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Herausgeber:

Kinderarzt Essen - Engelbert Kölker

Impfaufklärung Essener Qualitätszirkel „Kinderheilkunde“

Kinder- und Jugendärzte stehen in der Pflicht, die Folgen so genannter harmloser Kinderkrankheiten und anderer Infektionskrankheiten durch Impfungen zuverlässig zu verhindern.

Unterlässt der Arzt eine von der STIKO empfohlene und den Krankenkassen finanzierte Impfung ohne sachlichen Grund, handelt er nicht nach ärztlichem Standard.

Warum impfen lassen?

Als „harmlose Kinderkrankheiten“ angesehene Infektionen im Kindesalter verlaufen nicht immer harmlos. Sie können wie andere Infektionen im Kindesalter schwere Krankheitsverläufe, Komplikationen und bleibende Schäden verursachen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben immer noch mehrere Millionen nicht geimpfte Kinder an Krankheiten wie Masern, Keuchhusten, Tetanus, Diphtherie und anderen Kinderkrankheiten. Noch mehr behalten bleibende Schäden nach der Erkrankung zurück.

Jahrzehntelange Erfahrungen zeigen, dass durch konsequente Impfungen schwere Krankheiten in vielen Ländern zum Verschwinden gebracht wurden oder ihr Vorkommen zumindest seltener geworden ist.

Wie wirken Impfungen?

Bei der Impfung werden dem Kind abgeschwächte lebende Erreger, abgetötete Erreger, Erregerbe-standteile oder Erregerstoffwechselprodukte zuge-führt. Der Körper bildet dann im Regelfall Abwehr-stoffe, ohne dass die Krankheit auftritt oder durch die Impfung Komplikationen auftreten. So erhält das Kind einen jahrelangen Schutz vor der entsprechen-den Krankheit.

Welche Impfungen sind empfohlen?

Der Impfkalender der STIKO gilt als notwendiger medizinischer Standard in der Betreuung von Kindern. Weitere Informationen finden Sie im Internet: www.rki.de Stichwort „Infektionsschutz“.


Die STIKO (Ständige Impfkommission in Deutschland) empfiehlt diese Standardimpfungen für alle Kinder:

Impfkalender STIKO 7/2013

ab 6. bis 12. Lebenswoche:Rotavirus (RV)-Schluckimpfungvon Säuglingen abhängig vom Impfstoff 2-3mal(Mindestabstand von 4 Wochen, letzte Gabe bis zur vollendeten 24. bzw. 32. Lebenswoche)

ab vollendetem 2. Lebensmonat: 1., 2., 3. Diphtherie-Tetanus-Pertussis-Hämophilus infl. b-Polio-Hepatitis B -Impfung (DTP/Hib/Polio/Hepatitis B-Impfung) + Pneumokokken-Impfung (jeweils im Abstand von 4 Wochen und länger)

ab vollendetem 11.Lebensmonat: 1. Masern/Mumps/Röteln/Windpocken-
Impfung (auch ab 9. Lebensmonat), 4. DTP/Hib/Polio/Hepatitis B -Impfung
+ Pneumokokken-Impfung 

ab vollendetem 12. Monat: Meningokokken-Impfung
ab vollendetem 15. Lebensmonat: 2. Masern/Mumps/Röteln/Windpocken-
Impfung
nach 4 Wochen Durchführung fehlender Impfungen
ab vollendetem 5. - 6. Lebensjahr: DTP-impfung als TdaP(nicht früher als 5 Jahre nach letzter TD-Impfung) ab vollendetem 

9. - 17. Lebensjahr: Durchführung fehlender Impfungen,
Tetanus/Diphtherie/Pertussis/Polio-Impfung als TdaP-IPV (nicht früher als 5 Jahre nach letzter Td-Impfung) 

Mädchen von 9 – 13 Jahren: 2x HPV-Impfung, ab 14 Jahren 3x HPV Impfung

Nach noch nicht von der STIKO empfohlenen, aber erhältlichen Impfungen z. B. die Meningokokken B-Impfung oder nach Kostenübernahme für andere, von der STIKO empfohlene Impfungen (wie Grippe- und „Zecken“-Impfung in begründeten Fällen), fragen Sie in Ihrer Praxis.

