Kinder- & Jugendärzte im Netz

Ihre Haus- & Fachärzte von der Geburt bis zum vollendeten 18. Lebensjahr

Herausgeber:

Dr.med. Gunthild Kayser, Bonn

Hier haben wir eine Hitliste der beliebtesten Fragen aus der Sprechstunde für Sie zusammengestellt. Die Antworten haben keinen Anspruch auf wissenschaftliche Vollständigkeit, sondern entspringen unseren Erfahrungen aus Kinderklinik, Praxis und Familie.

ANTIBIOTIKA

Wie oft setzen wir Antibiotika ein?

Wie andere Medikamente auch: so wenig wie möglich, so oft wie nötig. Bei manchen Krankheiten, z.B. einer bakteriellen Mittelohr- oder Lungenentzündung, ist der Einsatz jedoch unabdingbar, um bleibende Folgen zu vermeiden. 


ATTESTE

Warum ist ein Attest gebührenpflichtig?

Die Ausstellung eines Attestes, einer Schulbescheinigung oder einer Gesundschreibung sehen die Gesetzlichen Krankenversicherer als Privatsache an. Das gilt auch für die sog. "Kindergarten-Untersuchung", d.h. eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für Gemeinschaftseinrichtungen.

Mit anderen Worten: derlei Bescheinigungen sind keine Kassenleistung. Gleichwohl darf ein Arzt aus Wettbewerbsgründen keine Leistung "umsonst" erbringen. Die Abrechnung erfolgt über die Ziffer 70 der Gebührenordnung für Ärzte. Wir berechnen je nach Umfang 2,50€ bis 5,00€.

Ist vor Ausstellung einer Bescheinigung eine Untersuchung erforderlich, müssen wir auch diese in Rechnug stellen. Die Gebühren richten sich nach dem Aufwand.

"Entschuldigungen" für die Schule

...sind Elternsache. Auch wenn Lehrer bei Fehlzeiten über 3 Tage eine ärztliche Bescheinigung verlangen, ist das nicht rechtens. Lediglich bei begründetem Zweifel kann die Schule die Eltern dazu auffordern, ein ärztliches Gutachten einzuholen. Link: Schulgesetz NRW => s. §43 Absatz(2). Ausnahme ist das krankheitsbedingte Versäumen eine Klausur in der gymnasialen Oberstufe. Dafür ist ein ärztliches Attest erforderlich.

"Kinder - AU"

Die Bescheinigungen über die Erkrankung eines Kindes unter 12 Jahren zur Vorlage bei Arbeitgeber und Krankenkasse erhalten gesetzlich Versicherte kostenfrei. Bei Privatversichterten fällt die GOÄ-Nr. 70 zur Anrechnung.


 

BAUCHSCHMERZEN

Was hilft gegen Dreimonatskoliken?

  • Ruhe und Geduld
  • Bauchmassagen
  • Probiotikum mit Lactobacillus reuteri (Apotheke)

Tropfen mit Dimeticon etc. helfen laut wissenschaftlichen Studien nicht und wurden im Verbrauchertest nicht empfohlen (Literatur: ÖKOTEST-Magazin, August 2012).

  • weitere Tipps unter "Schreien"

ERNÄHRUNG

Wie lange sollen Sie stillen?

Säuglinge (mit und ohne Allergierisiko) sollten mindestens vier Monate voll gestillt werden, entsprechend der WHO-Definition "predominant breastfeeding". Entgegen früherer Annahmen gibt es keinen Vorteil durch längeres, ausschließliches Stillen. Auch nach Einführung der Beikost dürfen Sie stillen, solange Sie und Ihr Kind mögen (Link: Ernährung gesunder Säuglinge => DownloadsLink: Stillen und Beikost).

Und ab wann und wie sollten Sie Beikost einführen?

Aufgrund des steigenden Nährstoffbedarfes empfehlen wir hierzulande den schrittweisen Aufbau der Beikost ab dem vollendeten 4. Lebensmonat, spätestens dem 6. Lebensmonat. Das Vorenthalten bestimmter Nahrungsmittel ist nicht sinnvoll (Link: Beikosteinführung). Schauen Sie auch auf  Leitlinie zur Allergieprävention auf die Seiten 9 und 10.

