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Erkältung (Grippaler Infekt)

Was ist eine Erkältung, ein grippaler Infekt?

Kleinkinder sind im Durchschnitt sechs- bis zehnmal im Jahr erkältet, Erwachsene trifft es immerhin noch zwei- bis dreimal pro Jahr. Erkältungskrankheiten werden durch Viren hervorgerufen, die Krankheitszeichen an den Schleimhäuten der Nase, des Rachens und der Atemwege verursachen. Schnupfen, Husten, Hals- und Gliederschmerzen – Erkältungen oder grippale Infekte sind ziemlich unangenehm, doch meistens recht harmlos. Der grippale Infekt darf nicht mit der „echten“ Grippe/ Influenza verwechselt werden!

Ursachen

Grippaler Infekt (© Serhiy Kobyakov - Fotolia.com)
© Serhiy Kobyakov - Fotolia.com

Erkältungskrankheiten treten vermehrt in der nasskalten Jahreszeit auf, im Frühjahr, Herbst oder Winter. Warum das so ist, ist noch nicht ganz geklärt, denn frieren allein ist kein Grund für eine Erkältung. Allerdings sind in einem unterkühlten Körper die Schleimhäute weniger gut durchblutet und damit auch leichter angreifbar für Erreger - der „äußere Schutzwall” unseres Abwehrsystems ist dadurch leichter durchlässig. Erkältungen werden durch unvorbereitete Abkühlung und immunschwächende Stresssituationen begünstigt. Übermüdete und auch unglückliche Menschen – Kinder wie Erwachsene – sind infektionsanfälliger, da ihr Immunsystem geschwächt ist.

Dass Kinder so viel häufiger erkältet sind als Erwachsene liegt an den über 200 verschiedenen Viren die eine derartige Erkrankung verursachen können. Bei jedem Kontakt mit einem bislang unbekannten Virus, ist das Immunsystem zunächst wehrlos, und das Kind wird krank. Im Laufe der Erkrankung werden dann aber Abwehrstoffe gegen diesen Erreger gebildet, die den Körper für den Rest des Lebens schützen.

Die Ansteckung erfolgt über Tröpfchen, die in die Luft gehustet oder geniest werden oder über den direkten Kontakt, z.B. beim Händeschütteln oder Spielen.

Symptome & Krankheitsbild

Erste Krankheitszeichen einer Erkältung sind häufig ein Jucken, Brennen oder Kribbeln in der Nase. Bald darauf setzt wässriger Schnupfen ein, verbunden mit verstärktem Niesreiz. Kratzen im Hals, leichte Schluckbeschwerden, Husten, eventuell Kopf-, unter Umständen auch Gliederschmerzen, Fieber sowie allgemeine Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Unwohlsein und Frösteln kommen dazu. Schnupfen tritt bei 80 % der Erkrankungen auf und ist damit das häufigste Krankheitszeichen eines grippalen Infekts. Schnupfenviren (Rhino-Viren) besiedeln die Nasenschleimhaut, die sich entzündet, anschwillt und vermehrt Sekret produziert, das zunächst wässrig ist. Später wird das Sekret zunehmend zäh und vermittelt das Gefühl der verstopften Nase.

Die Erkältungsviren schädigen auch die Schleimhaut der Atemwege, die mit Flimmerhärchen besetzt ist. Diese Härchen transportieren den ständig gebildeten Schleim nach oben, wodurch die Schleimhaut sich stetig selbst reinigt. Bei einer Erkältung wird aber mehr Schleim gebildet, der zäher als üblich ist, und deshalb schlechter abtransportiert wird. Er reizt die freien Nervenenden in den Atemwegen, wodurch der Schutzreflex „Husten“ ausgelöst wird. Zu Beginn einer Erkältung ist er meist noch trocken, also unproduktiv.