Rotavirus (RV)-Schluckimpfung

RV sind die häufigste Ursache von Magen-Darm-In­fektionen bei Kindern unter 5 Jahren. Ziel der RV-Impf­ung ist es, schwere RV-Infektionen zu verhin­dern, die zur Behandlung im Kran­kenhaus oder zum Todesfall führen. Die RV-Schluckimpfung von Säuglingen soll im Alter von 6 bis 12 Wo­chen begonnen werden und muss je nach Impfstoff bis zur vollendeten 24. bzw. 32. Lebenswoche abgeschlossen sein. Die gleichzeitige Gabe der RV-Impfung mit anderen Standardimpfun­gen ist möglich.

Jedes Kind, das innerhalb einer Woche nach der Impfung Symp­tome wie star­ke Bauchschmerzen, anhaltendes Erbre­chen, blutige Stühle entwickelt, die auf eine Darmverschlingung hindeuten könnten, muss umgehend einem Arzt vorgestellt werden.

Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten-Hib-Polio-Hepatitis B - Impfung

Diphtherie und Tetanus (Wundstarrkrampf) sind Infektionskrankheiten, die schwer zu behandeln sind und zu Schäden oder Tod führen können.
Pertussis (Keuchhusten) ist durch die Schwere der Krankheit mit Komplikationen und möglichen Todesfällen im Säuglings- und Kleinkindesalter gefürchtet.
Haemophilus-influenza-b-Infektionen bedrohen Kinder unter fünf Jahren durch Kehlkopf- und Hirnhautentzündung, Hör- und Entwicklungsstörungen sowie Todesfälle.

Polio (Kinderlähmung) kann zu Lähmungen und Todesfällen führen.

Hepatitis B, eine Leberinfektion, kann zu chroni-schen Leberschäden oder Leberversagen führen.

Pneumokokken – Impfung

Pneumokokken sind die häufigsten bakteriellen Erreger von Mittelohr- und Lungenentzündung. Mit den Meningokokken sind sie auch die häufigsten Erreger einer eitrigen Hirnhautentzündung, die häufig zu bleibenden Schäden und Tod führt. Die Impfung wird für alle Kinder bis 24 Monate empfohlen.

Masern-Mumps-Röteln-Windpocken-Impfung

Masern führen auch zu Mittelohr- und Lungenent-zündungen, nicht selten zu Gehirnentzündungen mit Schäden und zu Todesfällen. Weltweit sterben jährlich ca. 1 Million Kinder an Masern.

Mumps kann Hirnhautentzündung, Hörverlust und spätere Unfruchtbarkeit verursachen.

Röteln verlaufen meist harmlos, gefährden bei Infektion einer Schwangeren in den ersten drei Monaten das ungeborene Kind, so dass es dann zu Fehlgeburt, Augenschäden, Taubheit, Herzfehlern und Hirnschäden kommt.
Durch die Impfung aller Kinder wird eine mögliche Rötelninfektion einer Schwangeren verhindert. 


Varizellen (Windpocken) sind schon zwei Tage vor Auftreten des blasigen Ausschlags ansteckend. Durch mögliche Komplikationen sind Neugeborene, Kinder im 1. Lebensjahr und nach dem 16. Lebensjahr, Kinder mit Abwehrschwäche und schwerer Neurodermi-tis besonders gefährdet. Windpocken können bei allen Kindern zu Entzündungen der Haut mit Narbenbildung, Lungen- und Gelenkentzündungen führen. Während der Erkrankung kann das Kind eine Woche lang Kindergarten oder Schule nicht besuchen. Eine Infektion in der Schwangerschaft gefährdet das ungeborene Kind.