Quelle: Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund GmbH

Was ist vom "Baby-led-weaning" zu halten?​

Dieser Trend hat den Nachweis, den ernährungsphysiologischen Bedarf des Säuglings zu decken, bisher nicht erbracht. Wenn im zweiten Lebenshalbjahr der Energie- und Nährstoffbedarf steigt, müssen die Milchmahlzeiten durch ausgewogene Beikost ergänzt werden. Das schließt "Fingerfood" nicht aus - jedoch muß das Kind mundmotorisch in der Lage sein, stückige Kost zu bewältigen, sonst besteht die Gefahr des Verschluckens. Nehmen Sie sich Zeit, Ihr Kind an feste Kost zu gewöhnen. Führen Sie es durch gemeinsame Mahlzeiten zu festen Zeiten bei Tisch an sinnliches Essen heran.


ESSEN

Nur Nudeln und Ketchup - was hilft bei Mäkeligkeit?

Gelassenheit. Wenn Ihr Kind kein Gemüse mag, folgt es nur seinem evolutionären Erbe. Viele Gemüsesorten haben eine leicht bittere Note, und die bedeutet in der Natur oft "giftig" - im Gegensatz zu süß. Verlassen Sie sich darauf, daß in unserer Gesellschaft kein Kind von Mangelernährung bedroht ist.

Seien Sie Vorbild. Vermitteln Sie Ihrem Kind, daß Essen und gemeinsame Mahlzeiten etwas Schönes sind. Preisen Sie den Geschmack der betreffenden Speisen.

Wiederholung. Bringen Sie das ungeliebte Essen einfach immer wieder auf den Tisch.

Belohnung. Loben Sie Ihr Kind, wenn es das angebotene Gemüse doch probiert hat.

Not macht erfinderisch. Irgendein Obst oder Gemüse schmeckt jedem Kind. Säfte oder Smoothies sind eine Alternative. Gemüse oder Fleisch können Sie pürieren und in Form von Soße ins Essen mogeln. 


FIEBER

Ist Fieber gefährlich?

Es kommt darauf an, welche Erkrankung zugrunde liegt. Fieber an sich ist ein natürlicher Abwehrmechanismus unseres Körpers. Die hohe Temperatur hilft dem Organismus, mit Krankheitserregern fertig zu werden. Kinder fiebern leicht relativ hoch, auch über 40°C.

Ab welcher Temperatur sollen Sie Ihrem Kind ein "Fieberzäpfchen" verabreichen?​

Das hängt nicht vom Fieber, sondern vom Allgemeinzustand Ihres Kindes ab. Bedenken Sie, daß die sogenannten "Fieberzäpfchen" und "Fiebersaft" primär Schmerzmittel sind. Diese Medikamente setzen Sie ein, wenn Ihr Kind Schmerzen hat und leidet - unabhängig von der Höhe der Temperatur! (Link: WJCP)

Wenn möglich, geben Sie nach einer Impfung kein Paracetamol, da es die Impfantwort beeinträchtigt (Link: The Lancet).

Kommt es dann nicht zu Fieberkrämpfen?

Manche Kinder neigen zu Fieberkrämpfen. Diese ereignen sich jedoch weniger bei sehr hoher Körpertemperatur, sonden überwiegend bereits im Fieberanstieg. Meist hören sienach einigen Minuten von alleine auf. Durch fiebersenkende Maßnahmen lassen sie sich nicht verhindern. DGKJ - Elterinfo "Fieberkrampf"

Was können Sie tun?

Die Aufgabe des Fiebers ist, den Infekt zu bekämpfen.

Ihre Aufgabe ist nicht, das Fieber zu bekämpfen.

