Kinder- & Jugendärzte im Netz

Ihre Haus- & Fachärzte von der Geburt bis zum vollendeten 18. Lebensjahr

Herausgeber:

Gemeinschaftspraxis Dr. med. Monika und Stefan Leps, 82178 Puchheim, Fachärzte für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Kinder-Pneumologie,
Neonatologie, Allergologie, Naturheilverfahren, Reisemedizin

Liebe Eltern, Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen und Lehrer, Sozialpädagoginnen und Psychologinnen,

Kinderarztpraxen sehen sich in immer größerem Umfang dem von außen herangetragenem Wunsch ausgesetzt, Kindern eine Heilmittelverordnung in Form von Logopädie und /oder Ergotherapie zu verordnen. Dabei kommt es nicht selten vor, dass schon minimalste Auffälligkeiten, wie etwa das fehlerhafte Halten eines Stiftes bei einem Erstklässler oder das fehlerhafte Aussprechen des "Sch" bei einem Kind mit fehlenden Schneidezähnen vor dem Zahnwechsel von Seiten der Erzieherinnen den Wunsch einer Ergotherapieverordnung oder Logopädieverordnung nach sich zieht.
Wir Ärzte können aber längst nicht in all diesen Fällen Heimittel verordnen! Einerseits deswegen nicht, weil die Heilmittelrichtlinien dies schlicht nicht zulassen, andererseits nicht, weil eine zu frühe "Übertherapie" der Kinder keinesfalls nur förderlich ist.

Unter folgendem Link können Sie die Heilmittelrichtlinien der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns selbst nachlesen:

Heilmittelrichtlinien

Wie sie sehen, sind wir Ärzte angehalten, nach sogenannten WANZ-Kriterien zu verordnen, das bedeutet:

Wirtschaftlich
Ausreichend
Notwendig
Zweckmäßig

Klassische Beispiele von Verordnungswünschen, welche diesen Kriterien nicht standhalten können, wären:

Der Wunsch nach Logopädie bei einem Immigrantenkind, welches zwar in der deutschen Sprache Artikulationsstörungen, grammatische Defizite o.ä.aufweist, nicht jedoch in der Muttersprache. Dies ist ein typischer Fall von Förderung der deutschen Sprache in der Schule durch zusätzlichen Sprachunterricht. Wir sind in unserer Praxis in der glücklichen Lage, die Untersuchungen zur Notwendigkeit von Logopädie auch in arabisch, kurdisch und italienisch durchzuführen.

Der Wunsch nach Verordnung von Ergotherapie für einen Erstklässler, der noch recht krakelig malt und schreibt um die Stifthaltung zu verbessern. Solange kein neurologisches Defizit zugrunde liegt, ist es Aufgabe der Schule und der Eltern, dem Kind beizubringen, wie man einen Stift richtig hält.

In beiden Fällen kann keine Verordnung zu Lasten der Krankenkassen ausgestellt werden.

Wir möchten Sie daher bitten, dies in Zukunft zu berücksichtigen.
Bitte beachten Sie, dass Heilmittelverordnungen immer erst nach ausführlicher Diagnostik in unserer Praxis verordnet werden können.
Sollten sie mit Ihren Kind ein Termin zur Untersuchung wegen fraglicher Notwendigkeit von Ergotherapie haben, bringen Sie bitte die Schulhefte Ihres Kindes mit.

Vielen Dank für Ihr Verständnis!

Und zum Schluß ein ganz harter Fall für die Logopädie:

Luis aus Südtirol: Die Entstehung der Sprachen