Zum Kinder- und Jugendarzt sollte man spätestens gehen, wenn das Kind länger als zwei Wochen hustet, wenn es heiser wird, wenn es Atembeschwerden hat oder über Schmerzen klagt. Ärztlichen Rat sollte man auf alle Fälle einholen, wenn sich der Schleim gelblich verfärbt oder durch Blutbeimengungen rötlich aussieht.

Die „echte” Grippe/Influenza wird zwar auch durch Viren übertragen, zählt aber nicht zu den Erkältungskrankheiten. Sie beginnt plötzlich, mit hohem Fieber und schwerem Krankheitsgefühl. Im Gegensatz zu den Erkältungsviren weiten sich Influenza-Viren sehr häufig auf Lunge, Gehirn oder Herz aus.

Auswirkungen

Falls sich die Viren weiter ausbreiten oder Bakterien die vorgeschädigten Schleimhäute zusätzlich infizieren, können sich weitere Erkrankungen einstellen. Anzeichen dafür liegen vor, wenn eine Erkältung nach einer Woche noch nicht vorbei ist oder hohes Fieber (über 39° C) dazu kommt.

Viele Kleinkinder erkranken in Folge eines Schnupfens an Ohrenschmerzen bis hin zu einer Mittelohrentzündung, weil die Krankheitserreger aus der Nase über die  Ohrtrompeten (Tubae auditivae) in die Ohren wandern. Die Schleimhaut der Ohrtrompeten sowie das lymphatische Gewebe an den Eingängen der Ohrtrompeten im Nasenrachen schwellen durch die Infektion an, und die Belüftung des Mittelohres ist infolgedessen nur noch unzureichend oder gar nicht mehr gewährleistet. Mit zunehmendem Alter nimmt diese Anfälligkeit meistens ab.

Die Nase ist auch direkt mit den Nasennebenhöhlen verbunden, so dass sich die Infektion auch dorthin ausbreiten und zu einer führen kann. Sie äußert sich durch ein schmerzhaftes Druckgefühl hinter den Wangenknochen oder Augen. Die Schmerzen werden schlimmer, wenn man sich bückt und sind besonders ausgeprägt morgens nach dem Aufstehen.

Wenn sich die Erkrankung auf die Schleimhäute der tieferen Atemwege, also der Bronchien ausbreitet, kann es hier zu einer Entzündung, einer Bronchitis, kommen. Starker, schmerzhafter Husten mit weißem bis gelblichem Auswurf, Atembeschwerden und oft auch Fieber sind die Anzeichen dafür. Das Kind fühlt sich dann sehr krank, ist wenig belastbar und hat ein großes Schlafbedürfnis.

Diese Folgeerkrankungen können unter Umständen durch verschiedene pflanzlichen Präparate, die den Schleim lösen und die Entzündung hemmen, behandelt werden. Hält die Entzündung jedoch länger als drei Tage an, kann die Einnahme von Antibiotika erforderlich sein. Sie sollten dann mit Ihrem Kind zu einem Kinder- und Jugendarzt gehen.

Manche Säuglinge oder Kleinkinder neigen bei rasch ansteigendem Fieber zu Fieberkrämpfen. Das Kind zittert, verdreht eventuell die Augen und wird kurzfristig bewusstlos. Sie sollten dann auf jeden Fall sofort einen Arzt aufsuchen.

In ganz seltenen Fällen kann eine Erkältung zu einer Herz-Kreislauf-Schwäche führen.

Therapie

Da es kein Medikament gibt, das die eigentlichen Verursacher der Erkältung, die Viren, bekämpft, dauert die Erkrankung mit oder ohne Behandlung meist 7-10 Tage lang.

Bei Erkältungen und verschleimten Atemwegen gilt generell: viel Trinken. Das macht den Schleim flüssig und lässt ihn leichter abfließen. Feuchte Tücher über der Heizung sorgen für eine feuchte, reizarme Luft, die entzündete Schleimhäute schont.