Achten Sie auf die Signale Ihres Kindes. Friert es, steigt das Fieber gerade. Dann fühlt es sich wohl, wenn Sie es zudecken. Sorgen Sie dafür, daß die entstehende Wärme abstrahlen kann. Also nicht dick einpacken oder extra warme Sachen anziehen. Wadenwickel sind bei Kindern nicht sinnvoll. Sie können die Stirn, evtl. auch den Bauch, mit einem feuchten (nicht zu kalten!) Waschlappen kühlen. Beginnt das Kind zu schwitzen, sinkt das Fieber. Wechseln Sie feuchte Kleidung und Bettwäsche. Bei Fieber benötigt der Körper mehr Flüssigkeit als sonst. Halten Sie Ihr Kind stetig an zu trinken.

Wann sollen Sie ein fieberndes Kind untersuchen lassen?

Sie sollten Ihr Kind immer gut beobachten. Wenn es ausreichend trinkt und relativ gut gelaunt ist, können Sie 2 bis 3 Tage abwarten. Sollte es Ihnen nicht gefallen, schlecht trinken, unangemessen schlapp oder gar nackensteif oder berührungsempfindlich sein, lassen Sie es sofort untersuchen. Kleine Säuglinge sollten generell bei Fieber einem Kinderarzt vorgestellt werden.

Link: DGKJ - Elterninfo "Fieber"


FLUOR

Welche Kariesprophylaxe ist sinnvoll?

Fluor-Prophylaxe Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz in unserem Körper - wenn dort Fluorid eingebaut wird. Das beginnt schon im Mutterleib und im frühen Säuglingsalter. Unser aufbereitetes Trinkwasser enthält heutzutage jedoch relativ zuwenig Fluor. Daher lautet die Empfehlung der DGKJ (Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin): geben Sie Ihrem Baby im ersten Lebensjahr Fluor. Praktisch ist die Kombination mit Vitamin D in Tablettenform ab dem 10. Lebenstag. (Literatur: Monatsschr Kinderheilk 2013; 161: 508-509)

Zähenputzen Wenn die Zähne durchbrechen, muß Fluorid durch  fluorhaltige Kinder-Zahncreme eingeputzt werden: eine kleine Menge einmal täglich, ab dem ersten Geburtstag zweimal täglich. Keine Ausnahme! Nachputzen! Bis zum Alter von 4 bis 5 Jahren ist die kindliche Motorik noch nicht ausreichend.

Ansteckung vermeiden Bitte nehmen Sie den Schnuller Ihres Kindes nicht selbst in den Mund. Vertauschen Sie die Zahnbürsten nicht.

Gesunde Mundflora erhalten Über Zucker und Dauernuckeln freuen sich die Kariesbakterien. Geben Sie Ihrem Kleinkind nicht ununterbrochen die Nuckel- oder Trinkflasche in die Hand - auch wenn nur Wasser darin ist (und erst recht zuckerhaltige Getränke!). Das ständige Umspülen schädigt den Schutzfilm der Mundhöhle.


HAUSMITTEL

Wirkt das Aufträufeln von Muttermilch gegen Bindehaut- oder Nabelentzündung / Schnupfen / Ekzeme?

Die Muttermilch hat viele wertvolle Inhaltsstoffe, auch Antikörper, wirkt aber nicht antibiotisch. Im Gegenteil: darin tummeln sich jede Menge Bakterien (mit denen der Verdauungstrakt des Säuglings mühelos fertig wird). Die Verwendung als Nasen- oder Augentropfen ist daher nicht sinnvoll. Auch als Hautemulsion ist Muttermilch nicht wirklich geeignet, weil sie zu wässrig und nicht fetthaltig genug ist.


HAUTPFLEGE

Braucht Babyhaut Pflege?

Selbstverständlich; die Haut von Säuglingen produziert noch kaum Fett. Durch Waschen und Baden wird der Haut Feuchtigkeit entzogen. Cremen Sie Ihr Kind nach jedem Bad mit einer guten Pflegeserie ein. Manche Kinder, die sehr trockene Haut haben oder gar zu Ekzemen neigen, benötigen jeden Tag Pflege.

Welchen Sonnenschutz brauchen kleine Kinder?

Direkte UV-Strahlung meiden. Babies unter 1 Jahr gehören nicht in die pralle Sonne. Am besten halten sie sich im Schatten auf.

