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Herausgeber:

Kinderarztpraxis Dudenhofen - Bernhard Hock, Dr. Emine Straube & Kolleginnen

 

Bettnässen bei Kindern ist kein Grund zur Scham
Durchschnittlich drei Kinder pro Grundschulklasse haben ein Problem: Sie nässen gelegentlich nachts ein. Über zehn Prozent aller Siebenjährigen können nachts die Blase noch nicht kontrollieren. Es passiert ihnen immer wieder, dass sie nachts "Pipi" ins Bett machen - und oft so tief schlafen, dass sie es nicht einmal merken.    Es ist für die Betroffenen peinlich, weil sie sich von Aktivitäten wie mehrtägigen Ausflügen in der Schule oder Übernachtungen bei Freunden ausschließen. Sie "müssen" sich dann immer wieder eine Ausrede ausdenken.
Sogar ein Prozent aller Jugendlichen und Erwachsenen sind von nächtlichem Bettnässen (medizinisch: Enuresis nocturna) betroffen. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich noch höher, denn das Problem ist ein Tabu-Thema.

Mediziner sprechen von Enuresis, wenn das Einnässen mindestens zwei Mal pro Monat vorkommt.                                                                                                             "Schimpfen hat mit Sicherheit gar keinen Sinn", sagt der Kinderarzt klar, da kein    Kind mit Absicht einnässt.      
Es gibt die sogenannte primäre Enuresis ( wenn das Kind noch nie über einen längeren Zeitraum von etwa einem halben Jahr trocken war) und die sekundäre Enuresis ( wenn das Kind bereits mindestens ein halbes Jahr trocken war und dann wieder einnässt).

Im Fall, dass das Kind noch nicht länger trocken war, sollten Sie als Eltern folgende Hinweise bedenken:

  • Zunächst können veränderte Verhaltensmaßnahmen ausprobiert werden. Die Haupttrinkmenge sollte in der ersten Tageshälfte liegen: Die Kinder dürfen tagüber viel trinken, aber nicht mehr kurz vor dem Zubettgehen. Das Abendessen mit Getränk gibt es beispielweise spätestens um 18.00 Uhr.
  • Manchmal hilft es auch schon, wenn die Kinder etwa um Mitternacht ( in der ersten Tiefschlafphase ) geweckt werden. Wichtig ist, dass die Kinder ganz wach werden dabei, denn das Wecken sollte den Körper darauf programmieren, von alleine wach zu werden. Wer regelmäßig um 24 Uhr geweckt wird und dann auf Toilette geht, wacht nach einiger Zeit automatisch auf. Danach schafft es die Blase oft, bis zum Morgen durchzuhalten.
  • Die nächtliche Kontrolle über die Blase ist zunächst ein Reifeprozess. Es ist durchaus normal, dass bis zu einem Alter von sieben Jahren diese Blasenkontrolle noch nicht ausgereift ist. Die komplette Kontrollfähigkeit ist unter Umständen erst mit zwölf Jahren entwickelt. Dabei spielen Hormone eine wichtige Rolle. Bei Kindern und Jugendlichen, die auch nach dem siebten Lebensjahr noch Bettnässen, wird oft nachts nicht genug anti-diuretisches Hormon , kurz ADH, gebildet. Diese Hormon sorgt normalerweise dafür, dass nachts weniger Harn gebildet wird ( der dafür konzentrierter ist, wie man morgens an Farbe und Geruch feststellen kann ) . Der ADH-Mangel führt somit nachts zu einer überfüllten Blase. Und wenn dann noch ein tiefer Schlaf dazu kommt, entleert sich die Blase unkontrolliert.
  • Der Kinderarzt kann abklären, ob eine akute oder chronische Infektion in Blase oder Niere vorliegt. Es gibt Entzündungen, auch mit seltenen Keimen, die aber gut behandelt werden können. Auch organische Fehlbildungen können mit Ultraschall ausgeschlossen werden.
  • Die sogenannte Klingelhose beziehungsweise Klingelmatte hat - ähnlich wie das nächtliche Wecken durch die Eltern - den Effekt, das Kind zu konditionieren: Diese spezielle Hose beziehungsweise Betteinlage klingelt bei Feuchtigkeit. Das Kind wacht also auf, wenn die Blase sich entleert. Nach einer Weile haben sich die Kinder an diese ( meist regelmäßigen ) Uhrzeiten gewöhnt und gehen selbständig auf die Toilette.
  • Inzwischen gibt es ein Ersatz für das ADH - Hormon auch in Tablettenform. Manche Kinder können damit therapiert werden und sie bleiben auch trocken, wenn das Medikament abgesetzt wird. Es ist in jedem Fall eine Hilfe, wenn beispielsweise ein Schulausflug mit Übernachtung ansteht.
Bis zum siebten Lebensjahr des Kindes sollte man Bettnässen nicht dramatisieren. Auch Vererbung spielt eine entscheidende Rolle. Wenn Vater, Mutter oder andere Verwandte spät trocken wurden, können die Eltern auch  von ihrem Kind keine frühe Blasenkontrolle verlangen.
Von psychologischen Interpretationen, dass das Kind ein seelisches Problem habe und daher "ins Bett weint" , raten die Experten ab. Hier einen psychischen Konflikt zu suchen, kann das Problem eher verschlimmern und die Scham des Kindes und der Eltern erhöhen. Ein mangelndes Selbstwertgefühl oder eine andere psychische Störung ist oft die Folge - nicht die Ursache - des Bettnässens.

 

Anders ist es im Fall der sekundären Enuresis: Wenn das Kind bereits trocken war, dann kann das wieder auftretende Bettnässen auf ein seelisches Problem hinweisen. Falls Infektionen und organische Krankheiten ausgeschlossen sind, kann dann der Kinderarzt oder -psychologe nachfragen, ob das Kind psychisch belastet ist. Beispielsweise könnte ein weiteres Geschwisterkind oder die Scheidung der Eltern der Auslöser sein. Es gibt inzwischen einige Initiativen, die das Thema Bettnässen enttabuisieren wollen und Hilfe sowie Beratung anbieten.

INFOS: EINZ (Enuresis Informations-Zentrum) e.V. 61348 Bad Homburg,                  Tel: 06172 - 306199
INFOS im Internet:
www.bettnaessen.de (Homepage von dem Deutschen Grünen Kreuz)
www.bettnaessen.at
www.bettnaessen.ch


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