem Jungen in den ersten Lebensjahren die Vorhaut des Penis mit der Eichel verklebt. Dadurch lässt sich die Vorhaut nicht über die Eichel zurückschieben. Auf diese Weise wird die überempfindliche Haut der Eichel vor der ätzenden Wirkung des Urins geschützt und der Kontakt mit Kot verhindert. Obwohl die Öffnung der Vorhaut aufgrund der Verklebung sehr eng ist, verursacht sie keine Beschwerden und ermöglicht eine normale Harnentleerung (physiologische Vorhautverengung des Säuglings und Kleinkindes). Wird jedoch der Harnfluss behindert und/oder bläht sich die Vorhaut beim Urinieren auf, sollte ein Kinder- und Jugendarzt aufgesucht werden, der dieses Problem meist rasch und ohne schädigende Folgen beheben kann.

Vom Vorliegen einer natürlichen Phimose kann bei 96% der neugeborenen Jungen ausgegangen werden. Sie ist völlig harmlos und bedarf primär keiner Behandlung. Durch Reifungsvorgänge kommt es bei vielen Jungen zur Auflösung der physiologischen Phimose zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr, spätestens bis zur Pubertät. Im Alter von sieben Jahren kann etwa die Hälfte der Knaben die Vorhaut weitgehend zurückstreifen, mit 10 Jahren sind es etwa zwei Drittel.

Symptome & Krankheitsbild

Von einer Vorhautverengung ("absoluten" Phimose) spricht man, wenn sich die Vorhaut nicht über die Eichel (Glans) zurückstreifen lässt und dies Beschwerden verursacht. Dann zeigen sich folgende Symptome:

  • der Urinstrahl ist dünn oder der Urin tröpfelt,
  • die Vorhaut bläht sich beim Wasserlassen auf,
  • die Vorhaut ist häufig entzündet, da sich der Penis und vor allem die Eichel nicht gut reinigen lässt und sich Bakterien ansiedeln können.

Nicht verwechselt werden darf die Phimose mit einer Vorhautverklebung. Diese kommt naturgemäß häufig vor und Bedarf in der Regel keiner Therapie, da sie sich durch die natürlichen Hygienemaßnahmen im Laufe der Zeit spontan löst. Sie macht keinerlei Beschwerden.

Auswirkungen: Vorhautentzündung

Wird der Harnstrahl behindert, gelangen leicht Bakterien unter die Vorhaut. Dadurch können sowohl unter der Vorhaut als auch auf der Eichel Entzündungen ausgelöst werden. Die Penisspitze ist gerötet, leicht angeschwollen und äußerst schmerzhaft. Sammelt sich unter der Vorhaut Eiter an, ist auch das Wasserlassen mit stark brennenden Schmerzen verbunden. Ist die Eichel mitbetroffen, spricht man von einer Vorhaut- und Eichelentzündung.

Diagnose

Da die Vorhaut sehr empfindlich ist, sollten die Eltern keinesfalls selbst die Vorhaut ihres Sohnes über die Eichel ziehen. Infolge unvorsichtiger Lösungsversuche entstehen nämlich häufig kleine Verletzungen, die Narben hinterlassen, die den Harnstrahl nur noch stärker behindern. Generell sollte eine Vorhautuntersuchung nur der Kinder- und Jugendarzt durchführen.

Therapie

Die Phimose wird, wenn sie in der Pubertät weiterhin besteht oder wenn medizinische Probleme auftreten, für mehrere Wochen mit Salben behandelt. Zunächst wird versucht, die Vorhaut durch eine vier- bis sechs-wöchige Anwendung von Kortison- oder Östrogensalben zu dehnen. Dies gelingt bei ca. 60–70% der Fälle. Bleibt die Phimose bestehen, sollte sie unter lokaler Betäubung oder Vollnarkose durch eine vorhauterhaltende, plastische Operation behandelt werden, z.B. durch eine so genannte Triple Inzision. Nach der Operation hat der Patient ca. noch ein bis zwei Tage Beschwerden beim Wasserlassen.

Nur in ganz seltenen Ausnahmefällen ist eine vollständige Beschneidung (Zirkumzision) notwendig. Diese kann ambulant in Vollnarkose erfolgen. Indikationen können sein:

  • Zustand nach Paraphimose (urologischer Notfall, Abschnürung der Eichel bzw. Glans penis durch Phimose)
  • Hindernis beim Urinieren mit Auftreibung der Vorhaut
  • schmerzhafter Geschlechtsverkehr
  • wiederkehrende (rezidivierende) Eichel- und Vorhautentzündungen mit Narbenbildung
  • Lichen sclerosus (chronisch entzündliche, nicht ansteckende Hauterkrankung, nur durch Gewebsuntersuchung/ Histologie feststellbar)

Ziele der Behandlung sind die ungehinderte, normale Harnentleerung, eine problemlose Genitalhygiene sowie eine unbeeinträchtigte sexuelle Funktion.

Die Broschüre „Mann-oh Mann“ gibt detailliert Auskunft über die Genitalhygiene und beantwortet Fragen rund um den Penis (s.a. Quellen).

Quellen

  • Stier, B.: „Mann, Oh Mann :-(“ Das geht unter die Gürtellinie. Informationen für Jungen und ihre Eltern, um die Intaktheit des Penis zu bewahren und Krankheiten vorzubeugen. Broschüre BVKJ 2013.
  • Stier, B. u. Winter, R.: Jungen und Gesundheit. Interdisziplinäres Handbuch für Medizin, Psychologie und Pädagogik. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2013.

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* Die Leitlinie befindet sich derzeit in Überarbeitung!

 

 

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Bernhard Stier

letzte Änderung: 13.12.2016