Sonnencreme: wenn sich ein sonnenreicher Tag ankündigt, sollten Sie Ihr Kind bereits morgens eincremen, mindestens aber 30 Minuten vor Sonnenexposition. Für Kleinkinder ist physikalische (mineralische) Sonnencreme mit LSF 30 geeignet. Verwenden Sie eine ausreichende Menge. Tragen Sie sicherheitshalber nach dem Einziehen die Creme noch einmal auf.

Sonnencremes für Kinder: Link: Testsieger

Sonnenschutz: ein Hütchen mit Krempe oder ein Käppi mit Schirm und Nackenschutz. Es gibt auch spezielle Kleidung und Badesachen mit UV-Schutz. Achten Sie auf das Siegel "UV-Standard 801".

UV-Index: können Sie per App oder auf www.uv-index.de verfolgen. Ab 3 ist Sonnenschutz angesagt; ab 8 sollten Sie die Sonne meiden.

Außerdem:

Sonnenbrille: achten Sie auf "Breitband UV-400-Schutz" mit CE Siegel. Am besten lassen Sie sich von einem Optiker beraten.

Siesta: meiden Sie die Mittagshitze zwischen 10 und 16 Uhr!

Trinken! Bei großer Hitze denken Sie an genügend Flüssigkeit!


Befürworten wir alternative Heilmethoden?

Sofern es Evidenz für die Wirksamkeit gibt, ja.

Ehrlich gesagt: die Verfolgung seriöser Untersuchungen, meine empirische Erfahrung aus über 20jähriger Praxistätigkeit und Selbstversuche haben mich nicht von der Sinnhaftigkeit homöopathischer Mittel überzeugen können.

Ich persönlich halte es für zweifelhaft, Kinder von kleinauf damit auf die Behandlung jeder Befindllichkeitsstörung zu prägen.

Sehr informativ ist die ZDF - Dokumentation zum Thema Homöopathie.


HUSTEN

Husten ist keine Krankheit, sondern ein natürlicher Reflex. Er stößt Staub, Fremdpartikel wie Staub, Verschlucktes, Krankheitserreger und auch Sekret aus. Ein gesunder Mensch hustet bis zu 20mal am Tag.

Husten ist nützlich. Er hilft, Krankheitserreger und Schleim loszuwerden. Wissenschaftliche Stufen haben bewiesen, daß Husten weder durch "Hustensaft" noch Antibiotika schneller weggeht.

Husten tritt meist im Rahmen von Atemwegsinfekten auf. Hierfür sind überwiegend Viren verantwortlich. Damit muß der Körper ohne Medikamente fertig werden. Eine gute körpereigene Abwehr kann auch Bakterien in Schach halten. Bei Komplikationen wie einer Lungenentzündung ist ein Antibiotikum angezeigt.

Tritt Husten unabhängig von Infekten auf oder hält über einen längeren Zeitraum an, sollte ein Arzt der Ursache auf den Grund gehen.

Nützt "Hustensaft"?

Jein. Husten ist ein gesunder Reflex, der den Schleim aus den Bronchien befördert. Bei Erkältungsinfekten gibt es verschiedene Stadien, die Sie mit Schleimlösern nicht beeinflussen können:

1. Am Anfang der Erkältung steht meist trockener Reizhusten. Hier kann ein Hustenstiller lindern.

2. Der Schleim löst sich langsam, so daß Hustensaft entbehrlich ist. Wichtig ist jetzt, besonders viel zu trinken. Durch Abklopfen des Brustkorbes, von unten nach oben, rechts und links abwechselnd, können Sie den Schleim mobilisieren.

3. Der Husten ebbt langsam ab. Das kann insgesamt 2 Wochen dauern.

4. Die Bronchialschleimhaut braucht noch etwa 4 Wochen, um sich vollständig zu erholen. Während dieser Phase ist sie noch besonders empfindlich für erneute Infekte.

Link: DGKJ - Elterninfo "Husten"


IMPFEN

Unsere Meinung zu Impfungen?