Ruhe und Schlaf führen bei Erkältungskrankheiten am schnellsten zur Erholung. Nicht alle Kinder wollen jedoch bei einer fiebrigen Erkältung im Bett liegen. Manchmal sind sie trotz Krankheit sehr munter. Eltern können darauf vertrauen, dass ein Kind, das sich krank fühlt, sich auch freiwillig hinlegt. Will das Kind spielen und herum laufen, bringt schon ein ruhiger Tagesablauf die erforderliche Erholung.

Allgemein ist es sinnvoller, das jeweilige Hauptsymptom einer Erkältungskrankheit mit einem spezifischen Medikament zu behandeln und auf Kombinationspräparate zu verzichten. In Apotheken und Drogerien ist eine Vielzahl von Mitteln rezeptfrei erhältlich.

Erleichterung bei Schnupfen schaffen Arzneimittel, deren Wirkstoffe die Nasenschleimhaut abschwellen lassen, indem sie dazu führen, dass sich die Blutgefäße in der Nasenschleimhaut verengen (Spray, Tropfen, Gel). Dosiersprays haben den Vorteil, dass sie eine genaue Wirkstoffmenge in die Nase abgeben und dass der Wirkstoff sehr gut im Naseninnenraum verteilt wird. Größere Kinder können sie auch schon selbst unter Aufsicht anwenden. Nasentropfen sollten im Liegen in die Nase eingeträufelt werden. Sie laufen in den Rachenraum, verteilen den Wirkstoff nicht so gleichmäßig wie die Dosiersprays, werden aber gerade bei einer Ohrenentzündung von manchen Kinderärzten bevorzugt. Durch das Abschwellen der Nasenschleimhaut werden auch die Ausführungsgänge zu den Nebenhöhlen frei. Das in den Nebenhöhlen gebildete Sekret kann so leichter abfließen, die Gefahr einer Nasennebenhöhlenentzündung vermindert sich.

Je nach Alter gibt es für Kinder unterschiedlich stark dosierte Nasentropfen und –sprays. Die Altersvorgaben sollten unbedingt beachtet werden, denn bei Überdosierung kann der Wirkstoff der Nasentropfen in den Blutkreislauf gelangen und zu einer starken Beeinträchtigung der Atmung bis hin zur Bewusstlosigkeit führen. Diese Gefahr besteht nicht bei Anwendung altersgemäßer Verdünnungen.

Nasensprays und -tropfen sind jedoch nur für den kurzfristigen Einsatz gedacht – es sei denn der Arzt hat eine längere Anwendung verordnet, denn die Gefäße in der Nasenschleimhaut können ihre Weite selbständig regulieren; eine Fähigkeit, die sich bei dauerhafter Anwendung von abschwellenden Nasensprays verliert. Als Alternative zu Nasensprays können auch selbsthergestellte Kochsalz-Nasentropfen (1 g Speisesalz in 100 ml Wasser) eingesetzt werden.

Wohltuend für die Atemwege sind auch Kamille oder ätherische Öle wie z. B. Eukalyptus. Doch Vorsicht ist geboten, denn ätherische Öle können unter Umständen Allergien hervorrufen. Sie werden entweder direkt auf die Haut oder die Oberbekleidung aufgetragen oder in heißes Wasser gegeben und inhaliert. Auch das Inhalieren von heißem Dampf erleichtert das Atmen.

Gegen trockenen Husten helfen häufig alte Hausmittel wie heiße Milch mit Honig oder frei verkäufliche Hustensäfte. Beruhigende, codeinhaltige Hustenblocker sind in der Regel rezeptpflichtig und müssen vom Arzt verschrieben werden. Sie werden eingesetzt, wenn der Husten gerade nachts den Schlaf sehr beeinträchtigt. Auch Auszüge von Heilpflanzen, etwa aus Eibischwurzel oder Isländisch-Moos können bei Reizhusten lindernd wirken.