Meningokokken-Impfung

Eine Infektion mit Meningokokken tritt meist aus völliger Gesundheit auf, verläuft zunächst ohne Symptome und kann in wenigen Stunden durch Blutvergiftung und/oder Hirnhautentzündung zum Tode führen. In leichteren Fällen kommt es zu Spätschäden mit Entwicklungsstörungen, Lähmungen, Krampfanfällen, Intelligenzminderung, Lernschwierigkeiten, Taubheit.

Die hohe Wirksamkeit und Sicherheit der Impfung wurde in mehreren westeuropäischen Ländern nachgewiesen. Die STIKO empfiehlt daher für alle Kinder die Impfung im 2. Lebensjahr und später.

HPV-Impfung

Humane-Papillom-Viren HPV können für das Entstehen von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sein. Daher wird für Mädchen von 9 bis 17 Jahren diese Impfung empfohlen, um eine Verringerung der Zahl von Erkrankung mit Gebärmutterhalskrebs zu erreichen.

Vorteile von Kombinationsimpfstoffen:

  • Kombinationsimpfstoffe sind wegen folgender Vorteile gegenüber Einzelimpfungen zu bevorzugen:
  • frühe Abwehr gegen mehrere Krankheiten,
  • weniger Einstiche und Belastungen für das Kind,
  • weniger Zusatzstoffe durch weniger Impfungen,
  • seltenere Impfreaktionen.

Welche Impfungen gibt es noch?

Über weitere von der STIKO empfohlene Impfungen, die nicht für alle Kinder nötig sind oder die bei Auslandsreisen wichtig sind, können Sie sich in der Praxis informieren. Die Kosten dieser Impfungen werden nicht von allen Krankenkassen übernommen.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die empfohlenen Impfstoffe werden meist gut vertragen. Doch kann es auch bei Impfungen zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen.

Harmlose Impfreaktionen sind Druckempfindlichkeit, Rötung, Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle. Allgemeinsymptomen wie Reizbarkeit, Schreien, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Durchfall, grippeähnliche Symptome und Fieber können innerhalb weniger Tage nach der Impfung auftreten. Sie verschwinden meist spontan nach drei Tagen. Bei der Impfung Masern-Mumps-Röteln-Windpocken können sie vom 5. bis 11.Tag auftreten. Dauern Impfreaktionen länger oder beeinträchtigen das Kind, lassen Sie es untersuchen.

Bei sehr seltenen Impfkomplikationen (<1 auf 10000 Impfungen)wie Hautausschlag, Juckreiz, Blässe, Schwellungen am Körper oder Bewusstseinstrübung ist sofort kinderärztliche Hilfe nötig.

Andere Nebenwirkungen, die nach der Markteinführung eines Impfstoffes aus Spontanberichten gemeldet wurden, sind in ihrer Häufigkeit nicht zuverlässig abschätzbar; sie können zu Blutbildveränderungen oder neurologischen Symptomen führen oder andere Organsysteme betreffen.

Nur in extrem seltenen Fällen führen Impfungen zu gesundheitlichen Schäden.

Das Risiko einer schwer verlaufenden Krankheit ist ungleich höher als das einer sorgfältig durchgeführten Impfung.

Wann impfen lassen?

Der Zeitpunkt der Impfungen ist im Impfkalender der STIKO festgelegt. Nur nach gründlicher Abwägung kann davon abgewichen werden.

Zum Zeitpunkt der Impfung darf das Kind keinen wesentlichen Infekt haben. Vor jeder Impfung wird das Kind untersucht. Die Impfung muss im Impfbuch eingetragen werden.

Sie haben in der Praxis vor einer Impfung immer Gelegenheit, Antworten auf weitere Fragen zu erhalten, die Ihnen durch diese Informationen nicht ausreichend beantwortet worden sind.

© 9/2015

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