Laut der UN-Gesundheitsorganisation WHO hat jedes Kind ein Recht auf das größtmögliche Maß an Gesundheit. Impfungen sind segensreiche Errungenschaften der modernen Medizin zum Abwenden bestimmter Infektionskrankheiten, die mit hohen Komplikationsrisiken einhergehen. Bewiesene Impfschäden treten dagegen hierzulande nur einige wenige pro Jahr auf.

Selbstverständlich hat jeder die Freiheit, für sich das Risiko einer Wilderkrankung einzugehen. Gleichwohl besteht die Herausforderung für Eltern darin, im Namen eines Kindes die optimale Entscheidung zu treffen.

Wer seinem Kind den Impfschutz vorenthält, schadet möglicherweise nicht nur ihm, sondern auch Kindern, die noch zu klein für eine Impfung sind, oder Personen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können. Sie sind auf die sog. "Herden-Immunität" ihrer Umgebung angewiesen.

Neben dem Schutz der eigenen Gesundheit bzw. der unserer Kinder trägt jeder von uns auch die Verantwortung für ungeschützte Mitmenschen, die leider keine Wahl haben. Link: Musketierprinzip.

Folgerichtig hat die WHO die Vermeidung oder Verzögerung von Impfungen 2019 in ihre Top 10 - Liste der globalen Gesundheitsbedrohungen aufgenommen - Link: siehe unter "Vaccine hesitancy".

So können Sie Ihrem Kind die Impfung erleichtern:

Schauen Sie sich die Tipps auf der Seite der BZgA an.

Ist ein Baby mit zwei Monaten nicht viel zu klein zum Impfen?

Gerade weil es so jung ist, möchten wir es vor Ansteckung bewahren. Der Nestschutz hat diese Aufgabe in den ersten Lebenswochen erfüllt - nun ist das eigene Immunsystem dran. Von Geburt an beschäftigt sich dieses tagtäglich mit unzähligen Krankheitserregern. Beispielsweise hält es die Bakterien, die unsere Haut, Schleimhäute und den Verdauungstrakt besiedeln, in Schach. Trainiert wird es einerseits durch Infekte, andererseits (ohne krank zu werden!) durch Impfungen.

Der Nestschutz für Masern und Windpocken hält bis ins zweite Lebenshalbjahr an, daher warten wir mit diesen Impfungen bis kurz vor den ersten Geburtstag.

Ist die Gabe von "Fieberzäpfchen" nach einer Impfung sinnvoll?

Wenn es sich vermeiden lässt: nein! Schon seit einigen Jahren weiß man, daß die prophylaktische Gabe von Paracetamol die Impfantwort des Körpers sogar verschlechtert (Link: The Lancet). Dagegen gibt es Hinweise darauf, daß sich Fieber nach der ersten MMRV-Impfung im frühen Kindesalter positiv auf die Antikörperbildung auswirkt (Lit.: Carazo Perez et al., Epidemiol Infect. 2018 Jub 11: 1-9).

Kann mein Kind trotz einer Erkältung geimpft werden?

Hierzu sagt die STIKO (Ständige Impfkommission):

"Häufig unterbleiben indizierte Impfungen, weil bestimmte Umstände irrtümlicherweise als Kontraindikationen angesehen werden. Dazu gehören zum Beispiel:

  • banale Infekte, auch wenn sie mit subfebrilen Temperaturen (<38,5°C) einhergehen; (...)"

Die Antwort lautet also: ja. Letztendlich entscheiden aber Sie als Eltern, ob die Impfung stattfinden soll.

Impfen wir auch die Eltern?

Die eigenen Eltern sind zu 50% die Infektionsquelle, wenn Säuglinge erkranken. Deswegen bieten wir Ihnen an, auch Ihren Impfstatus zu überprüfen und ggf. Impflücken zu schließen.


INFEKTE

Welche Erkrankungen sind ansteckend?

Alle Krankheiten, bei denen Bakterien, Viren oder Pilze von Mensch zu Mensch übertragen werden können, z.B. Erkältung, grippaler Infekt, Magen-Darm-Infekt, Scharlach, Bindehautentzündung...