Wird der Husten schleimhaltiger, d. h. „produktiver”, werden Hustenlöser (Expektorantien) eingesetzt. Der Wirkstoff Acetylcystein beispielsweise verändert die Struktur des Schleims, macht ihn weniger zäh und erleichtert so seinen Abtransport. Wirkstoffe wie Ambroxol oder Bromhexin regen die Produktion eines dünnflüssigen Schleims an. Expektorantien gibt es – abhängig natürlich vom Wirkstoff – in den unterschiedlichsten Darreichungsformen, als Saft, Kapseln, als Brausetabletten oder als Granulat zum Auflösen. Die letztgenannten Präparate haben den Vorteil, dass man zusätzlich zum Wirkstoff gleich auch Flüssigkeit zu sich nimmt.

Fieber ist ein wichtiger Abwehrmechanismus des Körpers und sollte deswegen nur in Ausnahmefällen gesenkt werden. Sind die Beschwerden unerträglich, drücken kalte Wadenwickel die Temperatur nach unten. Wadenwickel dürfen jedoch nur angewendet werden, wenn Beine und Arme ebenfalls warm sind. Bei „Kreislaufzentralisation“ (Körper heiß – Arme und Beine kalt), können Wadenwickel sehr schädlich sein. Den Arzt sollte man unbedingt bei hohem Fieber aufsuchen und wenn die Krankheitssymptome über mehrere Tage hinweg unverändert andauern. Die Einnahme von fiebersenkenden Mitteln ist erst ab einer Temperatur von 39° C ratsam, Kinder erhalten üblicherweise Paracetamol. Acetylsalicylsäure sollte von Kindern und Jugendlichen bei fieberhaften Erkrankungen nicht eingenommen werden, da die Gefahr des ”Reye-Syndroms”, einer zwar in Deutschland außerordentlich selten auftretenden akuten, oft tödlichen Leber-Hirn-Erkrankung, besteht. Ohne ärztliche Empfehlung sollte auch Paracetamol nicht über einen längeren Zeitraum oder in höherer Dosierung eingenommen werden.

Halsschmerzen oder ein Kratzen im Hals sind medikamentös schwer zu beeinflussen. Pfefferminz- oder Salbei-Bonbons oder das Gurgeln mit warmen Kamillen, Tormentill- oder Salbeitees befeuchten die Schleimhaut und wirken der Vermehrung der Keime im Mund- und Rachenraum entgegen.

Bei Kopf- und Gliederschmerzen kommen kurzfristig Schmerzmittel zum Einsatz, die gleichzeitig auch das Fieber senken. Mit zu den bekanntesten Wirkstoffen zählt Paracetamol, das bei Kindern das Mittel der Wahl ist.

Vorsicht: Keine ätherischen Öle für kleine Kinder!

Ätherische Öle, die häufig als Hausmittel gegen Erkältungen gelten, können für Kinder lebensgefährlich werden. Das berichtet die «Ärztliche Praxis» (Nr. 11, S. 9). In konzentrierter Form inhaliert, auf die Haut oder Schleimhaut aufgetragen oder geschluckt, könnten die Öle zu massiven Vergiftungserscheinungen führen.

Je nach Menge des Öls sind bei Kindern Krampfanfälle, Schockreaktionen, Bauchweh, Übelkeit und Schleimhautirritationen möglich. Bei Säuglingen könnten ätherische Öle sehr rasch einen tödlichen Stimmritzenkrampf auslösen. Höchste Alarmstufe bestehe, wenn Lösungen ätherischer Öle in die Lunge eingeatmet würden. Das Blatt warnt unter anderem vor dem in Mode gekommenen Teebaum-Öl.

Vorsorge

Da es gegen die Vielzahl von Viren, die Erkältungskrankheiten auslösen können, keinen Impfstoff gibt (im Gegensatz zum Grippe-Impfschutz), besteht die beste Vorsorge darin, das Immunsystem zu stärken. Regelmäßige Bewegung im Freien – auch bei Wind und Wetter – sowie eine vitaminreiche und ausgewogene Ernährung, vor allem viel Vitamin C, z. B. in Form von Zitrusfrüchten, Kiwis, unterstützen die Abwehrkräfte.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Prof. Hans-Jürgen Nentwich

letzte Änderung: 28.03.2016