Woher kommt ein Infekt?

Das sagt schon das Wort: man steckt sich irgendwo an - bei einem Spielkameraden, Geschwisterkind oder einer erwachsenen Kontaktperson. Der Überträger muß nicht unbedingt selbst erkrankt sein. Auch über einen kontaminierten Gegenstandes kann man sich infizieren - ein Türgriff, ein Spielzeug, in einem öffentlichen Verkehrsmittel, auf dem Spielplatz...

Wann kann das Kind wieder in den Kindergarten / die Schule?

Das hängt davon ab, wie schnell Ihr Kind gesund wird. Es sollte einen Tag fieberfrei sein bzw. keinen Durchfall mehr haben bzw. nicht mehr arg husten und niesen. Stellen Sie sich einfach vor, was Sie davon hielten, wenn ein derartig krankes Kind mit Ihrem eigenen Kontakt hätte.

Pflegen Sie Ihr Kind lieber zuhause bis es sich erholt hat, bevor Sie es zu früh in eine Gemeinschaftseinrichtung geben (wo der nächste Infekt wartet...).

Warum ist das Kind ständig krank?

Ab Geburt ebbt der Nestschutz ab und ist mit etwa einem Jahr verschwunden. Gleichzeitig muß das Immunsystem trainieren und eigene Antikörper bilden, indem es sich mit jedem einzelnen Krankheitserreger auseinandersetzt. Das sind etwa 200. Man erwirbt sie überall da, wo man mit Menschen zusammentrifft: in der Krabbelgruppe, beim PEKiP, in der KiTa, dem Kindergarten, der Schule... Um die 10 fieberhafte Infekte pro Jahr sind normal. Bei Geschwisterkindern oder in Gemeinschaftseinrichtungen können es sogar bis zu 15 pro Jahr sein. Link: DGKJ - Elterninfo "Infekte"


 

SCHLAFEN

Warum schläft das Kind nicht durch?

Machen Sie sich ein paar Fakten klar:

  • Jeder Mensch, ob groß, ob klein, wacht nachts auf, bis zu 30 Mal. Das hat einerseits mit den Schlafphasen zu tun, andererseits mit dem Instinkt, sich zu vergewissern, ob rundherum noch alles in Ordnung ist.
  • Grundsätzlich haben auch Säuglinge die Fähigkeit, sich selbst wieder zum Schlafen zu bringen.
  • Zum Weiterschlafen braucht man die gewohnte Situation.

Jetzt kommen Sie ins Spiel: wenn diese gewohnte Situation daraus besteht, daß Sie Ihr Kind aufnehmen, anlegen, ins Elternbett nehmen oder mit ihm herumlaufen und ihm vorsingen, ist es an diese "Einschlafhilfe" gewöhnt. Es wird dieses Ritual immer wieder einfordern und vorher nicht zur Ruhe kommen. Gleichzeitig bringen diese Aktivitäten den Schlafrhythmus durcheinander und verhindern das Weiterschlafen. Da "beißt sich die Katze in den Schwanz".

Wie können Eltern helfen?

Machen Sie sich Ihre Vorstellungen bewusst.

Finden Sie es schön, mit Ihrem Baby in einem Bett zu schlafen? Dann brauchen Sie nichts ändern. Rechnen Sie allerdings damit, daß Sie sich weiterhin gegenseitig durch Geräusche, Bewegungen und unterschiedliche Körpertemperatur im Schlafrhythmus beeinflussen und wecken.

Möchten Sie etwas ändern? Mutter und Vater sollten sich unbedingt absprechen und einig sein. Im Vorfeld helfen "Einschlaf-Rituale", immer gleich, immer zur selben Uhrzeit, welche das Zubettgehen einläuten. Ziel ist, das Kind im eigenen Bett einschlafen und weiterschlafen zu lassen. Wenn es sich rührt, warten Sie erst einmal ab, ob es allein in den Schlaf zurückfindet (vorausgesetzt, es hat keinen Hunger). Beruhigen Sie es ggf. mit leiser Stimme und durch sanftes Streicheln des Köpfchens.

Bei hartnäckigem Schlafstörungen haben Sie zwei Möglichkeiten. Einerseits hilft die "Freiburger Sanduhrmethode" (ab 12 Monate), wobei die Phase der Umgewöhnung kaum ohne Schreien einhergeht. Wenn Sie konsequent sind, haben Sie nach spätestens zwei Wochen, meist aber schon nach einigen Tagen, Erfolg. Etwas langwieriger ist die Möglichkeit, daß sich die Eltern als "Einschlafhilfe" schrittweise zurückziehen - allerdings ohne das Kind aufzunehmen oder ins Elternbett zu holen. Hilfreich ist hierbei ein "Stellvertreter", z.B. ein Kuscheltier.


SCHREIEN

Warum schreit das Baby abends andauernd?

Zunächst hat es kaum eine andere Möglichkeit, seinen Unmut auszudrücken. Der Grund ist nicht zwangsläufig Hunger oder Bauchschmerzen. Im Gegenteil: pausenloses Füttern überfordert den Magen; beim Schreien wird Luft geschluckt und führt zu Blähungen.

Neun Monate lang hat der kleine Mensch im Mutterleib Ruhe und Rundumversorgung genossen. Nun ist das kleine Gehirn noch relativ unreif, muß aber in den ersten Lebensmonaten eine enorme Anpassung leisten: Atmen und Trinken koordinieren, Geräusche, Sehen, Berührungen, und andere Sinneseindrücke verarbeiten, an- und ausgezogen und gebadet werden, Temperatur ausgleichen, sich an einen Tagesrhythmus gewöhnen!

Manche Babies schaffen das "im Schlaf", andere verdauen die Reizüberflutung schlechter. Sie können nicht abschalten und suchen vermeintlich immer mehr Abwechslung, um sich von dem Gefühl quälender Müdigkeit abzulenken. In den Abendstunden spitzt sich die Situation zu: das Kind wirkt unzufrieden, wehrt sich gegen die Horizontale und fordert scheinbar Aktionen der Eltern ein, während diese ebenfalls erschöpft sind und Ruhe suchen. Ein Teufelskreis beginnt; Eltern und Kind schaukeln sich in ihrer Anspannung gegenseitig auf. Der andauernde Schlafmangel und die Ratlosigkeit zermürbt alle drei.

Was können Sie tun?

  • Machen Sie sich klar: Ihr Kind schreit nicht, um Sie zu tyrannisieren oder weil Sie etwas falsch machen.
  • Bewahren Sie Ruhe. Widerstehen Sie dem Impuls, Ihr Kind aufzunehmen, herumzuwippen, zu schaukeln, im Kinderwagen oder dem Auto durch die Gegend zu fahren usw.
  • Lassen Sie Ihr Kind in seinem eigenen Bettchen einschlafen. Schirmen Sie weitere Reize (Spieluhr, Singen, buntes Licht...) ab. Manche Kinder mögen es, wenn man das Köpfchen sanft berührt und den Körper ganz sachte wackelt.
  • Viele Babies mögen "Pucken" Wir zeigen Ihnen gerne, wie das geht. Wichtig für die Hüften ist dabei: Beine anhocken!
  • Suchen Sie Entlastung! Nehmen Sie Hilfe von Großeltern oder Freunden an - und vertrauen ihnen! Gönnen Sie sich eine Auszeit; gehen Sie ins Kino, ins Spa oder spazieren.
  • Haben Sie Geduld! Diese erste Anpassungsphase außerhalb des Mutterleibes ist eine große Herausforderung für Ihr Baby und Sie, aber nach ein paar Monaten ist sie überstanden.
  • Informieren Sie sich bei der Deutschen Liga für das Kind

SCHULATTESTE

„Entschuldigungen“ für die Schule schreiben die Eltern!

So steht es im Schulgesetz NRW, nachzulesen unter §43 Absatz (2):

„Ist eine Schülerin oder ein Schüler durch Krankheit oder aus anderen nicht vorhersehbaren Gründen verhindert, die Schule zu besuchen, so benachrichtigen die Eltern unverzüglich die Schule und teilen schriftlich den Grund für das Schulversäumnis mit. Bei begründeten Zweifeln, ob Unterricht aus gesundheitlichen Gründen versäumt wird, kann die Schule von den Eltern ein ärztliches Attest verlangen und in besonderen Fällen ein schulärztliches oder amtsärztliches Gutachten einholen.“

Die schulinterne Regel, ab einer Fehlzeit von mehr als 3 Tagen eine ärztliche Bescheinigung zu verlangen, ist unzulässig. Ausnahme: Fehlen an Klausurtagen in der gymnasialen Oberstufe bzw. bei Abiturprüfungen.

Derartige Atteste gehören NICHT zu den Leistungen der Krankenversicherungen. Ärzte sind verpflichtet, von den Patienten dafür eine Gebühr gemäß der Gebührenordnung für Ärzte zu erheben.


 

SONNENSCHUTZ

  • s. "Hautpflege"

ÜBERWEISUNGEN

Ist ein Überweisungsschein quartalsübergreifend?

Jawohl! Wer es nicht glaubt, schaut in die Anlage 2 zum Bundesmantelvertrag - Ärzte (BMV-Ä): Seitte 22, Muster 6, Punkt 2.


 

VORSORGEN

Informationen Merkblätter und Videos (auch in Fremdsprachen) hält die Deutsche Liga für das Kind bereit.

Warum rufen wir die Kinder ab der U8 alleine auf?

In all den Jahren haben wir die Erfahrung gemacht,  daß die Kinder ab 4 Jahren unbefangener sind und viel besser abschneiden, wenn sie selbständig mitarbeiten. Deswegen führen wir die Voruntersuchungen am liebsten mit Ihrem Kind alleine durch und ziehen Sie anschließend hinzu. Vertrauen Sie uns! Ihr Kind ist nachher stolz auf sich und hat an Selbstvertrauen gewonnen. 

Wenn Ihr Kind unsicher oder ängstlich ist, dürfen Sie es natürlich begleiten. Für alle Ihre Fragen nehmen wir uns selbstverständlich Zeit.


ZECKEN

Wie kann man sich gegen Zecken schützen?

  • Mit Insektenschutzmittel einsprühen.
  • Beine bedecken mit langen Hosen, Strümpfen und geschlossenen Schuhen.
  • Abends den ganzen Körper nach Zecken absuchen (die bis zum Kopf hochkrabbeln können!).

Kann man sich gegen Zecken impfen lassen?​

Nein; gegen Zecken selbst nicht.

Zecken können verschiedene Krankheitserreger übertragen, z.B.

  • das FSME-Virus, das bei uns nicht vorkommt. Eine Impfung ist empfehlenswert vor einem Aufenthalt in einem Risikogebiet, z.B. Süddeutschland oder Österreich. Mit der Immunisierung beginnt man am besten einen Monat vor Abreise. Eine Karte der Verbreitungsgebiete, auch im Ausland, finden Sie auf www.rki.de.
  • Borrelien können überall vorkommen. Einen Impfstoff gibt es nicht.
  • Das Krim-Kongo-Fieber tritt in Südosteuropa, Asien und dem Nahen und Mittleren Osten auf. Auch dagegen kann man nicht impfen.

Was tun bei Zeckenbiß?

Fassen Sie den Kopf der Zecke mit einer spitzen Pinzette dicht über der Haut und ziehen sie vorsichtig senkrecht nach oben. Wenn ein winziger Teil der Beißwerkzeuge in der Haut stecken bleibt, ist das nicht schlimm.

Ist eine Laboruntersuchung sinnvoll?

Nein! Weder die Blutuntersuchung noch eine Untersuchung der Zecke ist zu diesem Zeitpunkt aussagekräftig.

Wann muß mein Kind zum Arzt?

Beobachten Sie den Einstich eine Woche lang. Falls sich eine ringförmige Rötung zeigt, suchen Sie sofort die Praxis oder Notfallpraxis auf. Die sog. Wanderröte ist ein Frühstadium der Borreliose und muß antibiotisch behandelt werden.